Stadtrat Werner Faymann präsentiert RUMBA-Projekt  

erstellt am
09. 05. 05

EU konfinanziert umweltfreundliche Baustellenabwicklung
Wien (rk) - "Der Wiener Wohnbau ist besonders umweltverträglich. Niedrigenergiehäuser sind im geförderten Wohnbau bereits Standard und sieben Energiesparhaus-Projekte (Passivhäuser) werden derzeit umgesetzt. Durch Wohnhaussanierungen und den Verzicht auf klimaschädigende Baustoffe werden positive Effekte, die dem permanenten Verzicht auf 360.000 PKWs entsprechen, erzielt. Jetzt geht die Stadt einen Schritt weiter und versucht auch die baustellen- bedingten negativen Auswirkungen auf Klima und Luftgüte sowie auf das Lebensgefühl der Anrainer zu minimieren. Bei der Baustelle des Projekts Kabelwerk mit seinen 930 Wohnungen werden auf diese Weise 14.000 LKW-Fahrten eingespart. Die CO2-Emissionen konnten durch diese Maßnahme sogar um 80 Prozent gesenkt werden", erklärte Wohnbaustadtrat Werner Faymann am Freitag (06. 05.).

Bei Bautätigkeiten sind Klima und Anrainer besonders belastet.
* 67 Prozent des innerstädtischen Schwerlastverkehrs sind
baustellenbedingt.
* 7 bis 20 Prozent der Luftschadstoffemissionen und der
Treibhausgasemissionen werden vom Baustellenverkehr verursacht.
* Der Baustellenverkehr nützt darüber hinaus die Straßen
überproportional ab. Im Vergleich mit einem PKW belastet ein
zweiachsiger LKW (18 Tonnen) die Straßen 17.000 Mal, ein
vierachsiger PKW (30 Tonnen) die Straßen 30.000 Mal stärker.
* 70 Prozent des Wiener Abfall-Aufkommens entfällt auf Bauabfälle.

RUMBA
Im Jahr 2001 hat die Stadt Wien das Projekt RUMBA (Richtlinie für eine umweltfreundliche Baustellenabwicklung) gestartet. Kofinanziert von der EU wurden bis Ende 2004 gemeinsam mit Wissenschaftern und Bauträgern alle Möglichkeiten der Staub-, Lärm- und LKW-Fahrten-Vermeidung sowie der Wiederverwertung von Baustellenabfällen getestet. Dabei haben sich folgende Erkenntnisse herauskristallisiert:

* Die LKW-Fahrten können um bis zu 90 Prozent verringert werden.
* Die getrennte Sammlung von Bauresten in Sortieranlagen auf der
Baustelle erhöhen die Verwertungsquoten um 20 - 40 Prozent.
* Die Staubbelastung kann durch weitgehenden Verzicht von LKW
Fahrten sowie durch Maßnahmen wie dichte
Baustellenumschließungen, Abdeckung von Mulden und Containern
durch Planen, Einsatz von Schuttsaugern usw. um mehr als 60
Prozent verringert werden.
* Die Lärmbelastung der Anrainer kann durch das Aufstellen mobiler
Schallschutzwände sowie durch Vermeidung lauter Maschinen und
Fahrzeuge, schalldämmende Auskleidung von Mulden mit
Gummiauskleidung usw. deutlich verringert werden (um bis zu 20
Dezibel).
* Die durch die Bauarbeiten bedingte CO2-Belastung kann um bis zu
80 Prozent verringert werden. Die Belastung durch Feinstaub kann
sogar um 90 Prozent gesenkt werden.
* Die Mehrkosten für die zusätzlichen Maßnahmen liegen bei
geschätzten 450 Euro pro Wohnung. Bei durchschnittlichen
Errichtungskosten für eine Wohnung von 110.000,- Euro ergibt das
eine Kostenerhöhung von lediglich 0,4 Prozent.

Das erste Großprojekt, bei dem diese Erkenntnisse umgesetzt werden, ist das Kabelwerk in Meidling. Hier wurde das Hauptaugenmerk auf die Vermeidung von LKW-Fahrten gelegt. 170.000 Tonnen Bauabfall werden mit der Bahn transportiert. Dem Bezirk und dem Süden Wiens bleiben dabei ca. 14.000 LKW-Fahrten erspart.

Auf dem Areal des ehemaligen Kabelwerkes in Wien Meidling entsteht auf 13 Bauplätzen mit einer Gesamtfläche von über 80.000 m² ein kleiner Stadtteil mit gemischter Nutzung; ca. 930 Wohnungen, Büros, einem Hotel, Grünanlagen etc. Das historische Gebäude wird teilweise erhalten und wird weiterhin kulturellen Zwecken dienen. Im Norden entsteht eine Hochgarage zwischen Bahntrasse und Gesamtanlage. Mit Ausnahme des letzten Bauplatzes soll die gesamte Anlage bis 2007 fertiggestellt werden.

Der An- und Abtransport erfolgt über ein bereits vorher vorhandenes Stichgleis im Norden des Areals. Eine Inbetriebnahme des Gleises konnte nach der Freilegung ohne weitere Probleme, z.B. eisenbahnrechtlicher Natur erfolgen. Das Stichgleis fasst 10 Waggons. Antransportiert werden Stahlbeton-Fertigteile der Firma Mischek, abtransportiert wird das gesamte Aushubmaterial in einer Gesamtmenge von ca. 170.000 t (d.h. 80 t per Waggon, oder 800t per Zug) Der Aushub wird zur Deponie Parndorf geführt. Eine Ausweitung des Transportbetriebes wäre theoretisch später auch für die Anlieferung weiteren Baumaterials, eventuell auch als Containertransport möglich.

Nächstes RUMBA-Projekt: Thürnlhofstraße West
Die nächste besonders umweltverträgliche Wohnbaustelle heißt "Thürnlhofstraße West" in Simmering. Hier werden die Ergebnisse und Erfahrungen des RUMBA-Projekts sowie des Projekts Kabelwerk umgesetzt. Beim Bauträgerwettbewerb im Jahr 2004 waren Umwelt- und Baulogistikmanagement entscheidende Parameter.

Bei der Errichtung der 900 Wohnungen werden unter anderem Sortierinseln für die Baumülltrennung zum Einsatz kommen. Darüber hinaus wird auch hier der Großteil der LKW-Fahrten durch Bahntransporte ersetzt. Der Spatenstich erfolgt noch im heurigen Sommer.
     
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