Klubklausur der Grünen  

erstellt am
15. 02. 07

  Van der Bellen: Grüne sind die Nummer 1 in der Opposition - Regierung ist visionslos
Langenlois (grüne) - Die Grünen suchen ihre "Standortbestimmung als neue Nummer Eins in der Opposition". Bundessprecher Alexander Van der Bellen lobte zu Beginn der zweitägigen Klubklausur im niederösterreichischen Langenlois die Vorreiterrolle der Grünen im Bereich Klimaschutz, wo sowohl Politiker als auch Medien früher immer nur mit "Stirnrunzeln" reagiert und von einem "grünen Spleen gesprochen" hätten und kritisierte die Visionslosigkeit der rot-schwarzen Regierung.

Die Oppositionstätigkeit würde die Ökopartei nun aus der "Pole-Position" immer wieder unter Beweis zu stellen haben. "Fad wird uns nicht werden". Jedenfalls zeige sich, dass die fünf Wahlkampfschwerpunkte der Grünen - Klimaschutz mit Energiewende, Gleichstellungspolitik, Bildung, Armutsbekämpfung und Migration bzw. Integration - weiterhin die wichtigsten Themen seien. Dazu komme die vor allem von den Grün-Vertretern in den beiden Untersuchungsausschüsse gezeigte Kontrolltätigkeit. So habe der Vorsitzende des Eurofighter-Ausschusses, Peter Pilz, "ungeachtet der Destruktionsbemühungen von Maria Fekter sich Respekt verschafft, ebenso Werner Kogler und Bruno Rossmann".

Die ÖVP, die sich immer gegen einen eigenen Banken-Ausschuss gewehrt habe, sei nun eines besseren belehrt worden. "Da hat man immer gesagt, das ist so notwendig wie ein Kropf. Im Gegenteil. Es stellt sich heraus, dass gerade zur Vermeidung künftiger Fälle wie BAWAG dieser Ausschuss notwendig und richtig ist".

Van der Bellen attestierte SPÖ und ÖVP einen "krassen Fehlstart" in der Regierung. "In 100 Tagen haben sie 40 Arbeitsgruppen eingesetzt, das heißt, die Lösungen werden vertagt. Das ist ja nicht wie bei einem Auto, das bei Nässe nicht anspringt, aber wenn es gestartet ist, schnurrt es. Zur Haltbarkeit der großen Koalition befragt, sagte er, der nächste "Krach" werde im Herbst kommen, aber er sei kein Prophet, wie lange die Regierung hält.

Im Umweltbereich werde nun weltweit auf den Klimaschutz gesetzt. Derzeit wären Kosten von einem Prozent des Weltsozialprodukts dafür notwendig, aber wenn man nichts tue, würden die Kosten auf das 25-fache in naher Zukunft wachsen, warnte Van der Bellen. Allerdings gebe es auch kontraproduktive Maßnahmen wie die Beimengung von Biosprit in Kalifornien. "Das führt dazu, dass die Maispreise gestiegen sind, die Tortillas werden teurer und es kann nicht im Sinn des Klimaschutzes sein, zu Lasten der Ärmsten in Mexiko" solche Maßnahmen zu treffen. Andererseits lobte Van der Bellen die Haltung der deutschen Ministerin Künast, die ihre Landsleute aufgerufen hatte, Hybrid-Autos von Toyota zu kaufen. Auf Frage, ob die Grünen die Österreicher ebenfalls auffordern sollten, nur mehr solche Pkws zu kaufen, meinte Van der Bellen, "wir brauchen eine Palette von Maßnahmen". Denkbar ist für den Grün-Chef dabei eine stärkere Spreizung bei der Nova (Normverbrauchsabgabe), also fast keine Steuer auf Hybridautos.

Die Klubobfrau der niederösterreichischen Grünen, Madeleine Petrovic, verwies auf die Landtagswahlen im März 2008. Dabei werde die ÖVP ihre Macht mit "Ellbogenkraft" versuchen, zu verteidigen und auch vor "relativ dumpfen Untertönen" nicht zurückschrecken. Zur FPÖ merkte sie an, für die Grünen sei es wichtig, einen "klaren und eindeutigen scharfen Gegenpol" zu bilden.

