Khol eröffnet Ausstellung zur "Schicksalswahl 1945"  

erstellt am
15. 11. 05

Erste freie Wahlen 1945 haben richtungweisende Bedeutung
Wien (pk) - Nationalratspräsident Andreas Khol eröffnete am Montag (14. 11.) die Sonderausstellung "Schicksalswahl 1945" aus Anlass des 60. Jahrestages der Nationalratswahl vom 25. November 1945. Dass diese ersten freien Wahlen nach dem Kriegsende überhaupt stattfinden konnten, gleiche angesichts der damaligen Umstände schon einem österreichischen Wunder, schreibt der Nationalratspräsident in seinem Geleitwort zum Ausstellungskatalog. Das Gedenkjahr 2005 stelle daher mehr als einen angemessenen Anlass dar, dass das österreichische Parlament diese Wahlen, ihre richtungweisende, ja schicksalhafte Bedeutung, ihre Vorgeschichte und ihre Konsequenz wieder ins Gedächtnis ruft.

Im Rahmen dieser Sonderausstellung wird die Wiedergeburt der parlamentarischen Demokratie in Österreich auf zehn Tafeln anschaulich dokumentiert. Der Ausstellungskatalog, der vom Leiter der Abteilung Parlamentarische Dokumentation Archiv und Statistik, Günther Schefbeck, ausführlich und mit großer Sachkenntnis erstellt wurde, zeichnet den steinigen Weg der ersten Monate der Zweiten Republik nach. Dabei gibt es zahlreiche interessante und für viele teilweise auch unbekannte Fakten über diese Zeit zu entdecken.

So verlangten die sowjetischen Truppen die Entfernung der an den Spitzen der beiden Fahnenmasten angebrachten Reichsadler mit Hakenkreuzemblemen, bevor sie das Parlamentsgebäude dem neu entstandenen Staat übergaben. Diese Bedingung war jedoch nicht so einfach zu erfüllen, da die Feuerwehr damals über keine hinreichend hohe Leiter verfügte und sich die Feuerwehrmänner mit Drahtseilen an den Fahnenmasten hochziehen lassen mussten. Um das Parlamentsgebäude nach der Zerstörung durch die Bomben, Artillerie und Brände und den Folgen der zweiwöchigen Einquartierung sowjetischer Truppen wieder benutzbar zu machen, wurden Frauen - selbstverständlich keine Männer - von der Straße verpflichtet, beim Saubermachen mitzuhelfen.

Die Ausstellung beginnt mit Bildern vom zerstörten Wien, vor allem vom zerstörten Parlamentsgebäude, und dokumentiert die ersten Schritte der Provisorischen Staatsregierung sowie das Besatzungsregime. Die folgende Tafel geht näher auf die Bedeutung der Länderkonferenz ein, zumal die Konstituierung einer gesamtstaatlichen provisorischen Regierung und die Wahl der gesamtstaatlichen parlamentarischen Körperschaft, eben der Nationalratswahl, nur durch sie möglich geworden war. Das Wahlgesetz trug dem Ergebnis dieser Länderkonferenz Rechnung und machte schließlich den Weg zur "Schicksalswahl" am 25. November 1945 frei, und damit die Rückkehr zur parlamentarischen Demokratie.

Die Sonderausstellung zeigt darüber hinaus unter anderem die Wahlplakate der einzelnen Parteien und wirft einen Blick darauf, wie sich die Ereignisse der vergangenen Jahre auf die Wahlaussagen ausgewirkt haben. Erstmals wurde auch die Zielgruppe der Frauen entdeckt. Weiters werden der Wahltag und die Wahlergebnisse sowie die Konstituierung von Nationalrat und Bundesrat dargestellt. Schlusspunkt der Ausstellung stellen Informationen zur Rückkehr zum Bundes-Verfassungsgesetz dar.

Gemeinsam mit dieser Ausstellung werden Photos aus dem Bildband "From Liberation to Liberty" von Prof. Erich Lessing, der die Zeit zwischen 1945 und 1955 festgehalten hat, sowie eine Präsentation des neuen APA-Online-Archivs, das sämtliche APA-Meldungen von 1955 bis 1985 zugänglich macht, gezeigt.

Die Ausstellung ist an folgenden Tagen im Rahmen von Führungen öffentlich zugänglich: am 18., 23. und 25. November jeweils von 15 Uhr bis 16 Uhr, am 22. November von 17 Uhr bis 18 Uhr. Treffpunkt ist das neue Besucherzentrum des Parlamentsgebäudes.
     
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