Was die Europäer über die Agrarpolitik der EU denken  

erstellt am
22. 10. 04

Brüssel (eu.int) - Eine besondere Eurobarometer-Untersuchung mit dem Titel „Die Bürger der Europäischen Union und die Landwirtschaft von 1995 bis 2003“ vermittelt ein allgemeines Bild davon, wie sich die Wahrnehmung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP), ihrer Ziele und ihrer Vorteile durch die Bürger entwickelt hat und wie diese die eingetretenen Veränderungen beurteilen. Insgesamt nehmen die Europäer der Untersuchung nach die Rolle der GAP bei der Erfüllung ihrer Forderungen positiv wahr. Zugleich wird aber auch deutlich, dass mehr getan werden muss, um der breiten Öffentlichkeit die Funktionsweise der GAP zu erläutern.

Eurobarometer zufolge ist die Landwirtschaft der Politikbereich der EU, der von den Bürgern am stärksten wahrgenommen wird. Sie betrachten eine gemeinsame Agrarpolitik – ebenso wie die Umwelt- und Sozialpolitik – als eine Notwendigkeit. Im Zuge des europäischen Aufbauwerks ist zudem die Mehrheit der Auffassung, dass die Entscheidungen in diesem Bereich auf Ebene der Europäischen Union getroffen werden sollten. Der Bericht enthält die wichtigsten Ergebnisse einer repräsentativen Auswahl von Fragen, die im Standard-Eurobarometer im Zeitraum 1995-2003 zur GAP und zur Qualität von Lebensmitteln gestellt wurden.

  • Wahrnehmung der GAP durch die Bürger: Die Europäer halten es für richtig, dass die Agrarpolitik auf EU-Ebene geführt wird. Die Mehrheit meint aber, über die Funktionsweise der GAP nicht Bescheid zu wissen (viele – vor allem in Italien, Spanien, Österreich und Schweden – wissen wenig oder nichts darüber), was darauf schließen lässt, dass die Öffentlichkeitsarbeit zur Funktionsweise der GAP verstärkt werden sollte.
  • Wenig wahrgenommen wird die GAP vor allem von Frauen, den 15- bis 24-Jährigen sowie von den über 54-Jährigen. Die Kommission sollte ihre Kommunikationsstrategie daher auch auf diese Altersgruppen ausrichten. Bei Personen mit sehr niedrigem Bildungsniveau liegt ebenfalls ein Informationsdefizit vor.
  • Bewertung der Weise, wie die GAP ihrer Aufgabe gerecht wird: Die Europäer sind klar der Auffassung, dass die Aufgabe der GAP in erster Linie darin bestehen sollte, die Gesundheit und Sicherheit von landwirtschaftlichen Erzeugnissen zu gewährleisten. Obwohl aber die Mehrzahl der europäischen Bürger die Rolle der GAP befürwortet, sind wesentlich weniger der Ansicht, dass die GAP ihrer Aufgabe in diesen Bereichen auch wirklich gerecht wird.
  • Die Einstellung der Bürger zur GAP-Reform: Obwohl weniger als 50% der europäischen Bürger der Auffassung sind, die Europäische Union werde ihren Zielen im Bereich der Landwirtschaft wirklich gerecht, ist es doch ermutigend zu sehen, dass die neue Richtung, die die GAP in jüngster Zeit eingeschlagen hat, in den Mitgliedstaaten der EU, insbesondere in Irland und Österreich, breite Unterstützung findet.
  • Der Preis, den die Bürger für Qualitätslebensmittel zu zahlen bereit sind, und ihre Einstellung zu Qualitätszeichen für hochwertige Lebensmittel: Die Qualität von Lebensmitteln ist für die Europäer – vor allem in den nördlichen Ländern – ein wichtiges Thema. Ein Qualitätslebensmittel muss einen guten, natürlichen Geschmack aufweisen, appetitlich aussehen und unter strikten Hygienebedingungen hergestellt sein. Die Bürger wären offensichtlich bereit, für Fleisch und Gemüse von höherer Qualität mehr zu zahlen, und hätten zu solchen Erzeugnissen mehr Vertrauen, wenn die EU den Ursprung des Erzeugnisses oder seine Herstellungsweise garantieren könnte. Die Mehrzahl der Bürger – vor allem in den südlichen Ländern – unterstützt den Gedanken eines europäischen Qualitätszeichens.


Die Bereitschaft, mehr zu zahlen, ist das vielleicht überraschendste Ergebnis. Dem Bericht zufolge hat aber eine Mehrheit (52%) erklärt, sie würden für Qualität auch höhere Preise zahlen (um 5-10% höhere Preise würden offensichtlich akzeptiert). Auf der anderen Seite waren knapp ein Drittel (31%) nicht bereit, mehr zu zahlen. 40% der Finnen und Franzosen gaben an, sie würden für Qualitätslebensmittel nicht mehr ausgeben wollen.

     
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