Erster Schritt für Österreich als Zahlungsverkehrs- knotenpunkt in Zentral- und Osteuropa  

erstellt am
27. 05. 04

Wien (oenb) - Mit der Einführung des Euro wurde ein einheitlicher Währungsraum innerhalb der Europäischen Union Realität. Seither arbeiten die im ESZB vertretenen Notenbanken und die Kommerzbanken an der Errichtung eines einheitlichen Zahlungsverkehrsraums – der sogenannten „Single Euro Payment Area“ (SEPA). Dabei zeichnet sich zwischen den nationalen Banken- und Finanzplätzen ein immer stärkerer Wettbewerb im Hinblick auf ihre künftige Relevanz im Rahmen der neuen Zahlungsverkehrsarchitektur ab. Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) hat diesen Trend bereits frühzeitig erkannt und sich entschieden zum Wohle der heimischen Volkswirtschaft alles daran zu setzen, in Österreich einen zentralen Zahlungsverkehrsknotenpunkt zu etablieren.

Ausweitung des STEP2-Services der OeNB auf nicht-österreichische Banken
„Die OeNB hat nun durch die Ausweitung des STEP2 Services auch für nicht-österreichische Kreditinstitute einen ersten sehr wichtigen Schritt zur Errichtung eines zentralen Zahlungs- verkehrsknotenpunktes für den CEE-Raum gesetzt“, erklärt Vizegouverneur Dr. Wolfgang Duchatczek.

STEP2 Zugang der OeNB seit 03.11.2003 erfolgreich im Einsatz
Seit 3. November 2003 ist der OeNB Zugang zu STEP2 – einem neutralen, allen Banken zur Verfügung stehenden System zur Abwicklung von EU-Standard-Überweisungen – erfolgreich in Betrieb. Diese Initiative der OeNB, welche in enger Kooperation mit der APSS - einem gemeinsamen Unternehmen der österreichischen Banken und der OeNB - realisiert wurde, hat maßgeblich dazu beigetragen, die Kosten der Banken zu minimieren und dadurch die Preise für Überweisungen innerhalb der EU auf das von der Europäischen Kommission verordnete Niveau abzusenken.

Zahlten Kunden früher für eine 100-EUR-Überweisung in ein anderes EU-Land – gemäß einer Untersuchung der Europäischen Kommission – durchschnittlich mehr als 24 EUR an Spesen, so kostet die selbe Überweisung seit dem Inkrafttreten der EU-Verordnung nur mehr die Gebühr einer Inlandstransaktion. Wovon österreichische Kunden natürlich besonders profitieren, da die Kosten einer Inlandstransaktion – je nach Kontovereinbarung – meist nur wenige Cent sind. Aber nicht nur bei den Gebühren, auch bei der Überweisungsdauer gab es für den Kunden spürbare Verbesserungen. Wie ein aktueller Überweisungstest der Studiengesellschaft für Zusammenarbeit im Zahlungsverkehr (STUZZA) belegt, dauert eine Überweisung in ein anderes EU-Land durchschnittlich nur mehr 2,2 Tage.

Diese Fortschritte im Zahlungsverkehr sind nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass mehr als 85% der heimischen Banken das STEP2-Angebot der OeNB nutzen. Durch diesen großen Zuspruch ist die OeNB heute europaweit der zweitgrößte aller 59 direkten STEP2-Teilnehmer und nimmt damit eine Vorreiterrolle unter den europäischen Zentralbanken ein. Derzeit werden über den STEP2 Zugang der OeNB täglich über 14.000 Transaktionen (ca. 9.000 Stück gesendete und ca. 5.000 Stück erhaltene Transaktionen im April 2004) abgewickelt. Der durchschnittliche Betrag einer Transaktion beträgt 1.700 EUR pro Überweisung. Durch die Schaffung dieser zentralen Schnittstelle zu STEP2 konnte sich der Finanzplatz Österreich Parallelinvestitionen im Ausmaß eines siebenstelligen Eurobetrages ersparen.

Ausweitung des STEP2-Service der OeNB zum frühest möglichen Zeitpunkt
Aufgrund des starken Engagements österreichischer Banken in den neuen EU-Staaten und dem von der OeNB deklarierten Ziel zur Etablierung Österreichs als einen zentralen Zahlungsverkehrsknotenpunkt, wurde das STEP2-Service der OeNB am 10. Mai 2004 - zum frühest möglichen Zeitpunkt – auch Banken aus den zehn neuen EU-Ländern zugänglich gemacht.

Die ERSTE Bank war die erste heimische Bank, die alle ihre Tochterunternehmen aus den neuen EU-Ländern (Ceska Sporitelna, Slovenska Sporitelna und ERSTE Bank Ungarn) an den STEP2 Zugang der OeNB angebunden hat. Rechtzeitig vor dem Start am 10. Mai haben sich darüber hinaus vier Tochterunternehmen der ÖVAG (Volksbank Slowakei (Ludová Banka), Volksbank Slowenien, Volksbank Tschechien, Volksbank Malta Limited) in den neuen EU-Ländern für den OeNB STEP2 Zugang entschieden.

Mit dem ersten vollständig und problemlos absolvierten STEP2-Processing Cycle von Banken aus den neuen EU-Ländern wurde die Anbindung von Auslandsbanken an den STEP2 Zugang der OeNB am 10. Mai schließlich erfolgreich eingesetzt. Damit serviciert die OeNB in STEP2 zum heutigen Stand Teilnehmer aus:

Österreich
Deutschland
Malta
Tschechien
Slowakei
Slowenien
Ungarn.

„Damit ist die OeNB jener aller 59 direkten STEP2 Teilnehmer, der zur Zeit die meisten Teilnehmer aus den neuen EU-Ländern angebunden hat und im EBA STEP2 System bereits als zentraler Knotenpunkt bezeichnet werden kann.“

Die gemeinsame Anstrengung der OeNB und der Kommerzbanken zur konsequenten und zeitgerechten Anbindung des heimischen Zahlungsverkehrs an europäische Systeme garantiert dem heimischen Finanzplatz – wie EBA STEP2 beweist - die Einsparung von Overheads, die durch die Schaffung von mehreren Systemen entstehen würden und stärkt den österreichischen Finanzplatz im internationalen Wettbewerb.

Nächster Meilenstein
Ein nächster Meilenstein soll in diesem Zusammenhang die Errichtung eines National Automated Clearing Houses (NACH) sein. Durch die Substitution des derzeit bestehenden Korrespondenzbankensystems durch ein NACH wären Einsparungspotentiale von jährlich 10 Mio. Euro realisierbar. Ähnlich der Lösung bei EBA STEP2 plant die OeNB auch bei der Errichtung des NACH eine neutrale, für alle Marktteilnehmer offene Lösung, die einen wesentlichen Schritt der Integration des österreichischen Zahlungsverkehrs in eine „Single Euro Payment Area“ (SEPA) darstellen wird. In diesem Zusammenhang wird in den kommenden Wochen von allen Beteiligten - der OeNB und den Kreditinstituten - geprüft, in welcher Form das NACH errichtet werden kann. Noch im Juni soll eine diesbezügliche Übereinkunft zwischen den Banken und der OeNB erzielt werden.
     
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