Startschuss für Musik-Aktionsprogramm ist erfolgt  

erstellt am
14. 11. 05

Festival junger österreichischer Musiker erkämpft sich Erfolg auf hartem Berliner Pflaster
Wien, Berlin (musikexport) - Der Startschuss zur Erschließung des deutschen Marktes für junge österreichische Musiker ist erfolgt: Mit einem Symposium und zwei fulminanten Jazz- Veranstaltungen ging das viertägige Festival "The New Austrian Sound of Music" am 9. November in Berlin zu Ende.

22 Bands und Ensembles, die mit mehr als 60 KünstlerInnen binnen vier Tagen an sechs Spielorten fünf Genres von Klassik bis Weltmusik zum Besten gaben, haben letzten Endes über 1000 Konzertbesucher für sich begeistern können. "All diese Künstler konnten über das Festival näher an wichtige Multiplikatoren herangebracht werden", resümiert Ulrike Kuner, Managing Director von Austrian Music Export. "Das ist im ersten Schritt ganz hervorragend gelungen."

"Wir wollen das nicht als Pilotprojekt belassen", kündigte Waltraud Dennhardt-Herzog, Leiterin des Musikreferats im Bundesministerium für auswärtige Angelegenheiten, auf dem Symposium in Berlin an. "Über die Form denken wir aber noch nach. Die Arbeit beginnt jetzt erst - aufgrund der Erfahrungen in Berlin." Bereits kurz nach den Vorstellungen konnten zahlreiche Musiker Folgeauftritte erwirken. Der von Austrian Music Export eingerichtete Downloadshop unter www.manymusics.org/berlin2005 konnte selbst bei unbekannten Gruppen unmittelbar nach ihren Darbietungen erste Downloads verzeichnen. In den nächsten zwei Jahren werden diese Musiker nun im Rahmen des Musik-Aktionsprogramms über die österreichischen Kulturforen weltweit vorgestellt.

Als schwierig erwies sich der zweite Festivaltag unter dem Motto "Klassik und Neue Musik" im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie. Die elektroakustischen Installationen des Wiener Komponisten Bernhard Gál und die Toy-Piano-Künste der Niederösterreicherin Isabel Ettenauer waren nicht jedermanns Sache. Das Trio Stroissnig/Karvay/Karanovic (Klavier, Violine und Violoncello) dagegen erfuhr ein Medienecho, das die Veranstalter sicher macht, dass sie in den nächsten zehn Jahren die weltbesten Konzerthäuser bespielen werden. Auch die extrovertierten Welt- und Rockmusiker konnten mit ihren energiegeladenen Vorstellungen die Gunst des Publikums für sich gewinnen.

Erstmals wurde im Rahmen des Festivals eine Kooperation von Kulturpolitik der öffentlichen Hand (Bundesministerium für auswärtige Angelegenheiten) und österreichischen Musikwirtschaftstreibenden (Plattenfirmen, Verlagen, Vertrieben, Instrumentenbauern, Veranstaltern und Magazinen) umgesetzt. Harald Huber vom Österreichischen Musikrat verwies dabei auf andere europäische Länder, in denen ähnliche Initiativen mit einer Kooperation von Staat und Wirtschaft bereits unternommen oder vorbereitet würden. Österreich übernimmt in diesem Zusammenhang eine Vorreiterrolle. Ob die Idee des Musik-Aktionsprogramms nun auch tatsächlich sichtbare Erfolge für alle Beteiligten mit sich bringt, kann erst in zehn bis zwanzig Jahren gesehen werden.

Mit der österreichischen Einstellung "Es wird schon irgendwie gehen" haben Kulturnischen unter dem Druck der Globalisierung jedenfalls keine Chance. "Man muss sich genaue Konzepte überlegen, wie man hochwertige Nischenmärkte platziert", findet Dennhardt-Herzog. Österreich habe da beste Chancen. "Eines ist klar: Stars wie Falco können nicht von heute auf morgen produziert werden." Dabei konstatiert die Musik-Diplomatin "eine Medien- und Kulturschizophrenie": "Kümmert man sich nicht um die jungen Musiker, wird man von den Medien angegriffen. Doch wenn wir beginnen, eine Strategie zu entwickeln, wird man entweder wieder angegriffen oder ignoriert." Ein Beispiel: Die Gruppe "Folksmilch" aus Graz habe das Berliner Publikum im Tipi-Zelt zu Begeisterungsstürmen hingerissen - steirische Medien lehnten Berichte über diesen Erfolg jedoch ab. "Die Medien fordern Erfolge ein, doch lokal werden diese nicht rezipiert."

Ann Muller, die derzeit für Luxemburg ein Musikexportbüro in Berlin aufbaut, beobachtete das Festival genau und sagte zu den österreichischen Veranstaltern: "Hut ab! Berlin ist so übersättigt, ein so hartes Pflaster, und trotzdem muss man gerade hier präsent sein." Folgeveranstaltungen in anderen deutschen Städten werden es voraussichtlich leichter haben als im rauen Klima von Berlin.

Informationen: http://www.musicexport.at
     
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