Riegl-Laser steuern erstes Europa-Raumschiff zur ISS  

erstellt am
24. 10. 06

Horn (nöwpd) - Auf Hochtouren laufen zur Zeit bei der Europäischen Weltraumorganisation ESA die Vorbereitungsarbeiten und Tests zum Start des Automated Transfer Vehicle (ATV) - eines unbemannten Raumschiffs, das Nachschub wie Sauerstoff, Wasser, Nahrungsmittel, Treibstoffe und Ausrüstungsmaterial zur um die Erde kreisenden Internationalen Raumstation ISS transportieren wird. Das erste ATV, das den Namen des bekannten Science-Fiction-Autors Jules Verne trägt, soll im Mai 2007 an Bord einer Ariane-Trägerrakete vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana abheben. In der Folge will die ESA noch vier weitere ATVs - jedes mit einer Tragkraft von 7,6 Tonnen - zur ISS schicken.

Am Erfolg der Mission hat die Riegl Laser Measurement Systems GmbH aus Horn maßgeblichen Anteil, denn das Waldviertler Unternehmen hat in Zusammenarbeit mit den deutschen Firmen Jena-Optronik in Thüringen und EADS Astrium in Friedrichshafen jenen Laser-Entfernungsmesser entwickelt, mit dessen Hilfe das ATV an der ISS andocken wird. "Unser Laser beginnt zu arbeiten, sobald sich das unbemannte Raumschiff auf rund 1.000 Meter an die ISS angenähert hat", berichtet Riegl-Geschäftsführer Andreas Ullrich dem NÖ Wirtschaftspressedienst. Dabei rasen die beiden Objekte in 350 Kilometern Höhe mit einer Geschwindigkeit von 29.000 km/h in 92 Minuten einmal um den Erdball.

Das mit Hilfe von Waldviertler High-Tech gesteuerte Andockmanöver, das fünf Tage nach dem Start der Rakete erfolgt, erfordert äußerste Präzision: Damit das ATV die vorausfliegende ISS erreicht, muss seine Geschwindigkeit zunächst paradoxerweise verringert werden. Denn dadurch sinkt das ATV auf einen engeren Orbit und kommt schneller voran. Im richtigen Augenblick muss dann wieder beschleunigt werden, damit beide Raumschiffe die gleiche Umlaufbahn erlangen.

Ist das ATV erfolgreich angedockt und sind die Versorgungsgüter entladen, bleibt das Modul sechs Monate mit der ISS verbunden und sein 45 Kubikmeter großer Innenraum kann in dieser Zeit von der Besatzung der Station betreten und zu verschiedenen Arbeiten genutzt werden. Weil die ISS bei ihren Umkreisungen der Erde durch die Reibung an der Restatmosphäre langsam aber sicher an Höhe verliert, helfen die ATV-Triebwerke mit, die Station wieder in eine höhere Umlaufbahn zu hieven. Zum Abschluss seiner Mission wird das ATV dann mit bis zu 6,3 Tonnen Müll beladen, die in der Raumstation angefallen sind, von der ISS abgekoppelt und in steilem Eintrittswinkel in die Erdatmosphäre gelenkt, wo es durch die Reibungshitze verglüht.

Nicht nur für das europäische Versorgungsmodul ATV, auch für das japanische mit dem Namen HTV hat Riegl das weltraumtaugliche Laser-Radar zum automatischen Andocken an die ISS entwickelt und geliefert. "Die Japaner wollen erstmals im Jahr 2008 mit ihrem unbemannten Raumschiff zur ISS starten", kündigt Andreas Ullrich an, der beim Horner Unternehmen als Technischer Direktor fungiert. Riegl beschäftigt 90 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und betreibt Niederlassungen in Orlando, im US-Bundesstaat Florida, sowie in der japanischen Hauptstadt Tokio.

Informationen: http://www.riegl.com
 
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