Zwischen Traum und Trauma  

erstellt am
26. 01. 07

Crossing Europe Filmfestival Linz 2007 mit Sejla Kameric und Marc Recha
Linz (crossing europe) - Die vierte Ausgabe des Crossing Europe Filmfestival Linz von 24. bis 29. April 2007 widmet zwei Programmplätze außergewöhnlichen KünstlerInnen: Gemeinsam mit dem O.K Centrum für Gegenwartskunst präsentiert das Festival des jungen europäischen Films die bosnische Künstlerin Sejla Kameric als Artist in Residence und zeigt im diesjährigen Tribute eine Personale des katalanischen Filmemachers Marc Recha.

Tribute an Marc Recha
Wie schon in den vergangenen Jahren lädt Crossing Europe auch dieses Jahr mit einer repräsentativen Personale zur Entdeckung einer eigenwilligen europäischen Regiepersönlichkeit ein. Das Tribute der vierten Festivalausgabe steht im Zeichen des katalanischen Regisseurs und Drehbuchautors Marc Recha.

Der 1970 in einem Arbeitervorort von Barcelona geborene Autodidakt eignete sich sein filmisches Wissen in Cinematheken und Kinos an und unternahm seine ersten Gehversuche in Sachen Film bereits als 11jähriger. Mit seiner ersten Kamera produzierte er allein zwischen 1984 und 1988 14 Super-8-Kurzfilme, bevor er zum 35 mm-Format überging, in dem er bis 2001 sechs weitere Kurzfilme schuf.

Mit El cielo sube entstand 1991 Rechas erster Langfilm. Der folgende Langfilm Pau i el seu germà/Pau And His Brother lief in Cannes und trug wie auch Las manos vaciás (2003) zur wachsenden Bekanntheit des Regisseurs bei. Seine jüngste und im Wettbewerb des Filmfestivals Locarno 2006 uraufgeführte Arbeit Dies d'Agost/August Days stellt erneut Rechas Meisterschaft unter Beweis, die Grenzen zwischen Fiktion und Dokumentation zu verwischen. In dem halb autobiografischen Roadmovie agiert Marc Recha nicht nur hinter, sondern gemeinsam mit seinem Bruder David auch vor der Kamera. Die aus dem akustischen Off gesteuerte Erzählung folgt den Brüdern auf der Spurensuche nach dem goldenen Zeitalter Katalaniens vor Bürgerkrieg und Faschismus, wobei die durchquerten Landschaften eindrucksvoll zur Geltung kommen.

Artist in Residence 2007: Sejla Kameric
Vom ersten Festivaljahr an sind bei Crossing Europe GrenzgängerInnen zwischen Film und bildender Kunst als Artist in Residence gemeinsamer Gast des Festivals und des O.K Centrum für Gegenwartskunst.

Dieses Jahr folgt Selja Kameric der Einladung nach Linz. Im Zentrum des aus Fotos, Videos und Aktionen im öffentlichen Raum bestehenden Oeuvres der 1976 in Saravajevo geborenen und ebendort aufgewachsenen Künstlerin steht die Verarbeitung der vierjährigen Belagerung ihrer Heimatstadt. Bei der Auseinandersetzung mit dem Gräuel des Krieges und seinen Auswirkungen verfolgt die studierte Grafikdesignerin sowohl eine utopisch-eskapistische wie auch eine zynisch-aggressive Linie und bewegt sich so buchstäblich zwischen Traum und Trauma.

Internationales Aufsehen erregte Kameric, die von 1997 bis 2000 Art Direktorin im Kreativteam Fabrika in Italien war, 2003 mit einer umfangreichen Kampagne. Dabei posierte sie in makelloser Schönheit für die Kamera und projizierte darauf das rassistische Graffito eines in Bosnien stationierten UNPROFOR-Soldaten "No teeth? A mustache? Smel like shit? Bosnian Girl!".

Ebenso radikal fällt ihre Kritik an der gleichgültigen Haltung Westeuropas gegenüber Bosnien, an unverbindlicher Politikerrhetorik und gewaltsam gezogenen Grenzen aus.

In Linz präsentiert sie unter anderem ihren neuen 15minütigen Kurzfilm What Do I Know About Love?

Ein Werk der Edition geht nach der Präsentation bei Crossing Europe in das Eigentum der Erste Bank über, die das Werk für die Sammlung - http://www.kontakt-collection.net - angekauft und damit die Produktion von Sejla Kameric maßgeblich unterstützt hat.

http://www.sejlakameric.com
 
zurück