Medizinische Expedition auf den Pik Lenin erfolgreich  

erstellt am
24. 08. 06

Innsbruck (universität) - Vor kurzem kehrte ein Team der Medizinischen Universität Innsbruck von einer Expedition auf den 7.134 m hohen Pik Lenin im zentralasiatischen Kirgistan zurück. Die Mediziner haben auf dem Berg einen Überdruckhelm zur mobilen Behandlung von höhenkranken Bergsteigern getestet. Der so genannte TAR-Helm konnte dabei bereits erfolgreich in der Therapie des Höhenlungenödems eingesetzt werden.

Die akute Höhenkrankheit fordert jedes Jahr zahlreiche Todesopfer unter Höhenbergsteigern. Durch den geringen Sauerstoffgehalt kann sich in großen Höhen ein lebensbedrohliches Hirn- und Lungenödem entwickeln. "Ab einer Höhe von 3.500m entwickeln 5 von 100 Bergsteigern ein Höhenlungenödem, das in vielen Fällen zum Tod führt. In größeren Höhen wächst das Risiko entsprechend", zitiert Univ.-Prof. Robert Koch Daten der Österreichischen Gesellschaft für Alpin- und Höhenmedizin. Unter seiner Leitung wurde an der Medizinischen Universität Innsbruck der TAR-Helm zur ergänzenden Therapie der akuten Höhenkrankheit entwickelt. Dieser TAR-Helm - TAR steht für Thin Air Rescue - besteht aus einer handbetriebenen Luftpumpe sowie einem CPAP-Helm, wie er bereits seit einigen Jahren auf Intensivstationen zum Einsatz kommt.


Erster erfolgreicher Einsatz
Bei der Expedition auf den Pik Lenin wurden 12 Höhenbergsteiger von einem medizinischen Team bestehend aus Prof. Robert Koch, Dr. Lukas Hinterhuber, Dr. Hannes Gatterer und Dr. Martin Faulhaber begleitet. Dabei wurde der Helm in verschiedenen Höhen getestet. Die Auswertung der ersten Daten zeigt, dass mit dem TAR-Helm die Sauerstoffsättigung, die ein Wert für die Sauerstoffversorgung des Körpers ist, deutlich verbessert werden kann. "Mit Hilfe des TAR-Helm konnten wir während der Expedition einem höhenkranken Bergsteiger helfen", berichtet Dr. Hinterhuber. "Auf 5.500m schleppten deutsche Bergsteiger ihren schwerkranken Kameraden zu uns. Er bekam kaum noch Luft und brodelte bei jedem Atemzug. Die Sauerstoffsättigung betrug nur mehr 56%, wobei Werte über 90% normal sind. Für mich ein untrügliches Zeichen für das gefürchtete Höhenlungenödem. Bereits während der Therapie mit dem TAR Helm besserte sich die Symptomatik des Patienten zusehends und wir konnten ihn in das Basislager bringen. Kurze Zeit später war er wieder gänzlich beschwerdefrei", so Lukas Hinterhuber.


Großes Interesse
Der TAR-Helm wurde erstmals unter extremen Bedingungen erprobt. Nach Aussage von Prof. Koch sind die Experimente Erfolg versprechend verlaufen: "Wie es aussieht kann der Helm auch in großen Höhen in der Therapie des Höhenlungenödems erfolgreich eingesetzt werden." Mit einer Luftpumpe wird dabei Luft in den TAR-Helm gepumpt und dort verdichtet. Dadurch steht dem Erkrankten mehr Sauerstoff für die Atmung zur Verfügung. Der Vorteil des TAR-Helms gegenüber den bisher verwendeten hyperbaren Kammern liegt im äußerst geringen Gewicht das ein Mitführen dieses Rettungssystems bis in die obersten Höhenlager möglich macht. "Zurzeit befinden wir uns noch im Versuchsstadium, jedoch liegen uns bereits Anfragen mehrerer Expeditionen vor, die den Helm in extremen Höhen einsetzen wollen", erzählt Prof. Koch.
     
zurück