Liberalisierung der Postmärkte - kurz gefasst  

erstellt am
19. 10. 06

Brüssel (eu-int) - Derzeit haben Sie in den meisten EU-Ländern keine Wahl: Wenn Sie einen ganz gewöhnlichen Brief abschicken oder erhalten, sind Sie auf das nationale Postunternehmen angewiesen. Und zwar deshalb, weil dieser Anbieter das Monopol auf Standardsendungen bis zu einer bestimmten Größe und einem bestimmten Gewicht hat. Ab 2009 ist das vorbei. Neue Unternehmen erhalten die Möglichkeit, Sie als KundInnen zu gewinnen und Ihnen Postsendungen direkt zuzustellen.

Das ist gemeint, wenn von "vollständiger Marktöffnung" die Rede ist. Diese Öffnung ist der nächste Schritt in einem langen EU-weiten Reformprozess, in dessen Verlauf bereits große Segmente des Postmarktes in Ihrem Land (z. B. Express- und Paketzustellungen) mit sehr ermutigenden Ergebnissen liberalisiert worden sind.

Umfangreiche Untersuchungen legen nahe, dass die Marktöffnung bei Standardsendungen genauso erfolgreich sein wird. Ihre nationale Anbieterin, die Österreichische Post AG, wird sich noch stärker an den KundInnen orientieren und sich bemühen, neue Dienstleistungen und Produkte zu entwickeln. Ohne Wettbewerb können die Postmärkte die Umwälzungen im Kommunikationssektor nicht mehr bewältigen.

Werde ich Post auch in Zukunft noch so abschicken und empfangen können wie bisher?
Sie werden auch in Zukunft einen Brief von einer beliebigen Adresse an eine beliebige andere Adresse in Ihrem Land schicken können, und das zu einem leistbaren Preis. Und genauso wird Ihnen auch in Zukunft Ihre Post an jedem Arbeitstag zugestellt. An dieser Grundversorgung, die "Universaldienst" genannt wird, ändert sich nichts.
Darüber hinaus bedeutet die vollständige Marktöffnung aber auch besseren Schutz für Sie als KonsumentIn und größere Kontrollbefugnisse für die nationalen Regulierungsbehörden, die auf qualitativ hochwertige und zuverlässige Dienste achten.

Welche neuen Dienstleistungen könnten angeboten werden?
Echter Wettbewerb wird die Anbieter von Postdiensten motivieren, innovativere Formen für das Senden und Empfangen von Post anzubieten - zum Beispiel:

  • Laufwegverfolgung ("track and trace"), wie sie einige Paketzustelldienste bereits anbieten;
  • eine Kombination von herkömmlicher Briefpost und E-Mail, bei der Sie elektronische Dokumente mit einem Tastendruck per Briefpost verschicken oder einen Brief per E-Mail erhalten können, bevor er Ihnen per Post zugestellt wird;
  • automatisierte Paketstationen, wo Sie rund um die Uhr Pakete abschicken oder empfangen können;
  • vorfrankierte Kuverts; neue und innovative Briefgrößen und -formate;
  • Benachrichtigung per E-Mail oder SMS, wo und wann Ihnen ein Paket zugestellt wird, oder dass Ihr Paket am Zielort angekommen ist;
  • mehr Kontrolle über Zeitpunkt und Ort der Zustellung je nach Ihren Bedürfnissen.

Werde ich auch in Zukunft Zugang zu einem Briefkasten und zu einem Postamt haben?
Sie werden wie schon bisher Zugang zu einem Briefkasten in angemessener Entfernung von Ihrer Wohnung haben. Und das Postamt wird auch in Zukunft ein wichtiger Bestandteil der örtlichen Gemeinschaft sein.

Die größte Veränderung ist wahrscheinlich die, dass ihr nationaler Anbieter mehr Servicestellen in günstigerer Lage und mit längeren Öffnungszeiten aufmachen wird, z. B. in Supermärkten, Geschäften und Tankstellen oder - mit Hilfe mobiler Postämter - vorübergehend sogar in Urlaubsorten.

Besteht nicht die Gefahr, dass meine nationale Anbieterin, die österreichische Post AG, ganz zusperrt?
Nein. Die nationalen Anbieter wird es noch viele Jahre geben. Die meisten von ihnen schreiben derzeit beträchtliche Gewinne und die Erfahrung zeigt, dass eine Marktöffnung tatsächlich dazu führt, dass sie sich stärker auf ihre KundInnen, auf Effizienz und Zuverlässigkeit konzentrieren. Darüber hinaus sind spezielle Finanzierungen und Maßnahmen geplant, die den nationalen Anbietern im Fall von Schwierigkeiten unmittelbar nach der vollständigen Marktöffnung helfen sollen.

Wie wird sich der Wettbewerb auf die Preise auswirken?
In den vergangenen Jahren sind die Preise für Postdienste aufgrund steigender Treibstoff- und Transportkosten in den meisten EU-Ländern gestiegen. Es ist durchaus möglich, dass die Preise unmittelbar nach der Marktöffnung weiter steigen. Sie werden jedoch leistbar für die KonsumentInnen bleiben und von der nationalen Regulierungsbehörde streng überwacht werden. Allfällige Preiserhöhungen würden also durch steigende Kosten verursacht und nicht durch die Marktöffnung selbst.

Langfristig ist mit allgemein sinkenden Preisen zu rechnen. Bis dahin werden wahrscheinlich die Preise für geschäftliche Massenpostsendungen bald nach der Marktöffnung fallen, da die meisten der neuen Postunternehmen sich zunächst auf diesen Bereich konzentrieren werden.

Wird es auch in Zukunft noch Briefmarken geben?
Die nationalen Postdienste werden wie bisher Briefmarken anbieten. Die neuen Anbieter haben die Möglichkeit, ihre eigenen Briefmarken einzuführen oder Alternativen - wie z. B. Aufkleber oder vorbedruckte Umschläge - zu entwickeln. Es wird keine Einführung von EU-weiten Briefmarken geben. Wenn ein einzelner Anbieter jedoch in mehreren EU-Ländern tätig ist, kann er die Benutzung seiner Briefmarken in allen diesen Ländern erlauben.

Wo finde ich weitere Informationen?
Einzelheiten zur vollständigen Post-Marktöffnung sowie Links zu ihrem nationalen Anbieter und ihrer nationalen Regulierungsbehörde finden Sie auf folgender Website der Europäischen Kommission: http://ec.europa.eu/internal_market/post

 
zurück