Wenn der Stern d´rauf ist

Berufskleidung für alle Branchen kommt aus Amstetten. Der Familienbetrieb produziert für Kleinbetriebe ebenso wie für internationale Konzerne – wie Agip, BMW, Bosch, Elan, Fiat, Honda usw. usw. Von Michael Mössmer


In ein neues Gewebe kann das Firmenlogo eingearbeitet werden, wie hier in das „Millenniumsjacket“ für John Deere.





Das „Star-Line-Vario“-Programm basiert auf einem Baukasten-Prinzip: von sechs Grundmodellen werden bis zu acht Variationen in unterschiedlichen Farben – je nach Bedarf – gestaltet.

Fotos: Ötscher
  Das innovative Amstettener Familienunternehmen wird von den Brüdern Mag. Dieter Götzl, der für Verkauf, Marketing und Organisation zuständig ist, und Dr. Georg Götzl, verantwortlich für Produktion und Einkauf, geführt. Nach dem Krieg, im Jahre 1947, gründeten deren Vater und Großvater in Amstetten, (damals in der Besatzungszone), die „Niederösterreichische Großhandelsgesellschaft NÖG“, die sich seinerzeit mit dem Handel von USIA-Gütern befaßte. Gehandelt wurde mit Lebensmitteln, Zündern, Stoffen, eben mit allem, was es damals am Markt gerade gab. 1953 wurde dann damit begonnen, mit 25 Mitarbeitern Berufs- und Sportkleidung herzustellen. Im Zuge der stetigen Aufwärtsentwicklung der österreichischen Wirtschaft nach dem Ende der Besatzungszeit wurde dann in Amstetten eine kleine Produktion gegründet, die Textilien aus Vorarlberg zu Arbeitsanzügen, Overalls und Arbeitsmänteln verarbeitete. Bereits 1960 konzentrierte sich Ötscher ausschließlich auf Firmenbekleidung.

Durch Kontakte mit Deutschland, wo damals bereits sehr große Serien benötigt wurden, führten Großaufträge deutscher Hersteller und deutscher Versandketten in Richtung Massenproduktion und zur Spezialisierung auf Berufskleidung. Näharbeiten wurden ins Ausland verlagert, vor allem nach Ungarn und Süd-Jugoslawien. Österreich war damals EFTA-Land, und die Ware wurde im Transitverfahren in die damalige EG geliefert.

Für den österreichischen Markt wurden Eigenmarken eingeführt: Unter den Namen „Büffel“ und „Elefant“ wurde hochwertige Berufsbekleidung im Standardbereich erzeugt und an die österreichische Industrie verkauft.


Bis zum Jahr 1968 wurde in sieben angemieteten Räumen rund um Amstetten mit jeweils 25 bis 30 Mitarbeitern produziert. Mit der Errichtung einer großen Fabrikationshalle in Amstetten wurde eine firmenmäßige Konsolidierung geschaffen.

Durch den Eintritt in die EG und die Öffnung der Märkte mit steigender Konkurrenz durch die Niedrigpreislöhne, speziell anfänglich durch Asien- und hauptsächlich Hongkong-Ware, wurden allmählich die kleinen Produktionsstätten geschlossen. Ötscher verlagerte seine reinen Näh-Kapazitäten zum Großteil ins Ausland, während sich die zentrale Betriebsstätte in Amstetten mit den Kernkompetenzen, nämlich Produktentwicklung, Schnitterstellung, Design, Zuschnitt und dem technischen Know-how, zu einem konsolidierten Unternehmen mit derzeit rund 140 Beschäftigten entwickelte. 70 davon sind in der Produktion, weitere 70 in Lagerhaltung, Vertrieb, Logistik, Schnitterstellung, Arbeitsvorbereitung und Verkauf tätig.

Das Nähen im Ausland macht mittlerweile einen Bruchteil des Produktes aus. Der Aufwand für Transport, Qualitätskontrolle, Zwischenlagerung von Halbfertigteilen etc. stellen eine Belastung dar, die nur bei Großaufträgen mit längeren Lieferzeiten vertretbar ist. Aber der Trend geht in Richtung eher kürzerer Lieferzeiten, und wenn sich die Technik so weiterentwickelt – die Nähzeiten werden immer kürzer und standardisiert – könnte die Produktion wieder komplett in Amstetten erfolgen.

