Offensiveres Auftreten des Öffentlichen Verkehrs gefordert  

erstellt am
06. 03. 06

II. VOR-Symposium zu angewandter regionaler Partnerschaft
Wien (rk) - "Neue Wege im grenzüberschreitenden öffentlichen Verkehr" unter diesem Generalthema fand kürzlich das II. Symposium zu angewandter regionaler Partnerschaft des Verkehrsverbundes Ost-Region (VOR) in Schloss Hof bei Marchegg statt, wo sich weit über hundert Verkehrsfachleute aus Österreich, Tschechien, der Slowakei und Ungarn zusammenfanden. Für die VOR-Geschäftsführung legt Direktor Manfred Novy in seinen Eröffnungsworten dar, man wolle eine neue Kultur des Verkehrs schaffen, die Kontakte mit den Nachbarländern und Nachbarregionen suchen und pflegen, denn: "Gemeinsam mit der Kollegenschaft aus den Nachbarländern wollen wir ein Szenario des grenzüberschreitenden Verkehrs schaffen, dem ein adäquater Ausbau des öffentlichen Verkehrs folgt, und damit ein Zusammenwachsen der Regionen Südmähren, Nordwestslowakei und Westungarn mit unserem Raum. Wien hat den Zuschlag für den Weltkongress der UITP im Jahr 2009 erhalten, damit werden die Augen der Verkehrswelt auf unsere Region gerichtet sein". Dazu bedürfe es auch einer verstärkten Bewusstseinsbildung, dem solle das Symposium dienen. Der zweite Geschäftsführer Mag. Wolfgang Schroll weist auf die mit März 2002 erfolgte Änderung der Eigentümerstruktur hin nunmehr Anteile in Prozent: Wien 44, Niederösterreich 44 und Burgenland 12, und betont: "Seit der Umgründung besteht auch eine multimodal verstärkte Sicht der Verkehrsabläufe, wir befassen uns laufend mit Park and Ride-Anlagen, mit Mitfahrplätzen. Wir haben neue Kooperationen mit unseren Partnern ÖBB und Wiener Linien entwickelt, etwa die Sommer-Tickets für Schüler für den gesamten Busverkehr oder die Anruf-Sammeltaxis an Wochenenden in Wiener Neustadt, um im Bereich der Stadtverkehre zu bleiben". Starke Verkehrsverbünde im Sinne der Fahrgäste störten die Egoismen der Verkehrsunternehmen, hakt er nach.

In seiner Eigenschaft als Verkehrspolitiker, und auch Aufsichtsratsvorsitzender der Verkehrsverbund Ost-Region (VOR) Ges.m.b.H. weist Landtagsabgeordneter und Gemeinderat Erich Valentin auf Struktur, Chancen und Perspektiven Wiens als Centrope-Region hin, mit der EU-Erweiterung befinden sich in diesem Raum rund 7 Millionen Menschen, es bestehen 40 universitäre Einrichtungen, mit einem Wirtschaftswachstum von 2,5 bis 7 Prozent ist zu rechnen. "Es bestehen", so der Mandatar, "auch emotionale Verbindungen. Wenn von Wien und Bratislava als den Twin-Cities gesprochen wird, sind das keine politischen Sonntagsreden, neben Verbindungen auf kultureller und wissenschaftlicher Ebene ist freilich der Aufbau eines effektiven öffentlichen Verkehrsnetzes eine Grundvoraussetzung dafür".

Es ist eine "nationale Anstrengung" notwendig, um diese Region entsprechend zu entwickeln und, so Valentin, richte er den Appell an die Bundesregierung, "dass wir rasch die Entscheidungen und vor allem die finanziellen Mittel brauchen". Immerhin sei Wien, nach Zürich, beim Modal split weltweit bei den Städten an zweiter Stelle.

Einen "durchaus kritischen Blick auf die Entwicklungen im Schienenverkehr" richtet Mag. Karl Zöchmeister, ÖBB- Personenverkehr AG. Er bezeichnet den grenzüberschreitenden Verkehr auf der Schiene als "schwierig", nur mit Ungarn besteht ein "Staatsvertrag" über einen gemeinsamen Personaleinsatz. Bei der Verbindung der "Twin Cities" sei noch viel zu tun, den zweigleisige Streckenausbau hält er für "dringend erforderlich", dazu müssten allerdings etliche Brücken umgebaut bzw. verbreitert werden, denn man ist derzeit an den Kapazitätsgrenzen angelangt. Es kommt auch auf eine Verknüpfung der Verkehrssysteme an, so der Bahnexperte, nicht nur auf ein zusätzliches Zugsangebot: "Denn wenn ein dritter Anbieter kommt, der sich die Rosinen herauspiekt, muss der Steuerzahler die Kosten für den Regelverkehr tragen". Bei der Bahnfrage hakt auch Mag. Friedrich Lehr, MBA, Flughafen Wien CAT, ein: Eine Verbindung der Flughäfen Wien und Bratislava bzw. Kosice mittels Bussen ist nicht optimal, die "Götzendorfer Spange" als Bahnverbindung machte Sinn. Zum Flughafen Wien: bei den Passagieren derzeit Anteil der S 7 bei 9 Prozent, des CAT bei 10 Prozent.

Die Bedeutung der Region Wien verdeutlichen einmal mehr die Ausführungen von SR Mag. Otto Schwetz, Geschäftsführer der TINA VIENNA Transport Strategies GmbH. Was die Wasserstraßen betrifft, will Polen den schiffbaren Ausbau der Oder vorantreiben, mit dem Donau-Oder-Elbe-Kanal wäre dann der Lückenschluss zwischen Donau und Nordsee gegeben. "Wien wird noch stärker Drehscheibe" unterstreicht Schwetz, langjähriger Verkehrsexperte im Wiener Magistrat, "denn zum Korridor 7 Donau, plus Theiss und Save, kommt als neue europäische Priorität der Korridor 6, die Bahnverbindung von Danzig bis Triest. Damit bleibt Wien Knotenpunkt, die ideale Verbindung von Wasserstraße und Schiene". Ein unerlässliches Projekt dazu bildet der Wiener Zentralbahnhof. Was den Ausbau der Wasserstraßen anlangt, geht es aber nicht nur um die Transportleistungen, sondern auch um Lebensqualität und Wohnen am Wasser. Also um das Herausarbeiten eines Systems umweltrelevanter Faktoren, um sehr sensible Regionen nicht zu berühren, eine wichtige zukünftige Aufgabe für den Landschaftsbau.
     
zurück