Energiewende als Antwort auf den Klimawandel  

erstellt am
19. 02. 07

Jugendliche diskutieren mit Glawischnig, Kromp-Kolb und Pröll
Wien (pk) - Dritte Nationalratspräsidentin Eva Glawischnig-Piesczek lud am 16.02. Schülerinnen und Schüler zu einer Veranstaltung ins Parlament, die darauf abzielte, die Problematik des Klimawandels, seine Folgen und die daraus resultierenden Herausforderungen ins Blickfeld der Jugendlichen zu rücken.

In ihrer Begrüßung betonte die Präsidentin, dass das Thema "Klimawandel" unter allen vordringlichen politischen Themen auf Grund der natürlichen Gegebenheiten vornehmlich langfristig zu behandeln sei. Daher betreffe es vor allem auch die jungen Menschen, weshalb es wichtig sei, deren Aufmerksamkeit und Engagement insbesondere auf diese Thematik zu richten. In diesem Zusammenhang werde jetzt auch der SchülerInnen-Schreib-Wettbewerb Clim-8 abgehalten, bei welchem der jungen Generation ein aktives Mitspracherecht eingeräumt werden soll. Schülerinnen von 14 bis 19 Jahren sind eingeladen, "Klimaschutzappelle an die Mächtigen" zu verfassen. Sie schreiben prosaisch – lyrisch – politisch – wissenschaftlich an Bush, Putin, Barroso, Gusenbauer oder andere PolitkerInnen und EntscheidungsträgerInnen ihrer Wahl. Alle Arbeiten werden von einer Fach-Jury bewertet, und die prämierten Arbeiten werden schließlich im Parlament der Öffentlichkeit präsentiert und publiziert werden.

Ein kurzer Zeichentrickfilm, der die Endlichkeit der Energieressourcen an Hand einfacher und plausibler Vergleiche mit dem Alltagsleben vor Augen führt und so die drohende Knappheit der herkömmlichen fossilen Energieträger deutlich macht, gab als Einstieg das Motto "Die Zukunft nicht auf Sand bauen" für die anschließende Podiumsdiskussion vor, bei der sich Eva Glawischnig-Pieszek, die Umweltschutzexpertin Helga Kromp-Kolb und Umweltminister Josef Pröll sowie die SchülerInnen Esther Plattner und Gilbert Otten mit der Frage auseinandersetzten, wie die Politik auf den Klimawandel reagieren kann. Durch die Veranstaltung führte der Journalist Bernhard Gaul.

In ihrem Eingangsstatement wies Präsidentin Glawischnig-Pieszek darauf hin, dass das Thema "Klimawandel" derzeit im Brennpunkt medialer Aufmerksamkeit stehe, und zwar nicht zuletzt deshalb, weil die gegenwärtig an allen Ecken und Enden auftretenden Wetterkapriolen tatsächlich Vorboten einer Veränderung seien. Um den Problemen, die der Klimawandel mit sich bringe, entgegentreten zu können, sei langfristige Planung notwendig, und daher sei es wichtig, dass sich vor allem auch junge Menschen mit dieser Thematik befassen und dazu zu Wort melden, und zwar auch in Anbetracht dessen, dass die jetzigen Entscheidungsträger die Auswirkungen der globalen Klimaveränderung voraussichtlich nicht mehr erleben werden.

Umweltminister Josef Pröll bewertete es als sehr positiv, dass junge Leute sich mit dieser Thematik ganz besonders intensiv befassen, da sie den derzeit Verantwortlichen ihrerseits nützliche Inputs geben könnten. Man habe schon zahlreiche Maßnahmen zur Prävention beziehungsweise zur Bekämpfung der Probleme, die sich aus dem Klimawandel ergeben, gesetzt, die Anstrengungen seien jedoch noch nicht ausreichend. Diesbezügliche Kraftanstrengungen seien sowohl auf österreichischer wie auf europäischer und internationaler Ebene, insbesondere von Seiten der USA, notwendig, wobei jeder Einzelne gefordert sei, im Bereich seiner Möglichkeiten entsprechend zu handeln.

