Muss Benefiz-Initiator Haare lassen?  

erstellt am
29. 01. 07

Ist Teilnehmer-Anzahl die Ursache für drastische Veränderungen?
Wien (toy-run) - Die Motorrad-Benefizinitiative TOY-RUN gibt es nun schon unverändert seit fünfzehn Jahren. Was 1993 mit 148 teilnehmenden Maschinen und einer Fahrt in das SOS-Kinderdorf Hinterbrühl begann, hat sich inzwischen zum jährlichen Biker-Event zu Gunsten von Kindern in Sozialeinrichtungen entwickelt, an dem tausende Biker jedes Jahr teilnehmen.
Der Initiator dieser markenunabhängigen Aktion Ernst Graft konnte mit seinen Kollegen seit der ersten TOY-RUN rund 440.000 Euro, knapp 25 LKW-Ladungen an Spielsachen und Sportgeräte sammeln und Kindern, die in ostösterreichischen Heimen ein neues Zuhause gefunden haben, unvergessliche Stunden bereiten.

Ein Drittel seines Lebens für benachteiligte Kids
Der heute 44-jährige Stempelmacher, der sein liebstes Hobby, das Motorradfahren, mit sozialem Engagement verbindet, hat den Löwenanteil seiner Freizeit dieser Aktion gewidmet. Dass dies nur mit einem verständnisvollen Lebenspartner möglich ist, betont Graft mit einem würdigenden Blick auf seine Frau Gerda, die ihn tatkräftig beim Organisieren und Vorbereiten unterstützt. Nicht zuletzt sind die beiden, zusammen mit einem großen Freundeskreis fast 14 Monate damit beschäftigt, jenen dritten Sonntag im Juni zu planen, an dem sich MotorradfahrerInnen allen Alters in den Sattel schwingen, um Kindern und Jugendlichen Freude zu bereiten.

"Mr. TOY-RUN" hat aber im Laufe der Jahre nicht nur Tausende Kilometer auf dem motorisierten Stahlross zurückgelegt, unzählige Behördenverhandlungen geführt, hunderte von Kindern kennengelernt, sondern auch persönliche Veränderungen festgestellt.

Der Bart ist (um das Wort "grau" zu vermeiden) geringfügig weniger dunkel gefärbt als früher. Rund 150 kg hat Ernstl ab- und wieder zugenommen, manchmal auch in umgekehrter Reihenfolge. Die einst pfirsichzarte Gesichtshaut ähnelt, vom Fahrtwind gegerbt, schon in wenig der eines Seebären. Von der einst wallenden Haar-Mähne zeugt nur noch ein kleines Ross-Schwänzchen, das unter der immer öfter getragenen Kappe hervorlugt.

Lachfalten um die Augen hat der nahezu rund um die Uhr gut gelaunte Benefizbiker immer schon gehabt - und glücklicherweise sind sie nicht weniger geworden.

"So wie ich haben sich auch die Teilnehmer und die beschenkten Kinder verändert. Älter werden ist etwas Positives, wenn man im Herzen jung bleibt. Und man sollte stolz darauf sein, wenn man die Jahre aktiv genutzt, sich engagiert und gleichzeitig dazugelernt und seinen Horizont erweitert hat", beschreibt Graft den Flug der Zeit. "Man sollte sich selbst nicht zu ernst nehmen, aber sehr wohl seine Aufgaben und seine Verpflichtungen! Die muss man ernst nehmen.", wobei er schon wieder das für ihn typische schelmische Lausbuben-Lächeln im Gesicht hat.

Irgendwann ist das Ende erreicht und muss Schluss sein
Das Team der TOY-RUN denkt noch lange nicht ans Aufhören. Mit einer durchschnittlichen Anzahl von rund 2.500 Bikes jedes Jahr bei der TOY-RUN setzt die Biker-Community jedes Mal ein kräftiges Zeichen, dass nicht Kommerz, Rennsport oder Party angesagt sind, sondern soziales Engagement. "Zwar hatten wir auch schon weit mehr als 4.000 Bikes bei einer TOY-RUN, aber ich glaube, dies war ein einmaliges Ergebnis, bei dem mehr als eine Million Schilling zusammen kamen, mit denen ausschließlich Freizeitaktivitäten von Kindern finanziert wurden", gibt sich Graft skeptisch.

Nicht so seine Mannschaftskollegen, die überzeugt sind, heuer einen neuen Teilnehmerrekord erwarten zu können. "Wenn am 17. Juni 2007 mehr als 5.000 Motorräder bei der Charity-Fahrt dabei sind, lasse ich mir nicht nur eine Glatze schneiden, sondern auch im Nacken den TOY-RUN-Schriftzug einrasieren. Noch am Tag der Veranstaltung, vor allen Teilnehmern!" Zu dieser Aussage ließ sich Ernstl Graft nach Ende der vergangenen Saison hinreißen - natürlich wurde er sofort von seinen Freunden beim Wort genommen.

Dass sowohl der Treffpunkt zum Start des Spielzeug-Konvois der Maschinen, der Parkplatz der SCS-Vösendorf, groß genug ist als auch die gesamte Logistik darauf vorbereitet wäre, davon sind sich die beiden Wettparteien, Ernstl und sein Team, einig. "Wenn wirklich so viele Teilnehmer kommen, dementsprechend auch die Zahl der Geschenke und die Spendensumme groß ist, lasse ich mir gerne eine Glatze rasieren", gibt sich Ernst Graft entschlossen. Und im Hintergrund lächelt eine verständnisvolle Ehefrau: "Er hat nicht nur ein großes Herz für Kinder, er ist in seinem Herzen auch selbst ein großes Kind geblieben!", meint Gerda Graft.

TOY-RUN Biker für Kinder - Spendenkonto-Nr. 00037865188 BLZ 20111
Informationen:
http://www.toyrun.at
 
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