In der Warteschlange
Kärntens
Immobilienmarkt macht derzeit schwere Zeiten durch. Die Preise sind im Vergleich zum vergangenen Jahr noch einmal
gesunken. Sehr zur Freude der Wohnungssuchenden. Von Erich
Hintersteiner. |
Der Wohnungsinteressierte kann aus einer Anzahl von Wohnungen aussuchen, und ist entsprechend
wählerisch geworden. Ganz Kärnten von niedrigen Preisen überschwemmt? Nein. Die Situation stellt
sich ganz anders dar. Ein Gros an schlechten Einheiten senkt den Durchschnitt radikal ab. Und schlechte oder alte
Einheiten aus den 50er und 60er Jahren gibt es genug. Bis zu 30 Prozent haben sie an Wert verloren, und sind derzeit
nur noch über den Preis zu verkaufen. Und das wird auch in Zukunft so bleiben. Denn Wohnungen im mittleren
Segment sind nämlich mehr als genug vorhanden. Die einzigen, die sich in Kärnten freuen, sind Besitzer
von Einfamilien- und Reihenhäusern. Und das sind im Land nicht wenige.
Die Preise für Häuser sind leicht gestiegen
Raimund Neuwirther, Landesinnungsmeister der Immobilien- und Vermögenstreuhänder
Kärnten: „Der Kärntner will Häuser bauen.“ Im Gegensatz zu den anderen Immobilien sind daher auch
diese im Preis leicht nach oben gegangen, und werden vermutlich auch so bleiben. 4,7 Prozent stiegen die Preise
im Vergleichszeitraum von letztem Jahr für Reihenhäuser, um 2,4 Prozent für Einfamilienhäuser.
„Allerdings“, so schränkt Elisabeth Lexer, Lexer Immobilien, Klagenfurt, ein, „die Preissteigerung bei den
Eigenheimen kann man nicht ganz so global sehen, denn die älteren Objekte haben nachgelassen.“ Zumindest aber
nicht so stark, daß sie die neuen Objekte mitgerissen hätten. Der Eigenheimmarkt ist einer der wenigen,
der halbwegs stabil ist. In seinem Windschatten ziehen auch die Preise für Baugründe im Schnitt leicht
an. Zwar nur um 1,3 Prozent, aber im Vergleich zu der Misere bei allen anderen Immobilien ein Lichtblick. Und derer
gibt es nicht viele im Süden.
Die Liebhaberprojekte und die Grundstücke am See gehören dazu. Sie sind weiterhin in einem hohen Preissegment
angesiedelt und machen keine Anstalten dieses zu verlassen. Peter Kleinfercher, Die erste Millstätter See
Immobilien GmbH.: „Ferienimmobilien sind den Schwankungen auch unterworfen, aber nicht so stark. Für Sonderimmobilien
gelten überhaupt andere Gesetze.“ Und diese Sonderimmobilien sind in Kärnten weiterhin gefragt. Sogar
sehr.
Liebhaberobjekte am See
Peter Kleinfercher: „Wir spüren einen klaren Trend nach Österreich.
Das Kapital wird aus Deutschland verscheucht. Jetzt gehen sie ins qualitative Österreich. Die Leute kaufen,
weil sie längerfristig investieren.“ Kleinfercher bietet ihnen die Möglichkeit dazu. Direkt am Millstätter
See wurde die Wohnanlage Royal gebaut. 46 Wohneinheiten in zwei Wohnhäusern wurden in einer 23.000 Quadratmeter
großen Parkanlage errichtet. Hochwertige Qualität in bester Lage hat auch ihren Preis: 35.000,– Schilling
(~ 2.540,– E) pro Quadratmeter werden für die 50 bis 200 Quadratmeter großen Einheiten verlangt. Die
nachfragende Kundenschicht ist bunt gemischt, ein Drittel sind Kärntner, ein Drittel kommt aus dem übrigen
Österreich, speziell aus Wien und Salzburg, und ein Drittel aus Deutschland. Die breite Masse allerdings fehlt
in Kärnten. Genauso wählerisch wie die Kunden bei den Immobilien in ihrer Heimat sind, sind sie es auch
bei Ferienimmobilien.
