Sklaverei bleibt eine dauernde Versuchung  

erstellt am
08. 07. 05

"Missio"-Nationaldirektor Maasburg bei Missions-Studientagung in Wien: Der erste Schritt zur Überwindung der Sklaverei muss "ein Schritt zu Gott" sein
Wien (stephanscom.at) - Das Thema Sklaverei ist "in der menschlichen Natur verankert" und stellt sich unter veränderten geschichtlichen Bedingungen immer wieder neu: Darauf wies der Nationaldirektor der Päpstlichen Missionswerke in Österreich ("Missio"-Austria), am Rande der Missions-Studientagung in Wien hin, die heuer dem Thema "Ware Mensch - Das Geschäft mit der modernen Sklaverei" gewidmet ist. Offenbar gebe es immer wieder Tendenzen, andere Menschen zu unterjochen und zu versklaven. Aktuelle Spielarten der Sklaverei hätten heute mit der Globalisierung zu tun. Der erste Schritt zur Überwindung dieser Situationen müsse ein Schritt zu Gott sei, betonte Maasburg im Gespräch mit "Kathpress".

In der Verkündigung des Wortes Gottes sieht der "Missio"-Nationaldirektor die beste Möglichkeit, gegen Unrechtsverhältnisse vorzugehen. Neben diesem Hauptanliegen fördere "Missio" auch Einrichtungen wie Spitäler und Schulen oder lanciere Kampagnen, "die von keinem anderen wahrgenommen werden".

Bordell statt Paradies
Sr. Ulrike Richter von der Kongregation der Missionarinnen Christi, eine Mitarbeiterin der Beratungsstelle "Kobranet" für Opfer von Menschenhandel in Leipzig, schilderte bei der Missions-Studientagung die Mechanismen der Ausbeutung von Frauen: Die Betroffenen werden in ihrem Heimatland durch Zeitungsannoncen oder Arbeitsagenturen angesprochen, ihnen wird meist eine seriöse Tätigkeit im Ausland versprochen. Dabei ist den Frauen nicht bekannt, dass sie im Zielland keine Chance auf eine Arbeitserlaubnis haben. Erst nach der Anreise, für die von den Menschenhändlern horrende Summen verrechnet werden, bekommen sie ein klareres Bild von der tatsächlichen "Aufgabe", die auf sie wartet, meist in der Prostitution oder Pornografie.

Waren früher vor allem Frauen aus Ländern des "Südens" betroffen, so steigt seit den neunziger Jahren die Zahl der Opfer aus den früher kommunistisch beherrschten Ländern, berichtete die Ordensfrau: "Die Frauen werden häufig unter Gewaltandrohung festgehalten, Schläge und Vergewaltigung sind keine Seltenheit". Viele hätten den Menschenhändlern ihren Pass ausgehändigt und würden ihn nicht wieder bekommen. Oft werde auch damit gedroht, Familienmitglieder über die Situation zu informieren, oder diesen etwas anzutun.

Nur mit Hilfe der Opfer sei es möglich, die Menschenhändler vor Gericht zu bringen. Die Frauen würden sich damit massiver Gefährdung aussetzen. Selbst wenn es zu einer Anklage komm, seien nicht zwingend alle Täter davon erfasst - vor allem jene im Heimatland der Frauen werden oft nicht belangt. "Vor diesem Hintergrund ist es nicht nachvollziehbar, dass die Betroffenen nach dem Ende eines Verfahrens kein Aufenthaltsrecht in den Zielländern erhalten", kritisierte Sr. Ulrike Richter: "Das muss geändert werden".

Machtlos gegen "Arbeitssklaverei"
Wolfgang Birbamer vom ÖGB nannte bei der Missions-Studientagung den Bausektor als die Branche mit dem höchsten Anteil an Schwarzarbeit. Hier gebe es häufig das Problem der Unterbezahlung, der Arbeitszeitüberschreitung oder der unterlassenen behördlichen Anmeldung. 3,2 Millionen unselbständig Erwerbstätige gebe es offiziell in Österreich, laut Birbamer kommen dazu "schätzungsweise nochmals rund 10 Prozent nicht legal Beschäftigter" hinzu. Stundenlöhne zwischen drei und fünf Euro seien dabei keine Seltenheit, häufig gebe es eine Sieben-Tage-Arbeitswoche. "Wobei Leute, die diese Arbeit in Anspruch nehmen, häufig gar kein Interesse haben, Arbeitszeiten einzuhalten", sie wollten möglichst viel und lange arbeiten, um nach einigen Monaten wieder in ihre Heimat zurückzukehren.

Als Gewerkschaft sei man gegen diese Formen "moderner Sklaverei" machtlos, bekannte Birbamer. Man könne nur informieren, aufklären und die Leute motivieren, für ihre Rechte einzutreten: "Den entscheidenden Schritt muss dann aber jeder Arbeitnehmer immer noch selber tun".
     
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