Durch ein neues Gewebe, das die Einarbeitung des Firmenlogos ermöglicht, wird die Ötscher Firmenkleidung geradezu richtungsweisend für das neue Jahrtausend. Mit dem „Millenniumsjacket“, das innerhalb gewisser technischer Grenzen auch winddicht, wasserdicht und atmungsaktiv ist, werden nun neue Märkte erobert. Der erste Abnehmer für dieses „Millenniumsjacket“ im neuen Gewebe ist der weltweit größte amerikanische Hersteller landwirtschaftlicher Maschinen, „John Deere“, der sich seit einigen Jahren auch sehr intensiv mit Merchandising befaßt.  

Foto: ÖJ


Durch diesen Auftrag öffnete sich für Ötscher eine weitere Tür zu internationalen Märkten. Die rund 1600 europäischen John-Deere-Händler, die den umfangreichen Deere-Herbstkatalog erhalten haben, können unter 13 Artikeln auswählen, die von Ötscher Berufskleidung im Angebot enthalten sind.

Darüberhinaus bietet Ötscher eine Reihe an weiteren Bekleidungsstücken mit eingearbeitetem Firmenprofil an. T-Shirts, Sweater oder Hemden sind ebenso mit den jeweiligen Farben und Schattierungen des Firmenlogos erhältlich. Auf die spezifischen Bedürfnisse des Kunden zugeschnitten, werden im ersten Schritt in der Designerabteiung CAD-Entwürfe angefertigt. Die CAD-Designer kreieren für jeden benötigten Artikel unter Berücksichtigung der CI- und Imagevorgaben einen Designvorschlag. Dieser wird nach Abstimmung mit dem Kunden bei Bedarf korrigiert und in ein Mustermodell umgesetzt. Erst wenn dieses gefällt, erfolgt die Auftragsvergabe.

Der Firmeneinkäufer wählt aus einer Vielzahl an modernen Grundschnitten, die für alle Ansprüche variiert werden können. Die CAD-Entwürfe werden in die Schnittzeichnung übertragen, die geplotteten Schnitte in die Abteilung Zuschnitt weitergeleitet. Verarbeitet werden moderne, europäische Gewebe, besonders strapazfähige Mischgewebe, eine Reihe von Spezialgeweben wie Proban, Goretex etc. sowie natürlich reine Baumwolle – je nach Kundenwunsch bzw. den Anforderungen, die an die Berufskleidung gestellt werden.

In der Näherei wird in Gruppen gearbeitet, die Arbeitszeit ist flexibel gestaltbar, dadurch sind kurze Durchlaufzeiten gewährleistet.

Für die CI-Bekleidung wurde ein System geschaffen, das auf dem Baukasten-Prinzip basiert. Das heißt, von sechs Grundmodellen werden bis zu acht Variationen je nach Bedarf gestaltet. Das Produktionsprogramm umfaßt derzeit Standard- und Speziallinien mit insgesamt rund 1.400 verschiedenen Artikeln. Davon ist knapp die Hälfte in 10 bis 14 Größen und Farben jederzeit erhältlich. Die Standardmodelle werden in fünf Grundfarben angeboten, Variationen sind in 15 Zusatzfarben möglich.

Nicht erst seit dem Beitritt zur EU ist die Profilierung eines Unternehmens als Marke ein stetiges und notwendiges Bemühen. Einheitliche Berufs-Bekleidung dient der Kundenorientierung ebenso wie dem Zusammengehörigkeitgefühl der Mitarbeiter. Deshalb wird den Kunden auch eine umfassende Lagerhaltung angeboten, um sie bei Nachbestellungen prompt beliefern zu können. So kann auch bei Mitarbeiterwechsel die einheitliche Kleidung jederzeit gewährleistet werden. Das Fertigwarenlager Amstetten umfaßt rund 250.000 Teile. Ermöglicht wird diese Nachlieferungsgarantie durch die Fertigung im eigenen Haus.

Zehn Prozent der erzeugten Berufsbekleidung gehen in den Export mit Hauptschwerpunkt auf europäische Länder wie Belgien, Deutschland, Dänemark, Finnland, Irland, Island, Italien, Niederlande, Norwegen, Schweden und die Schweiz. Aber auch Japan zählt bereits zu den wichtigsten Exportländern. Für alle anderen Länder besteht natürlich großes Interesse an Kooperationen mit Handelshäusern oder Importeuren. Rund eine Million Artikel werden jährlich ausgeliefert, 1998 wurde ein Umsatz von rund 200 Mio. Schilling (~ 14,5 Mio. E) erwirtschaftet.

Informationen:
Ötscher Berufskleidung Götzl GesmbH
A-3300 Amstetten, Ötscherplatz 1
Tel.: ++43 / (0)7472 / 64 7 44
Fax: ++43 / (0)7472 / 64 7 44-48
Internet: http://www.oetscher.com
E-Mail: info@oetscher.com