"Kardinal König war ein 'großer Prophet'"  

erstellt am
03. 08. 04

Lubliner Erzbischof Zycinski unterstreicht bei Dankgottesdienst in Mariazell Verbundenheit des polnischen Episkopats mit dem verstorbenen Wiener Alterzbischof
Wien (stephanscom.at / pew) - Die Verdienste von Kardinal Franz König für das "neue Europa" unterstrich der Lubliner Erzbischof Jozef Zycinski bei einem Dankgottesdienst in der Mariazeller Basilika. Zu dem Gottesdienst hatte das kirchliche Institut "Janineum" aus Anlass des bevorstehenden 99. Geburtstags des verstorbenen Wiener Alterzbischofs eingeladen. In der Lebenszeit Königs habe es "radikale Veränderungen" gegeben, betonte Erzbischof Zycinski. In solchen Zeiten würden immer wieder "große Propheten" auftreten, wie Kardinal König einer gewesen sei.

In der Zeit des Kalten Krieges und der sich ausbreitenden religiösen Gleichgültigkeit habe König unbeirrbar die "Schönheit des Evangeliums Christi" vertreten, unterstrich der polnische Erzbischof. Sein Eintreten für den Dialog mache den verstorbenen Wiener Alterzbischof zu einem "Symbol der neuen Einheit Europas". Den polnischen Bischöfen sei die Herzlichkeit unvergesslich, mit der König Kardinal-Primas Stefan Wyszynski auf dessen Reisen nach Rom jeweils in Wien empfangen habe. Unvergesslich sei aber auch die "diskrete, aber wirksame Unterstützung" Königs für das Institut "Janineum", dessen Gründerin Lonny Glaser die Förderung der christlichen akademischen Eliten in Ostmitteleuropa zu ihrer Lebensaufgabe gemacht habe. Erzbischof Zycinski erinnerte daran, dass dank des "Janineums" seit 1957 fast 6.000 Wissenschaftler und Künstler aus Ostmitteleuropa zu Studienaufenthalten nach Österreich kommen konnten. Alle diese Intellektuellen hätten inzwischen verantwortungsvolle Positionen in Staat, Wirtschaft, Kultur, Diplomatie und Kirche in ihren Heimatländern übernommen.

"Wir müssen das Werk Kardinal Königs fortsetzen", betonte Zycinski. Es gehe um das "Europa des Geistes", das weder Politik noch Wirtschaft, wohl aber die Pilger aufbauen könnten. Mariazell sei ein "besonderer Ort", der die "geistige Einheit" Europas symbolisiere. Pilger aus ganz Europa würden in Mariazell auf Maria schauen: "Das Geheimnis ihrer Größe besteht darin, dass sie grenzenlos auf Gott vertraut hat".

Der Mariazeller Superior P. Karl Schauer hatte eingangs betont, dass Kardinal König auch heute geistig präsent sei: "Er ist unter uns, er ist uns ein guter Fürsprecher und hält seine Hand über die Kirche, über unser Land, über Europa". P. Schauer betonte die Bedeutung des "Janineums". Hier sei "im stillen" etwas gewachsen, das dazu beigetragen habe, dass 1989 in Europa die künstlichen Mauern eingerissen werden konnten.

Die Aufgabe, am gemeinsamen Europa zu bauen, gehe weiter, unterstrich der Superior. Der Erfolg der "Wallfahrt der Völker" als Höhepunkt des Mitteleuropäischen Katholikentags sei ein wesentlicher Impuls dafür. Dieser Impuls gehe von einem Ort aus, "der immer ein europäischer Ort war".
     
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