Erster Leiter der Kommissionsdelegation (Botschafter) in der Schweiz  

erstellt am
06. 10. 06

Brüssel (eu-int) - Die Europäische Kommission hat Dr. Michael Reiterer zum ersten Botschafter und Leiter der Delegation der Europäischen Kommission in der Schweiz (Bern), die in Kürze eingerichtet werden soll, ernannt. Mit der Schweiz hat die EU mehr Übereinkommen und gemeinsame Programme als mit jedem anderen Land, und die Schweiz ist außerdem der zweitgrößte Ausfuhrpartner der EU. Die Delegation soll die Beziehungen zwischen der EU und der Schweiz auf allen Gebieten - also auf politischer, wirtschaftlicher und zwischenmenschlicher Ebene - fördern und beschäftigt sich auch mit Übereinkommen in den Bereichen Forschung, Binnenmarkt, Landwirtschaft, Steuern, Wettbewerb, Verkehr und der Zusammenarbeit im Rahmen der UNO. Ferner zählen die Beziehungen der EU zu internationalen Organisationen außerhalb der UNO und WTO und die Beziehungen der EU zu Liechtenstein zu den Aufgaben der Delegation.

„Unsere Partnerschaft mit der Schweiz geht weit über gemeinsame Landesgrenzen hinaus: Sie baut auf gemeinsamen Werten und Interessen auf. Unsere vielen gemeinsamen Tätigkeiten und Übereinkommen in Bereichen, die von den Steuersystemen bis zur Fusionsenergie reichen, haben den Bürgern der Schweiz und der EU gleichermaßen Vorteile gebracht. Die erfolgte Ernennung ist Zeichen unseres Engagements für eine noch intensivere Zusammenarbeit mit der Schweiz, von der beide Seiten profitieren. Dr. Reiterer bringt für den neu geschaffenen Posten Erfahrungen mit, die er auf internationaler Ebene und auch speziell in der Schweiz gesammelt hat, und ich hoffe, die Beziehungen zu unserem nächsten Nachbarn werden dadurch immer stärker und fruchtbarer“, so das zuständige Kommissionsmitglied Dr. Benita Ferrero-Waldner.

Dr. Michael Reiterer ist zurzeit stellvertretender Leiter der Delegation der Europäischen Kommission in Japan. Er hatte bereits verschiedene Stellen in Afrika, Asien und der Schweiz inne und war Koordinator der Kommission für das Asien-Europa-Gipfeltreffen (Asia-Europe Meeting). Er war bei der OECD sowie dem GATT bzw. der WTO während der Uruguay-Runde in Genf tätig, wo er auch Mitglied eines WTO-Panels war. Erfahrungen in der Schweiz sammelte er ferner durch sein Studium am Institut universitaire de hautes études internationales (IUHEI). Als Dozent für internationale Politik hält er Vorlesungen über internationale Beziehungen und Handel und ist Autor von über achtzig Artikeln über internationales Recht, das multilaterale Handelssystem und Handel/Umwelt sowie von Monografien über Flüchtlingsrecht und die Beziehungen zwischen Asien und Europa.

Doz. Dr. Michael Reiterer
geboren 1954 in Innsbruck, verheiratet und Vater einer siebzehnjährigen Tochter, studierte Rechtswissenschaften an der Universität seiner Heimatstadt Innsbruck (Dr. jur. - 1978) und erwarb anschließend je ein Diplom aus internationalen Beziehungen an der Johns Hopkins University, Bologna Center/Italien (1979) und am Institut universitaire de hautes études internationales, Genf/Schweiz (1985). 2005 habilitierte er sich an der Universität Innsbruck für internationale Politik.

Nach seinem Eintritt (1981) in die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) war er u.a. stellvertretender Handelsdelegierter für Westafrika in Abidjan/Côte d'Ivoire und Tokio/Japan. Als Rat an der Ständigen Vertretung Österreichs beim GATT/Genf (1990-1992) während der GATT-Uruguay Runde verhandelte er insbesondere geistige Eigentumsrechte und Dienstleistungen. Von 1992 bis 1997 war er stellvertretender Leiter der Abteilung für Integrations- und Handelspolitik der WKÖ. Er war Mitglied eines Streitschlichtungspanels der Welthandelsorganisation (WTO) in Genf. Von 1996 bis 1998 übte er die Funktion des Co-Vorsitzenden/Handel der gemeinsamen OECD Gruppe von Handels- und Umweltexperten (Paris) aus. Von 1997 bis 1998 leitete er als Österreichischer Handelsdelegierter bei der EU (Gesandter-Botschaftsrat) das Büro der WKÖ in der Ständigen Vertretung Österreichs bei der EU in Brüssel. Weiters war er 1997-98 Mitglied im Wirtschafts- und Sozialausschuß (WSA) der EU.

Nach seinem Wechsel in die Europäische Kommission, Generaldirektion für Auswärtige Beziehungen (Brüssel), war er von 1998 bis 2002 Berater für ASEM (Asiatisch-Europäisches Treffen) und damit zuständig für die Gestaltung und Koordination der Beteiligung der EU in verschiedenen interregionalen Prozessen, wie vor allem den ASEM Prozess, der die EU Mitgliedstaaten und die Kommission sowie damals zehn asiatische Partnern umfasste; das ASEAN Sicherheitsforums (ARF) und den South Asian Regional Coordination Council (SAARC). Seit August 2002 ist er stellvertretender Leiter (Gesandter) der Delegation der Europäischen Kommission in Japan/Tokio.

Dozent Dr. Reiterer lehrt an der Fakultät für Politikwissenschaft und Soziologie der Universität Innsbruck und war bis zur Versetzung nach Tokio auch Universitätslektor an der Universität Linz, wo er im Rahmen des Europarechtslehrganges vortrug. Das Lektorat an der Universität Wien (1995-2000), Vorlesung über internationale Wirtschaftssysteme, wurde aus beruflichen Gründen zurückgelegt. Seine intensive Lehr- und Vortragstätigkeit u.a. an der Verwaltungsakademie des Bundes/Wien, Diplomatischen Akademie/Wien, dem europarechtlichen Hochschullehrgängen der Landesakademie Vorarlberg-Schloss Hofen, am MBA-Kurs in Krems, Fachhochschule Eisenstadt, am Royal Institute for International Affairs (London), den Wilton Park Konferenzen (UK), dem Institut universitaire de hautes études internationales, Genf-Schweiz, den Universitäten Fudan/Shanghai, Singapore, Keio, Waseda, Tokyo University for Foreign Studies, International Christian University (Tokio), Fukaoka, Kobe, Osaka, Kyoto University, Doshisha (Kyoto), Kanawa sowie an der Webster University/Wien schlägt sich in zwei Monografien (The Protection of Refugees by Their State of Asylum; Asia – Europe: Do They Meet?) sowie ca. 80 Publikationen über internationale Beziehungen und internationales Recht nieder.

Mitgliedschaften u.a. im Kuratorium des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW), in der Österreichischen Gesellschaft für Außenpolitik u. internationale Beziehungen, Gesellschaft für Europarecht, Teilnehmer und Vortragender am Österreichischen Völkerrechtstag; vormaliger Vize-Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik.
 
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