Salzburger Beamte werden älter  

erstellt am
21. 02. 06

Buchinger sorgt sich um Altersschnitt im Landesdienst
Salzburg (lk) - Die Salzburger werden statistisch gesehen immer älter – das gilt auch für die Mitarbeiter/innen im Landesdienst. Verschärft wird diese Situation noch durch die Pensionsreform und den Aufnahmestopp. Bei der großen Mitarbeiter-Befragung 2005 wurde Landesrat Dr. Erwin Buchinger erstmals auf dieses Phänomen aufmerksam und hat die Personalabteilung beauftragt, dieser "Überalterung" auf den Grund zu gehen. "In der Mitarbeiter-Befragung wurden relativ häufig Beschwerden über die unzureichende Beleuchtung oder übermäßige Lärmbelastung geführt. Nun wissen wir aus dem Feld der Arbeitsmedizin, dass genau diese Aspekte besonders älteren Mitarbeitern zu schaffen machen. Ältere Arbeitnehmer wünschen sich beispielsweise hellere Arbeitsräume mit mehr Licht, jüngeren Arbeitnehmern soll's nicht zu grell sein – in Großraumbüros ist das ein heikles Thema." Dies berichtete Personalreferent Landesrat Dr. Erwin Buchinger am Dienstag (21. 02.) bei einem Informationsgespräch.

Bei Gesundheitszirkeln soll auch dieses Problem beleuchtet werden. Buchinger ist hier vor allem die Bewusstseinsbildung wichtig: "Es gibt in Salzburg sehr viele Betriebe, die eine ähnliche Belegschaftsstruktur aufweisen – Strategien, wie man ältere Mitarbeiter mehr fördert, werden in Zukunft eine größere Rolle spielen. Wenn man sich die Alterspyramide unserer Gesellschaft ansieht, dann stehen wir vor massiver Umschichtung unserer Arbeitnehmerschaft im ganzen Land."

Das Durchschnittsalter im Landesdienst: 43,3 Jahre
Der typische Durchschnittsangestellte des Landes ist Vertragsbediensteter und knapp 43,3 Jahre alt (Männer: 44,74, Frauen: 41,57). Auffällig dabei ist die Geschlechterverteilung: "Wenn man sich die Alterspyramide genauer ansieht, sieht man signifikante Veränderungen gerade in den vergangenen Jahren – unsere jüngeren Mitarbeiter sind mehrheitlich zu zirka zwei Drittel weiblich. Das ist ein Ergebnis der konsequenten Frauenförderung der vergangenen Jahre", erklärt Buchinger das Ungleichgewicht vor allem im Bereich der Altersgruppe bis 35 Jahren. Während in den mittleren Altersgruppen eine eher ausgewogene Verteilung zwischen Männern und Frauen herrscht, sind bei den über 50-Jährigen vor allem Männer zu finden.

Dies erklärt auch das überdurchschnittlich hohe Alter der beamteten Mitarbeiter – bei den eigentlichen Beamten ist das Durchschnittsalter bereits bei 47,57 Jahren (Männer: 48,45, Frauen: 45,61) angelangt. Von insgesamt 2.853 Mitarbeitern im Landesdienst sind bereits 953 über 50 Jahre alt, immerhin 33,4 Prozent (bei den Männern sind es sogar 37,5 Prozent). "Das ist aus der Sicht eines Personalressortchefs eine Situation, in der wir uns Gedanken machen müssen", schildert Buchinger die Herausforderung für das Land, das seinen Mitarbeitern mit Altersteilzeit und Sabbatical-Modellen entgegenkommt. Schon in der Mitarbeiter-Befragung hatte sich gezeigt, dass vor allem Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung gefragt sind.

Gesundheitsförderung und Eingehen auf die Bedürfnisse Älterer
Nur vier von zehn Mitarbeiter/innen (38 %) fühlen sich völlig gesund. Sechs von zehn (59 %) berichten über Beeinträchtigungen. Meist handelt es sich dabei um Gesundheitsstörungen vorübergehender Art, immerhin ein Fünftel weist in diesem Zusammenhang aber auf Dauerbeeinträchtigungen hin. Drei Prozent halten sich dezidiert für nicht gesund. Bemerkenswerterweise fühlen sich mehr als ein Viertel (28 %) der Beschäftigten durch die Arbeitssituation gesundheitlich beeinträchtigt. Damit ist ein klarer Handlungsbedarf in Richtung einer umfassenden betrieblichen Gesundheitsförderung angezeigt. Ganz in diesem Sinne sprechen sich 84 Prozent der Mitarbeiter/innen für verstärkte Gesundheitsförderungsaktivitäten in ihrem Arbeitsbereich aus.

"Arbeitsmediziner haben festgestellt, dass ältere Mitarbeiter oft sehr genau, dafür aber nicht so schnell arbeiten. Es geht darum, die Stärken älterer Mitarbeiter – Fachwissen, Genauigkeit, Zusammenhänge erkennen – gezielt zu fördern." Beim Land beginne man gerade, gezielt auf solche Faktoren, verbunden mit Gesundheitsförderung, zu setzen, berichtete Buchinger, der aber nochmals auf die sich verändernde gesamtgesellschaftliche Altersstruktur hinweist: Auch viele Betriebe sind gut beraten, sich jetzt mit diesem Thema auseinander zu setzen: "Auf absehbare Zeit haben wir jetzt die letzten stärkeren Geburtenjahrgänge auf dem Arbeitsmarkt, in einigen Jahren wird sich dieses Bild gravierend verändern."

Ausbildungsjuristen dringend benötigt
Obwohl die Beschäftigung älterer Mitarbeiter in einem guten Umfeld auch gut funktioniert, macht sich Buchinger dennoch wegen der drohenden "Überalterung" des Landesdienstes Sorgen: "Das ist kein übersteigerter Jugendwahn", betont der Landesrat, "aber wie jedes gut funktionierende Unternehmen braucht auch der Landesdienst eine halbwegs ausgewogene Mischung bei der Altersstruktur der Mitarbeiter – wir brauchen sowohl die Routiniers als auch die Jungen, die frischen Wind ins Land bringen." Genau die Jugend fehlt aufgrund von Sparpaketen und Aufnahmestopps nämlich zunehmend, betont der Landesrat. Denn die "jungen" Mitarbeiter (unter 35) stellen nur 19,25 Prozent der Landesbediensteten (Männer: 15,8 %, Frauen: 23,2 %). Lediglich die verstärkten Lehrlingsaufnahmen – neben der Einstellung von Menschen mit Beeinträchtigung die einzige Ausnahme zum generellen Personalaufnahmestopp des Landes – verbessern die durch den Aufnahmestopp verzerrte Pyramide.

Buchinger will diesem Trend mit der Aufnahme neuer "Ausbildungsjuristen" begegnen. Zuletzt wurden im Jahr 2000 solche Stellen für Ausbildungsjuristen ausgeschrieben – sieben Personen wurden damals angestellt. Zumindest zehn neue junge Akademiker will Buchinger nun in den nächsten beiden Jahren ins Land holen. "Das stellt nicht generell den Sparkurs beim Land in Frage, aber wir brauchen auch neue, junge Mitarbeiter, ein bisschen 'frisches' Blut, um den Landesdienst lebendig zu erhalten."
     
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