Kirchen wollen Österreichs EU-Präsidentschaft aktiv mitgestalten  

erstellt am
16. 12. 05

Arbeitsbesuch von Spitzenvertretern des Ökumenischen Rates der Kirchen bei Außenministerin Plassnik
Wien (stephanscom.at) - Die Kirchen in Österreich wollen die EU-Präsidentschaft Wiens im ersten Halbjahr 2006 aktiv mitgestalten. Das haben Kardinal Christoph Schönborn, der orthodoxe Metropolit Michael Staikos, der evangelische Bischof Herwig Sturm und weitere kirchliche Vertreter am Mittwochabend bei einem Besuch bei Außenministerin Ursula Plassnik betont. Kardinal Schönborn sagte, die Kirchen seien erfreut darüber, dass ein Schwerpunkt der österreichischen Präsidentschaft die Südosteuropafrage sein werde. Der Kardinal verwies auf kirchliche Impulse in diesem Zusammenhang wie die Donaukirchen-Konsultationen und die Initiativen der Stiftung "Pro Oriente". In Bezug auf die Türkei bat der Kardinal darum, die Veränderungen im Bereich der Religionsfreiheit "ausdrücklich zu beobachten". Die jüngsten Nachrichten aus der Türkei seien "nicht sehr ermutigend".

Der evangelische Bischof Herwig Sturm betonte, dass sich die Kirchen vor allem auch für ein soziales Europa einsetzen wollen. Der designierte Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) überreichte der Außenministerin eine ÖRKÖ-Grußadresse, in der die christlichen Kirchen die EU als "einmaliges Friedensprojekt" bezeichnen. Die EU dürfe sich nicht abschotten, sondern müsse "faire Zugangsregelungen für Asylwerber und Migranten schaffen". Ein wichtiger Beitrag für die Vertiefung der EU bestehe darin, für den "Schutz der Schwachen und die Würde aller Menschen einzutreten". Aus diesem Grund "wünschen die Kirchen, dass der im Artikel 52 Absatz 3 des EU-Verfassungsvertrages vorgesehene Dialog mit ihnen schon vorweg eingerichtet und gepflegt wird". Die Kirchen in Österreich seien ein gutes Beispiel für den "gelingenden Dialog", so Sturm.

Die evangelische Oberkirchenrätin Hannelore Reiner sprach sich für eine europäische Integrations- und Asylpolitik aus, bei der die Menschenrechte genau beachtet würden. Dazu gehörten beispielsweise die Familienzusammenführung oder der Grundsatz, dass Kinder nicht von ihren Eltern getrennt werden dürfen. Reiner vertrat bei der Begegnung mit der Außenministerin die "Konferenz Europäischer Kirchen" (CEC). Als Vertreter der Kommission der Bischofskonferenzen des EU-Raumes (ComECE) sprach sich Stefan Lunte für einen "gerechten Finanzhaushalt der EU" aus. Die wirtschaftlich schlechter gestellten Staaten müssten gerecht behandelt werden.

Außenministerin Plassnik würdigte ausdrücklich das Engagement der Kirchen. Der Dialog mit den Kirchen sei ihr sehr wichtig und sie bitte alle Kirchen um ihre Mithilfe während der Präsidentschaft. Es gehe darum, positive europäische "Identifikationsmodelle" anzubieten, so Plassnik, etwa einen europäischen "Way of Life". Dieses europäische Lebensmodell sei bereits formuliert, beispielsweise in der Europäischen Verfassung. Als Ansprechpartner für die Kirchen nannte Plassnik den Generalsekretär im Außenamt, Johannes Kyrle.
     
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