Stadt Innsbruck zeichnet medizinische Forschung aus  

erstellt am
22. 01. 07

Verleihung des Preises der Landeshauptstadt Innsbruck für wissenschaftliche Forschung an der Medizinischen Universität Innsbruck
Innsbruck (rms) - Im Rahmen eines Festaktes in der Weiherburg wurden am 19.01. die PreisträgerInnen des Preises der Landeshauptstadt Innsbruck für wissenschaftliche Forschung an der Medizinischen Universität Innsbruck geehrt.

Bürgermeisterin Hilde Zach gratulierte den fünf WissenschaftlerInnen und betonte bei ihrer Ansprache, dass ihr die Zusammenarbeit mit den Innsbrucker Universitäten schon immer sehr wichtig gewesen sei und die Stadt Innsbruck sehr viel Nutzen daraus ziehen könne eine Universitätstadt zu sein. Im Rahmen der Vorstellung der PreisträgerInnen unterstrich der Vizerektor für Lehre und Studienangelegenheiten der Medizinischen Universität Innsbruck, Univ.-Prof. Dr. Manfred Dierich ebenfalls die enge und verständnisvolle Zusammenarbeit mit der Stadt. Im Hinblick auf die ausgezeichneten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zeigte er sich sehr stolz, da alle Arbeiten in namhaften internationalen Journalen publiziert wurden und vielfach wissenschaftliches Neuland betreten wurde: "Einmal mehr zeigen unsere Kolleginnen und Kollegen, dass sie international an vorderster Front forschen und damit dem Wissenschaftsstandort Innsbruck ein entspechendes Renomeé geben."

Neue Erkenntnisse bei neurodegenerativen Erkrankungen Ausgezeichnet wurde Univ.-Prof. Dr. Thomas Berger, Universitätsklinik für Neurologie, der gemeinsam mit seinem Team bei der Erforschung der Multiplen Sklerose (MS) völlig neue Erkenntnisse im Bereich der biologischen Marker gewonnen hat. Die Veröffentlichung dieser Forschungsergebnisse hat in der Fachwelt für großes Aufsehen gesorgt und dazu beigetragen, dass die Innsbrucker Neurologie in der Untersuchung und Bewertung von biologischen Markern bei MS-Erkrankungen international eine Vorreiterrolle einnimmt. Ebenfalls von der Universitätsklinik für Neurologie kommt die zweite Preisträgerin, Dr. Nadia Stefanova. Sie forscht in der Arbeitsgruppe für klinische Neurobiologie im Bereich der Multisystematrophie (MSA), einer seltenen neurodegenerativen Erkrankung, von der in Österreich etwa 2.000 Menschen betroffen sind. Nadia Stefanova erhielt den Preis für eine Arbeit im renommierten American Journal of Pathology, in der sie ein neues transgenes Mausmodell vorgestellt hat, das sich auch sehr gut auf das neuropathologische Bild der MSA anwenden lässt. Dieses Innsbrucker MSA-Modell ist weltweit das einzige, das anlog der Krankeitsentstehung bei Menschen, genetische und exogene Faktoren vereint und eignet sich damit ideal als Testbett für die Untersuchung innovativer Therapieansätze.

Vom Tiermodell zur besseren Therapien bei Menschen
Der Behandlung von Blutarmut (Anämie) bei PatientInnen mit Krebs, chronischen Infektionen oder Autoimmunerkrankungen gilt das wissenschaftliche Interesse von Dr. Igor Theurl von der Klinischen Abteilung für Allgemeine Innere Medizin. Gemeinsam mit seinem Team konnten er zeigen, dass PatientInnen, die an einer Anämie im Rahmen einer chronischen Erkrankung leiden, in ihrem Blut einen besonders hohen Spiegel von Hepcidin haben. Hepcidin ist ein von der Leber synthetisiertes Eiweiß, das eine zentrale Rolle beim Eisenstoffwechsel spielt. Die ForscherInnen konnten wissenschaftlich klären, dass die vermehrte Bildung von Hepcidin den Transport von Eisen blockiert, was letztlich zu Eisenmangel und einer reduzierten Blutbildung führt. Diese Erkenntnisse werden helfen, künftig sichere und effektivere Behandlungsmethoden für die Anämie bei chronischen Erkrankungen zu entwickeln.

Mag. Johann Schredelseker, Sektion für Biochemische Pharmakolgie, arbeitet wissenschaftlich an der Erregungskontraktionskontrolle in Muskelzellen. Anhand einer aufgrund eines Gendefektes völlig gelähmten Zebrafischmutante konnte er aufzeigen, dass ein bestimmter Kalziumkanal, der Dihydropyridinrezeptor, eine zentrale Rolle bei der Muskelkontraktion spielt und der entsprechende Gendefekt beim Zebrafisch dazu führt, dass eine so genannte beta 1a Untereinheit fehlt. Diese ist wiederum dafür verantwortlich, die Kalziumkanäle innerhalb der Zelle räumlich korrekt anzuordnen. Mit dem Modellorganismus Zebrafisch steht ein neu etabliertes System zur Verfügung, um den Mechanismus der Erregungs-Kontaktions Kopplung in-vitro und in-vivo zu untersuchen.


Bekannter Wirkstoff – Neue Einsatzmöglichkeiten
Neue Einsatzmöglichkeiten eines bereits bekannten antitumoralen Wirkstoffs, dem Tyorsinkinase-Hemmer Imantinib Mesylate, erforschte das Team um Dr. Anna Maria Wolf von der Klinischen Abteilung für Hämatologie und Onkologie. Bisher war zwar bekannt und wissenschaftlich erhärtet, dass Imantinib besonders effektiv in der Tumorbehandlung ist, aber nahezu unerforscht, ob es ein ähnliches therapeutisches Potential bei entzündlichen Erkrankungen gibt. Dieser Frage gingen die WissenschaftlerInnen nach und konnten darstellen, dass sich ihre experimentell gewonnenen Daten auch auf bestimmte Formen akuter Hepatits anwenden lassen. Die Innsbrucker Erkenntnisse über die Wirkungsart von Imantinib als antientzündlicher Wirkstoff könnten einen Anstoß für die Entwicklung neuer Therapiekonzepte bei bestimmten Erkrankungen, wie der rheumatioden Arthritis oder anderen Autoimmunerkrankungen geben.

Das Team macht den Erfolg
Zum Abschluss der Veranstaltung dankte Prof. Thomas Berger im Namen aller Preisträgerinnen und Preisträger der Bürgermeisterin für den Preis und die damit verbundene Veranstaltung und der medizinischen Universität für die guten Möglichkeiten Forschung betreiben zu können. Ganz besonders betonte Berger, dass alle dies Leistungen nur deshalb möglich waren, weil hinter jedem Projekt ein Team steht, das mit sehr viel Engagement und Enthusiasmus gemeinsam ein Forschungsziel verfolgt: "Wir die wir heute ausgezeichnet werden sehen uns letztlich nur als Vertreter unserer Mannschaften und neben daher unsere Preis auch nur stellvertretend für alle Teammitglieder entgegen. Da Forschungsprojekte heute meist sehr komplex sind, haben wir nur dann Erfolg, wenn wir disziplinübergreifend zusammenarbeiten."
 
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