Kapitalmarktvertrauen heimischer Privatanleger ungebrochen  

erstellt am
24. 10. 06

Wien (oenb) - Die deutliche Korrektur der Aktienmärkte im Mai dieses Jahres konnte das Vertrauen der heimischen Privathaushalte in die Kapitalmärkte nicht erschüttern. Mit 1,3 Mrd Euro wurde im 2. Quartal 2006 außergewöhnlich viel an den Aktienmärkten veranlagt, wobei ein beträchtlicher Teil davon in österreichische Titel floss. Inländische Neuemissionen waren dabei ebenso gefragt wie Blue Chips am Sekundärmarkt. Gleichzeitig durften sich Sparer infolge des Zinsanstiegs im ersten Halbjahr 2006 über höhere Realzinsen freuen, während Kreditnehmer ungünstigere Konditionen vorfanden.

„Das Vertrauen österreichischer Privatanleger in die Kapitalmärkte steht auf einer immer breiteren Basis“, erklärte OeNB-Direktor Dr. Peter Zöllner im Rahmen eines Pressegesprächs zum aktuellen Spar- und Kreditverhalten der Österreicher aus Anlass des bevorstehenden Weltspartages. „Selbst massive Aktienkurskorrekturen wie jene im vergangenen Mai, die vorübergehend zu Kursverlusten von mehr als 2 Mrd Euro führten, konnten die Zuversicht der Anleger kaum beeinträchtigen“, so Direktor Zöllner weiter. Attraktive Neuemissionen an der Wiener Börse und günstige Einstiegsbedingungen veranlassten heimische Privatanleger im 2.Quartal 2006 zum Kauf von Anteilsrechten in Höhe von 1,3 Mrd Euro. Auch festverzinsliche Wertpapiere, die im selben Zeitraum im Umfang von 1,0 Mrd Euro gekauft wurden, stießen auf großes Interesse der Österreicher.

Insgesamt wuchs das Geldvermögen österreichischer Haushalte im ersten Halbjahr 2006 um rund 11 Mrd Euro. Darin sind neben Neuinvestitionen auch Bewertungsgewinne enthalten, die trotz der erwähnten Kursverluste über das 1. Halbjahr 2006 rund 1,0 Mrd Euro erreichten. Mit 367 Mrd Euro belief sich das Vermögen der privaten Haushalte am 30.06.2006 fast auf das 2,5fache des verfügbaren Einkommens. Davon liegen 132 Mrd Euro auf rund 23 Mio Sparbüchern. Die Neuverschuldung fiel in diesem Zeitraum mit 2,6 Mrd Euro unterdurchschnittlich aus, woraus sich ein Finanzierungssaldo von rund 7,5 Mrd Euro ergab (1. Halbjahr 2005: 6,5 Mrd Euro). „Privathaushalte leisten als Kapitalgeber für Unternehmen und Staat einen wichtigen Beitrag zum Funktionieren des heimischen Finanzmarktes“, betonte Direktor Zöllner.

Günstig entwickelte sich im ersten Halbjahr 2006 das Zinsumfeld für heimische Sparer, die sich infolge der von den Banken rasch weitergegebenen Leitzinserhöhungen der EZB und einer abnehmenden Inflationsrate über eine höhere Realverzinsung freuen durften. Dennoch lag die Sparleistung der Österreicher mit 2,9 Mrd Euro unter jener des ersten Halbjahrs 2005 (3,9 Mrd Euro). Nachteilig wirkte sich der kontinuierliche Anstieg des Zinsniveaus naturgemäß für Kreditnehmer aus, die nach einer langen Periode günstiger Darlehenskonditionen wieder mit steigenden Zinszahlungen konfrontiert waren. Anhaltend attraktive Wohnbaukredite entschärften diese Entwicklung allerdings merkbar. Zunehmend an Bedeutung gewinnt die Zinsentwicklung im Schweizer Franken, auf den sich mittlerweile nahezu das gesamte Geschäft mit Fremdwährungskrediten konzentriert. Zinsanhebungen der Schweizerischen Nationalbank haben den Vorteil gegenüber dem Euro etwas reduziert.

Mit rund 184 Mrd Euro entfiel per 30.06.2006 die Hälfte des Geldvermögens der privaten Haushalte auf Bargeld und Einlagen sowie ein Fünftel (78 Mrd Euro) auf Versicherungs- und Pensionskassenansprüche. Die verbleibenden knapp 30% des gesamten Vermögens sind in Kapitalmarktprodukte wie Aktien, Investmentzertifikate oder Anleihen investiert. Trotz des zunehmenden Interesses an diesen Veranlagungsformen sind Österreicher im Vergleich zu britischen oder skandinavischen Privatanlegern damit immer noch sehr traditionell orientiert. „Die Attraktivität des Sparbuchs hat in Österreich eine lange, gefestigte Tradition, die vor allem zeigt, dass das Sparverhalten im historisch-kulturellen Zusammenhang zu erklären ist“, schloss Direktor Zöllner.
 
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