Rudolf Grimm ist Forscher des Jahres 2005  

erstellt am
27. 10. 05

Innsbruck (universität) - Bei der von der Tageszeitung „Die Presse“ ausgerufenen Wahl zum „Österreicher des Jahres“ wurde Univ.-Prof. Dr. Rudolf Grimm am Montag (24. 10.) von einer Fachjury zum Forscher des Jahres gekürt. Die Entscheidung fiel im Rahmen einer großen ORF-Fernseh-Gala, die am Vorabend des Nationalfeiertags ausgestrahlt wurde. Der Innsbrucker Physiker erforscht die Materie bei extrem tiefen Temperaturen und ist damit international sehr erfolgreich.

Rudolf Grimm ist Professor am Institut für Experimentalphysik der Universität Innsbruck und wissenschaftlicher Direktor am Institut für Quantenoptik und Quanteninformation der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Im Juli dieses Jahres wurde ihm bereits der diesjährigen Wittgenstein-Preis, die höchste in Österreich zu vergebende wissenschaftliche Auszeichnung verliehen. Mit der Wahl zum Forscher des Jahres wird seine international höchst erfolgreiche Arbeit mit ultrakalten Atomen und Molekülen nun ein weiteres Mal gewürdigt. „Ich freue mich sehr über diese Anerkennung,“ sagt Rudolf Grimm, „denn die Auszeichnung ist ein Beweis dafür, dass unsere Arbeit auch über die Grenzen der wissenschaftlichen Fachkreise hinaus wahrgenommen wird. Und dies ist umso wichtiger, als unsere Experimente Grundlagenforschung sind, deren Bedeutung gerade in der Öffentlichkeit oft unterschätzt wird.“

International sehr erfolgreich
Die Forschungsschwerpunkte des 1961 in Mannheim geborenen Rudolf Grimm sind Bose-Einstein-Kondensate aus Atomen und Molekülen sowie fermionische Quantengase. Dabei werden die mit neuesten Lasertechnologien fast auf den absoluten Nullpunkt bei minus 273,15 Grad abgekühlten Teilchen mit Hilfe von Laser- und magnetischen Fallen in der Mitte einer Vakuumzelle „gefangen“. Im Jahre 2002 gelang Grimm die weltweit erste Erzeugung eines Bose-Einstein-Kondensats aus Cäsium-Atomen, welches besonders vielseitige Wechselwirkungen bietet. Ein Jahr später erzeugte das Team erstmals ein Bose-Einstein-Kondensat aus Molekülen. Die Forschergruppe um Rudolf Grimm untersucht außerdem Möglichkeiten zur Steuerung der Wechselwirkung in Quantengasen und befasst sich mit Fragen der Superfluidität in ultrakalten Teilchensystemen. Indizien für die reibungsfreie Strömung von Teilchen in einem Fermi-Kondensat konnte Grimm im vergangenen Jahr erstmals finden, als er die ultrakalte Quantenwolke durch Radiowellen untersuchte. Das US-Wissenschaftsmagazin Science reihte diesen Erfolg unter die weltweit zehn besten Arbeiten aus allen naturwissenschaftlichen Disziplinen des letzten Jahres.

Von Deutschland über Russland nach Österreich
Rudolf Grimm studierte an der Universität Hannover Physik und promovierte an der ETH Zürich. Danach arbeitete er ein Jahr als Gastwissenschaftler am Institut für Spektroskopie in der russischen Stadt Troitsk, südlich von Moskau, und war dann zehn Jahre als Forscher am Max-Planck-Institut für Kernphysik in Heidelberg tätig. Im Jahr 2000 wurde er als Professor an die Universität Innsbruck berufen und baute hier eine neue Arbeitsgruppe am Institut für Experimentalphysik auf. Seit 2003 ist er auch wissenschaftlicher Direktor am Institut für Quantenoptik und Quanteninformation (IQOQI) der Österreichischen Akademie der Wissen-schaften (ÖAW), wo neben Rudolf Grimm auch die Professoren Rainer Blatt, Hans Briegel, Peter Zoller und Anton Zeilinger arbeiten.

Österreicher des Jahres
Der große Österreich-Preis der Tageszeitung „Die Presse“ wurde in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal vergeben. Neben der Forschung wurden auch in den Kategorien Wirtschaft und Humanitäres Engagement Wahlen durchgeführt. Jeweils acht Nominierte mussten sich zunächst in einer ersten, vierwöchigen Phase der Wahl des Publikums stellen. Die besten vier jeder Kategorie wurden dann zu ORF-Gala in die Dekorationswerkstätten der Österreichischen Bundestheater im Wiener Arsenal geladen. Rudolf Grimm setze sich am Ende gegen seine MitbewerberInnen Hermann Katinger, Birgit Sattler und Renée Schröder durch.
     
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