Wirtschaftspolitik / Verlagerung des Güterverkehrs  

erstellt am
22. 11. 05

 Rack: Verkehrsauschuss gibt "grünes Licht" für Marco Polo II
Sinnvolle Ergänzung zur Wegekostenrichtlinie
Brüssel (övp-pd) - "Der Verkehrsausschuss hat am Dienstag (22. 11.) mit großer Mehrheit meinen Bericht zu Marco Polo II angenommen. Die erfolgreiche Idee von Marco Polo I - jetzt aber mit deutlich erhöhten finanziellen Mitteln für die kommende Periode - kann somit weiter ausgebaut und fortgesetzt werden. Es geht dabei um die Verlagerung des Güterverkehrs auf umweltfreundliche Verkehrsmittel und ist insofern das 2. Standbein für die bei uns in heißer Diskussion stehende Wegekostenrichtlinie. Marco Polo II bietet dem Transitland Österreich die Chance auf Umwegen eine Entlastung unserer Transitsituation zu erreichen", so der Verkehrssprecher der ÖVP-Delegation Univ. Prof. Dr. Reinhard Rack nach der Abstimmung im Europäischen Parlament in Brüssel.

Ziel der Richtlinie ist eine Umlenkung des Güterverkehrs weg von Straße hin auf die Bahn und auf Wasserstraßen. "Angesichts des drohenden Kollapses des Straßenverkehrs will dieses Programm alternative und umweltfreundlichere Verkehrsträger fördern und besser in den Straßenverkehr integrieren. Dies käme allen Verkehrsträgern zu Gute und würde dazu beitragen, ein für unsere Wirtschaft und Umwelt besseres, nachhaltiges Gleichgewicht im Verkehrsbereich zu Stande zu bringen, vor allem in sensiblen Gebieten", so Rack.

Für das Programm Marco Polo II sollen insgesamt 740 Millionen Euro zur Verfügung stehen. "Wir wollen nicht nur mit prohibitiven Maßnahmen wie erhöhten Mauten, sondern auch mit finanziellen Fördermitteln die betroffene Wirtschaft dazu bringen, den in den letzten Jahren umgebremst anwachsenden Siegeszug der schweren Laster auf unseren Straßen ein wenig einzubremsen. Unser Ziel muss es sein mit einem vernünftigen Mix aller Verkehrsformen zu einem Wirtschafts- und umweltfreundlichen Transportsystem zu gelangen", so der ÖVP-Verkehrssprecher weiter.

Der große Erfolg der heutigen Abstimmung ist aber vor allem auch darauf zurückzuführen, dass Rack sich bereis in den Vorarbeiten viel Mühe gegeben hat auf einzelne Verkehrsproblematik zahlreicher EU-Ländern genauestens einzugehen. In einer Anhörung im Februar dieses Jahres kamen auf Einladung Racks zahlreiche österreichische und deutsche Vertreter verschiedenster Transportunternehmen. "In meinem Bericht kommen auch heimische Anliegen nicht zu kurz. Durch eine Schwerpunktsetzung auf problematische Verkehrsknotenpunkte innerhalb des europäischen Gütertransportwesens kann eine Entlastung des Straßenverkehrs erreicht werden", so Rack abschließend.

 

 Leichtfried erfreut: Förderprogramm Marco Polo II angenommen
Herabsetzung der Schwellenwerte verbessert Zugang zu Förderungen für KMUs
Wien (sk) - "Es ist nicht so häufig, dass es gelingt, Verbesserungen für die Wirtschaft und für die Umwelt in einem zu erreichen. Bei Marco Polo II ist das so", freut sich der SP- Europaabgeordnete und Schattenberichterstatter in dieser Frage, Jörg Leichtfried, nach der Abstimmung im Verkehrsausschuss des Europäischen Parlaments am Dienstag (22. 11.).

Marco Polo II bezeichnet ein EU-Förderprogramm, mit dem die Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf alternative Verkehrsmittel wie die Bahn, die Binnenschifffahrt oder den Kurzstrecken-Seeverkehr erleichtert werden soll. Marco Polo II soll für die Zeit von 2007 bis 2013 gelten und folgt Marco Polo I, das derzeit noch in Kraft ist. "Im Vorfeld der Abstimmung kamen bei einem Hearing verschiedene Praktiker zu Wort, deren Ideen und Vorschläge vielfach aufgegriffen wurden", erläuterte Leichtfried.

"Besonders hervorzuheben ist, dass es gelang, neben dem Gewicht, auch das Volumen des zu transportierenden Gutes in das Berechnungsvolumen einzubeziehen. Damit ist auch ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung Kostenwahrheit im Güterverkehr getan, der gleichzeitig einen positiven Beitrag zur Förderung umweltfreundlicher Transportsysteme liefert", betonte Leichtfried. Es soll somit durch EU-Kofinanzierung der jährliche Zuwachs im grenzüberschreitenden Güterverkehr auf die Eisenbahn, die Binnenschifffahrt und den Kurzstreckenseeverkehr umgelenkt werden.

Der Gefahr, dass es durch das Förderprogramm zur Auslagerung von Produktion und Arbeitsplätzen aus dem Hoheitsgebiet der EU kommt, wurde durch einen Antrag der sozialdemokratischen Fraktion entgegengetreten. Darin wird gefordert, dass bei dem Bestreben, einen Großteil des Straßengüterverkehrs zu vermeiden, die Gesamtproduktion und Arbeitskräfte innerhalb der Mitgliedstaaten nicht negativ beeinflusst werden sollten.

"Um den Klein- und Mittelbetrieben, die bisher von den Förderungen aus diesem Topf beinahe ausgeschlossen waren, die Möglichkeit zu geben, hier ebenfalls finanzielle Unterstützung zu erhalten, konnte eine Herabsetzung der Schwellenwerte erreicht werden", sagte Leichtfried. Da die eingereichten Projekte nicht unter einem bestimmten Betrag sein durften, waren sie oft von den Förderungen ausgeschlossen. Durch die Herabsetzung dieses Betrages haben auch kleinere und mittlere Unternehmen in Zukunft die Chance, Fördermittel zu erhalten.

"Dass hier weitere Verbesserungen notwendig waren und Umwelt und Menschen von den Förderungen in der Höhe von 740 Millionen Euro profitieren, darüber herrschte im Verkehrsausschuss Konsens. So ist auch das relativ deutliche Abstimmungsergebnis zu erklären", so Leichtfried abschließend.
     

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