Die Klimaexpertin Helga Kromp-Kolb, Wissenschafterin des Jahres 2005, betonte zu Beginn ihres Debattenbeitrags, dass sich die Wissenschaft nicht zuletzt auf Grund der jüngsten Entwicklungen absolut sicher sein könne, dass der Klimawandel tatsächlich stattfindet. Nun seien vor allem die Fragen zu stellen, wer daran Schuld sei und wie es weitergehe. Die Wissenschaft befasse sich schon seit etwa zwanzig Jahren mit dieser Thematik und habe vor den Auswirkungen der Klimaveränderung gewarnt, es habe jedoch lange gedauert, bis sie gehört wurde. Die Experten hätten nichts von ihren zwischenzeitig gewonnenen Erkenntnissen zurücknehmen müssen. Die Entwicklungen hätten sich in den vergangenen Jahren lediglich beschleunigt, an der Kernaussage habe sich jedoch nichts Wesentliches geändert.

In der Diskussion wollten die Jugendlichen vor allem wissen, was denn nun die Politik machen könne, um dem Klimawandel entgegenzuwirken und das Kyoto-Ziel bis 2010 zu erfüllen.

Bundesminister Josef Pröll gab zu bedenken, noch nie sei die Sensibilisierung der Öffentlichkeit in Sachen Klimaschutz so groß gewesen wie heute, neben der Politik sei aber auch der Einzelne angesprochen, tätig zu werden. Im Gegensatz zu Eva Glawischnig stand der Minister Verboten eher skeptisch gegenüber. So sollte man vor allem beim Autoverkehr auf Freiwilligkeit setzen, meinte er. Wem Klimaschutz ein Anliegen sei, der sollte freiwillig auf sein Auto verzichten, die Verantwortung liege bei jedem Einzelnen.

In der Verkehrspolitik gehe es auch nicht darum, Mobilität zu unterbinden, sondern sie auf den öffentlichen Verkehr umzuleiten, betonte Pröll. Die technologische Innovation sollte darüber hinaus forciert werden, um den Verbrauch zu reduzieren, beim Treibstoff wies Pröll wiederum auf die Notwendigkeit des Ersatzes durch Biosprit hin.

Eine häufig in der Diskussion gestellte Frage betraf den Wohnbau. Hier trat Pröll dafür ein, ab 2015 Wohnbauförderung nur noch für Neubauten mit Niedrigenergie- bzw. Passivenergiestandards zu bezahlen.

Die von der Politik vorgegebenen Zeitrahmen hielt hingegen Eva Glawischnig ebenso für unbefriedigend wie die Scheu des Gesetzgebers, in der Klimapolitik mit Verboten und Geboten zu agieren. Auf anderen Gebieten seien Verbote ja auch gang und gäbe, meinte sie. So zeigte sie kein Verständnis dafür, die Wohnbauförderung erst ab 2015 an Energiesparstandards zu koppeln. Ihrem Vorschlag, öffentliche Neubauten zwingend etwa mit Solaranlagen auszurüsten, konnte sich auch Minister Pröll anschließen. In der Verkehrspolitik wiederum trat sie für attraktive Alternativen zum Auto ein.

Glawischnig äußerte aber den grundsätzlichen Eindruck, dass das Problem des Klimaschutzes von der Politik noch nicht ernst genug genommen werde. Sie würde es sich wünschen, dass für den Klimaschutz genau so viel Geld ausgegeben werde wie für die militärische Sicherheit, sagte sie.

An die Verantwortung jedes Einzelnen appellierte auch Helga Kromp-Kolb. In Sachen Klimaschutz passiere in Österreich schon sehr viel, man könne aber nicht erwarten, dass ein Minister im Alleingang alles von oben durchsetzen werde. Die Zeit dränge jedenfalls, war sich Kromp-Kolb klar. Auch aus finanziellen Gründen herrsche Handlungsbedarf. Maßnahmen zum Schutz vor dem Klimawandel kosten Schätzungen zufolge nur ein Fünftel bis ein Zehntel so viel wie Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel, gab sie zu bedenken.
 
zurück