Wo ist Kärntens Stellenwert als klassisches Zweitwohnsitzland? Ingrid Ogris, Ogris Immobilien: „Zweitwohnsitz
ist kein Thema in Kärnten. Der Ansturm der deutschen Immobilienkäufer, auf die der Markt gehofft hat,
ist ausgeblieben.“ Die siedeln sich auch offensichtlich viel lieber noch weiter im Süden an. Ferienimmobilien
im Ausland boomen mehr den je. Als Konkurrenz sehen die Kärntner aber nicht sosehr den Süden, sondern
eher den Markt in Ungarn. „Die Käuferschicht aus Wien, die früher hier Ferienimmobilien erworben hat,
zieht in den Osten,“ so ein ansässiger Makler, „aber bei den niedrigen Grundstückspreisen wundert mich
das überhaupt nicht.“ Die niedrigen Grundstückspreise alleine werden es nicht ausmachen. Wer in Kärnten
einen Zweitwohnsitz begründen möchte, wird vor einige Probleme gestellt. Gerwin Kahlig, Kahlig Immobilien:
„Das Grundverkehrsgesetz in seiner Fassung von 1994 ist sehr schädlich. Im Gesetz steht, wer, was, wann kaufen
darf. Eine sinnlose Einschränkung.“ Um eine neue rechtliche Basis zu schaffen, wurden schon die verschiedensten
Varianten diskutiert.
Aber leider ist es dabei geblieben. Geändert hat sich nichts. Eine gewisse Hoffnung, daß es endlich
zukunftsweisende Änderungen gibt, ist mit der neuen Landesregierung verbunden. Mit einem bestimmten „Immobilienproblem“
hat allerdings nicht nur Kärnten zu kämpfen. Wie im gesamten Bundesgebiet steigen auch hier die Betriebskosten
eklatant an. In Klagenfurt ist die Situation mittlerweile so schlimm, daß „beim Kauf einer Eigentumswohnung
schon besonders auf die Betriebskosten Rücksicht genommen wird“, so Elisabeth Lexer. Vor allem durch die niederen
Zinsen bei Finanzierungen bedingt, machen die Betriebskosten manchmal schon ein Drittel der monatlichen Aufwendungen
aus. Das gleiche gilt für die Mieten. Raimund Neuwirther: „Der Unterschied zwischen den Mieten und den Betriebskosten
wird immer geringer. Es gibt Wohnungen, in denen die Betriebskosten schon höher sind als die Miete.“ Elisabeth
Lexer: „Bei Neuplanungen ist es extrem wichtig, auf diese Kosten von Anfang an Rücksicht zu nehmen, um sie
möglichst gering zu halten. Das ist der Markt der Zukunft."
Dem städtischen Büromarkt stehen harte Zeiten bevor
Dem Büromarkt in Klagenfurt stehen vermutlich noch harte Zeiten bevor.
Die Gründe heißen das Alpenadria Center, der Büroturm Stadt Triest, Projekt Sirius und ein Bürogebäude
in der Feldkirchnerstraße zum Beispiel. Sie alle ziehen die Unternehmen in die neue Architektur. Mittlerweile
sind die Projekte am Fertigwerden, und damit werden „Wanderungen“ ausgelöst, und in der Innenstadt die Flächen
frei. Startschuß zur großen Wanderung war im Herbst 1999. Wer nicht wechselt, will zumindest seine
Lage verbessern. Angestammte Kunden beginnen zu verhandeln. Makler berichten von Kontaktgesprächen, in denen
die Mieter nur die Preise in den neuen Bürozentren wissen wollten, aber vorläufig keine Anstalten zeigten,
ihre alten Büros zu verlassen. Global gesehen steht dem Büromarkt – eigentlich den alten Büros –
in Klagenfurt der große Break-Down erst bevor.
Wenn man den letzten Preisspiegel der Bundesinnung für Immobilien- und Vermögenstreuhänder betrachtet,
so ist ein starker Preisrückgang bei den Industrie- und Betriebsgrundstücken zu verzeichnen. Aber nicht
deshalb, weil die Wirtschaft in Kärnten „am Boden liegen“ würde und die Firmen deshalb ununterbrochen
pleite gingen. Sie gehen nicht in Konkurs, sondern übersiedeln in die neu errichteten Wirtschaftsparks. Ob
der Technologiepark Kärnten in Klagenfurt, Euro Nova in Arnoldstein, der Industriepark Völkermarkt, Silicon
Alps in Villach oder das Lavanttaler Innovationszentrum in Wolfsberg, sie bieten den Firmen nicht nur interessante
Standorte, sondern auch finanzielle Anreize, die sie veranlassen, den bisherigen Standorten den Rücken zu
kehren. Die geförderten Gewerbezentren haben den Grundstückspreis nach unten gedrückt. Denn hier
gibt es Grundstücke mit Autobahnanschluß ab 200,– Schilling (~ 14,50 E) pro Quadratmeter. Reinhold Lexer:
„Die dadurch frei werdenden Grundstücke in diesem Bereich sind derzeit kaum zu verwerten.“ |
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