Zwei Uraufführungen in Salzburg und in Kairo  

erstellt am
20. 10. 05

Zwei interkulturelle zeitgenössoische Opern aus Salzburg werden uraufgeführt
Salzburg (universität) - Am 30. Oktober werden in der Kollegienkirche zwei Opern (ur)aufgeführt: Prisca und Pygmalion. Beide Opern sind aus der Zusammenarbeit zwischen drei in Salzburg lebenden Künstlern aus verschiedenen Ländern und Kulturen entstanden: Herbert Grassl aus Südtirol, Hossam Mahmoud aus Ägypten und Christian Ollivier aus Frankreich.
Nach den Salzburger Aufführungen werden beide Opern am Kairoer Opernhaus sowie am Sayed Darwish Theatre in Alexandria gespielt.

Die Werke - beide sind freie Adaptationen von Werken des berühmten ägyptischen Autors Tawfik Al Hakim - sind aus der Begegnung der Kulturen und Religionen entstanden und zeigen, wie griechische Mythologie, altägyptische Tradition, arabisches und christliches Gedankengut sich gegenseitig befruchten und bereichern können.

Die Figuren von Pygmalion und Prisca sind alle auf der Suche nach einem Gleichgewicht zwischen Ideal und Wirklichkeit, zwischen der Welt der Vernunft und der Welt der Gefühle. Sie stellen unter anderem die spannende Frage, inwieweit Liebe die Zeit überwinden und im alltäglichen Leben überleben kann.


Prisca
Die Oper, eine Wiederaufnahme, wurde 2002 in Salzburg uraufgeführt und von der Kritik sehr positiv aufgenommen. So schrieb Karl Harb:

"Die Vorlage bot dem in Salzburg tätigen Lektor Christian Ollivier Gelegenheit zu einem schlicht erzählten […] Libretto, das eine wohlgestaltete Basis ist für die Musik von Hossam Mahmoud. Der […] ägyptisch-salzburgische Komponist arbeitet mit ruhigen Klangflächen, schönem, strömendem, nie kitschigem Melos, setzt die Farben von Streichern, Blasinstrumenten (Oboe!), Schlagzeug und Singstimmen auch im Raum charakteristisch und subtil um und bindet die melodramatischen Sprecher der zwei Hauptfiguren musikalisch präzise und suggestiv ein. In Herbert Grassl fanden Autoren und Interpreten einen kompetenten musikalischen Leiter."

Das Stück beruht auf einer weitgehend unbekannten christlichen Heiligengeschichte, die von der islamischen Welt übernommen und überliefert wurde.

Der Protagonist Michilinea, ein Prinz, der zur Zeit Diokletians lebte und damals zum Christentum übergetreten war, trifft, als er aus seinem dreihundertjährigen Schlaf erwacht, auf Prisca, der Tochter des neuen Königs. Diese sieht seiner damaligen Verlobten, der Tochter des Diokletians, die ebenfalls Prisca hieß, zum Verwechseln ähnlich.

Hauptthema des Stückes ist der Umgang mit der Zeit: Vergangenheit und Gegenwart vermischen sich für die Hauptfigur, die die Situation zwar rational begreift, emotional aber nicht nachvollziehen kann.

Pygmalion
Das Werk greift auf die altgriechische Sagenfigur Pygmalion zurück, die bei Tawfik al Hakim am eigenen Streben nach Idealen scheitert.

Das Stück thematisiert die Auseinandersetzung zwischen Pygmalion und seiner Schöpfung, der zum Leben erweckten Statue Galatea, sowie die Spannungswelt zwischen dem Menschen, der durch die Kunst und die Liebe über seine enge Welt hinauswachsen kann und den in ihrer beschränkten Welt eingesperrten Göttern.

Termin: Sonntag, 30. Oktober 2005, 19:30
Ort: Kollegienkirche, Universitätsplatz 1, Salzburg
Reservierung: 0662/89 03 10 (oenm)

Komponisten:
Pygmalion: Herbert Grassl
Prisca: Hossam Mahmoud

Libretti und Regie: Christian Ollivier

Ausführende:
Österreichisches Ensemble für Neue Musik, Leitung: Herbert Grassl
Gesang: Bernadette Furch, Katrin Lehismets, Aki Hashimoto, Katrin Wundsam, Werner Bind, Thomas Künne, Bernd Lambauer, Werner Parecker
Schauspiel: Anita Schwantner, Eric Lebeau
Bewegungschor: Théâtre OUI! / TFUS

Herbert Grassl: Der international erfolgreiche Komponist, Dirigent und Professor an der Universität Mozarteum war von 1988 bis 1997 künstlerischer Leiter und Dirigent des OENM.
Seine Werkliste umfasst szenische Werke, Orchesterwerke, Kammermusikstücke in verschiedenster Besetzung, die weltweit aufgeführt werden, sowie Solostücke. 1991 entwickelte Herbert Grassl zusammen mit Otto Beck die "Klangmobile". Eine Anzahl von Kompositionen sind für offene Räume konzipiert: Stadtbespielungen, das Projekt Salzacharche (Otto Beck), Musik im Laaser Marmorbruch auf 2250 m Höhe u.a. Herbert Grassl erhielt 1979 und 1982 den Österreichischen Förderungspreis für Komponisten, 1995 den Preis der 1. Österr. Spar-Kasse-Bank und damit verbunden einen Kompositionsauftrag für das Festival Wien Modern.

Hossam Mahmoud, gebürtiger Ägypter, studierte an der Helwan-Universität/Kairo, an der Musikhochschule Graz und am "Mozarteum" in Salzburg. In den Jahren 2000 und 2002 wurde er mit Stipendien der Stadt Salzburg und des Landes Österreich ausgezeichnet. Sein Werkverzeichnis umfasst Kammermusik in unterschiedlichen Besetzungen, Orchesterkompositionen, elektronische und Computermusik sowie zwei Musiktheaterwerke.
Hossam Mahmoud setzt sich als Interpret und Komponist seit Jahren für einen Dialog der Kulturen ein. Heuer erhielt er vom Land Salzburg das Jahresstipendium 2005 für Musik.

Christian Ollivier wurde 1964 in Paris geboren. Er lebt seit 1989 in Salzburg, wo er hauptberuflich als Lehrer und Leiter des Sprachenzentrums an der Paris-Lodron-Universität arbeitet.

Er ist seit über 10 Jahren ebenfalls als Schauspieler und Regisseur in verschiedenen Formationen tätig. Seine vielseitige Theaterausbildung genoss er bei internationalen DozentInnen im In- und Ausland. Christian Ollivier kann auf eine Vielzahl von erfolgreichen Inszenierungen neuerer und klassischer Stücke sowie zwei zeitgenössischer Opern verweisen, die im In- und Ausland aufgeführt wurden: München, Bordeaux, Wien…

Die Produktion erhält Unterstützung vom Bundeskanzleramt, von Land und Stadt Salzburg, vom Verein Cultures francophones, der Internationalen Salzburg Association, vom Kulturforum der Österreichischen Botschaft in Kairo sowie des Französischen Kulturinstituts in Kairo.
Pygmalion ist auch im Rahmen des Schwerpunkts Wissenschaft und Kunst der Universität Salzburg und der Universität Mozarteum entstanden.

Hinweis: Am Samstag 29. Oktober um 19:30 spielt das OENM spielt mit dem Mädchenchor des Musischen Gymnasiums UTOPIA in der Kollegienkirche.
Leitung: Johannes Kalitzke - Chorleitung: Markus Obereder
Werke von G.F. Haas · K. H. Stockhausen · J. Kalitzke · J. Brahms
     
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