Festwochen: Von Mozart bis Neuwirth, von Shakespeare bis Fosse  

erstellt am
16. 12. 05

Wien (rk) - Vielfältig und opulent präsentiert sich das Programm der Wiener Festwochen vom 12. Mai bis 18. Juni 2006, das Intendant Luc Bondy gemeinsam mit Kulturstadtrat Dr. Andreas Mailath-Pokorny und dem Festwochenteam am Donnerstag (15. 12.) im Cafe Prückel vorstellte. Mozart als Jahresregent kommt im Musikprogramm mit drei Produktionen in unterschiedlichen interpretatorischen Ansätzen ebenso zu Wort wie das zeitgenössische Musiktheater mit Olga Neuwirth mit dem Auftragswerk "Der Don Giovanni-Komplex", einer Koproduktion mit dem Wiener Mozartjahr 2006. "Into the City" gehen die Festwochen mit einer eigenen Programmlinie, die die ethnische Vielfalt der Stadt ebenso musikalisch darstellt wie sie ein weites soziales Spektrum mit den Aufführungsorten unter anderem am Gürtel mit einbezieht. Das Schauspielprogramm reicht von Shakespeares "Macbeth" bis zu Botho Strauß' "Schändung" und Jon Fosses "Schlaf" und stellt mit insgesamt 22 Produktionen aus allen Himmelsrichtungen die Hinwendung zum Privaten, zur Individualität zur Debatte.

Mozart im Mittelpunkt
Drei Mozartopern stehen im Mittelpunkt des Musikprogramms der Festwochen. "Die Zauberflöte" mit Daniel Harding am Pult in der Inszenierung von Krystian Lupa, "Cosi fan tutte", ebenfalls mit Daniel Harding, Regie Patrice Chéreau, beide im Theater an der Wien und "Zaide" im Jugendstiltheater, musikalisch geleitet von Louis Langrée, Regie Peter Sellars, stellen verschiedene Zugänge zum Werk des Jahresregenten zur Diskussion. Den zeitgenössischen musikalischen Kommentar zum Jubiläumsjahr liefert Olga Neuwirth mit dem Auftragswerk "Der Don Giovanni-Komplex, das die Komponistin rund um einen Musikwettbewerb und unerfüllte Preishoffnungen ansiedelt. Henry Purcells "Dido und Aeneas" sorgt für barocke Klänge in der Halle E im Museumsquartier.

"Into the City"
"Into the City " gehen die Festwochen an fünf Wochenenden mit einem Programm bei freiem Zugang, das eine Brücke zwischen den musikalischen Ethnien der Stadt schlägt und auch soziales Engagement zeigt. So werden in der "Night of Lovesongs" 14 Lokale am Gürtel, darunter auch Rotlicht-Klubs bespielt, ein Teil des Getränkeerlöses kommt hier betroffenen Frauen des Milieus zugute. Im Cafe Terassinger an der Wienzeile wird ebenso dem musikalischen Kosmos Wien und Mitteleuropa gehuldigt wie in den Spielkäfigen am Margaretengürtel und in der Berufsschule an der Wienzeile, der "Mollardburg".

Internationales Schauspiel
Aus China, Europa, Japan, Südafrika und den USA kommen die insgesamt 22 Schauspielproduktionen, mit denen die Festwochen den "Innenraum individueller Erfahrung" auskundschaften. Zu Gast aus Düsseldorf ist Jürgen Gosch mit seiner Inszenierung von "Macbeth" (Halle E, Museumsquartier), von Jürgen Gosch ist auch die Inszenierung von "Wer hat Angst vor Virgina Woolf" vom Deutschen Theater Berlin, die im Volkstheater gezeigt wird. Luc Bondy bringt seine Urauffürhung von Botho Strauß' "Schändung" nach Shakespeares "Titus Andronicus" nach Wien (Halle E) und inszeniert im Akademietheater die deutschsprachige Erstaufführung von Jon Fosses "Schlaf", eine poetisch-theatralische Meditation über das Altern.

"Motortown" von Simon Stephens in der Halle G, ein Gastspiel des Londoner Court Theatre rund um britische Irak-Heimkehrer setzt sich ebenso mit politischer Gewalt auseinander wie "Faces" von John Cassavetes, eine Produktion des Deutschen Schauspielhauses Hamburg, ebenfalls in der Halle G.

Jossi Wieler ist mit einer Neuinszenierung des Kabuki- Klassikers "Gespenstergeschichten aus Yotsuya" bei den Festwochen, in der Halle G, zu Gast, Jewgenij Grischkowez mit seinem neuen Stück "Über Poe" im Schauspielhaus, und der dänische Programmzirkus "Cirkör" mit Andersens "The Mermaid" (Halle E). Rund um Texte von Elias Canetti hat Heiner Goebbels sein in vielen Farben changierendes Musiktheaterstück "Eraritjaritjaka" komponiert, zu sehen in der Halle E.

Exotische Farben ins Festwochen-Programm bringen die Produktionen "Cathay: 3 Tales of China" in der Halle E und "The Gospel at Colonus" eine Soul-Gospel-Version von "Ödipus in Kolonos" im afroamerikanischen Milieu in den USA, in der Gustav Adolf Kirche in Mariahilf.

Wiederbegegnungen mit Erfolgsproduktionen stehen ebenfalls auf dem Programm: Claus Peymann und Hermann Beil spielen sich selbst in drei Bernhard-Dramoletten, darunter "Claus Peymann kauft sich eine Hose..", in der Halle G. Und Christoph Marthalers grandiose Produktion "Schutz vor der Zukunft" ist wieder im Jugendstiltheater zu sehen.

"Township Stories" und "Tshepang", beides sozial engagiertes Theater aus Südafrika und die Schweizer Gruppe Plasma mit innovativem Bilder- und Körpertheater sind im Schauspielhaus zu Gast. Bildertheater aus Berlin zeigen "Nico and the Navigators" mit "Kain, Wenn & Aber" in der Halle G. Neue Theatererfahrungen vermittelt auch die Aufführungsreihe "Troia" im "Troia"-Gebäude auf dem Schwarzenbergplatz.

Die fünf Wiener Kaffeehäuser Korb, Prückel, Stein, Weingartner und Westend bieten "Hörbars", in denen Mats Staub und Barbara Pulli "5000 Liebesbriefe" von 1890 bis heute. In einer "Zeitreise durch die Geschichte eines Gefühls" vorstellen.

Musikfest im Musikverein
Stars aus der Welt der Musik, Solisten wie Rudolf Buchbinder, Maurizio Pollini oder Alfred Brendel, Orchester und Dirigenten von Weltrang, bringt das Musikfest im Musikverein vom 7. Mai bis 18. Juni. Mozart steht im Mittelpunkt, aber auch Dmitrij Schostakowitsch wird zu seinem 100. Geburtstag gefeiert und der musikalische Bogen bis in die Moderne geschlagen.

Informationen: http://www.festwochen.at/
     
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