Van der Bellen: Was geht im Kopf von Gusenbauer vor? - SPÖ und ÖVP tögeln sich täglich
Irritiert über das Verhalten von Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (S) zeigte sich der Van der Bellen bei der Klubklausur. "Was geht im Kopf unseres Bundeskanzlers manchmals vor, frage ich mich", meinte er über die Ankündigung Gusenbauers, selbst Nachhilfestunden geben zu wollen. Dabei entstehe auch der Eindruck, dass der Regierungschef "nichts anderes zu tun hat".

Außerdem verwies Van der Bellen darauf, dass die SPÖ vor der Wahl nicht nur die Abschaffung der Studiengebühren versprochen habe, sondern auch dass der Schulunterricht nicht noch mehr privatisiert werden solle. Wenn nun Studierende, die sich von der Studiengebühr loskaufen wollen, Nachhilfe geben, und der Bundeskanzler selber mit dieser Haltung vorangehe, "suggeriert er ja im Gegenteil, dass die private Nachhilfe ausgebaut werden soll, statt die Schulen zu verbessern".

Der Umgangston zwischen den Regierungsparteien kommt Van der Bellen ebenfalls sehr eigenartig vor. "SPÖ und ÖVP schaffen es nicht, sich hinreichend von der FPÖ und der ewigen Verharmlosung des Nationalsozialismus zu distanzieren, aber täglich tögeln sie sich um ihr Programm". Die Grünen "werden viel Spaß haben in der Opposition. Wir werden uns auch sehr viel zu ärgern haben. Der neue Bundeskanzler imitiert schon in vielerlei Hinsicht den alten (Wolfgang Schüssel, Anm.). Man muss erst einmal drauf kommen, die Verbesserungen am Arbeitsmarkt auf die Regierungsbildung seit 10. Jänner zurückzuführen", wundert sich der Grünen-Chef.

 

 Kalina: Was geht im Kopf von Van der Bellen vor?
Wien (sk) - "Was geht eigentlich im Kopf von Van der Bellen vor?", fragt sich SPÖ-Bundesgeschäftsführer Josef Kalina angesichts der Aussagen des Grünen Bundessprechers. Das Verhalten der Grünen mit Van der Bellen an der Spitze erinnere sehr an die Balkon-Muppets: "Sie beschränken sich in ihrer Funktion nur darauf, das Geschehen mieselsüchtig zu kommentieren, ohne auch nur einen Beitrag selbst zu leisten", so Kalina Mittwoch gegenüber dem SPÖ-Pressedienst.

Während die Grünen seit der Wahl lediglich damit aufgefallen sind, keinerlei Verantwortung tragen zu wollen, habe die SPÖ in Regierungsverantwortung erste ganz konkrete Schritte zur Verbesserung der Lebenssituation der Menschen gesetzt. "Ob Armutsbekämpfung oder Maßnahmen zur Reduzierung der Arbeitslosigkeit - im Gegensatz zu den Grünen leistet die SPÖ konkrete Arbeit für das Land", so der SPÖ-Bundesgeschäftsführer abschließend.

 

 Kickl: Grüne Standortbestimmung recht schwammig
Wien (fpd) - "Wenn Bundessprecher Van der Bellen die rot-schwarze Regierung als visionslos bezeichnet, dann muss man diesen Vorwurf auch den Grünen machen", erklärte FPÖ- Generalsekretär NAbg. Herbert Kickl zur Klubklausur der Grünen in Langenlois. Bei den Grünen wisse spätestens seit dem 1. Oktober 2006 kein Mensch, für welche Positionen sie wirklich stünden. Chaotisch seien etwa auch die Ansagen während der Regierungsverhandlungen gewesen. Zuerst habe man die Unterstützung einer SPÖ-Minderheitsregierung vehement abgelehnt. Als es dann längst zu spät gewesen sei, habe man auf einmal genau diesen Wunsch bei den Sozialdemokraten deponiert, so Kickl. Mit seinen Aussagen könne Van der Bellen außerdem nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Grünen zutiefst zwischen Fundis und der sogenannten Gucci-Fraktion gespalten seien.

Zur Ansage der niederösterreichischen Grünen-Klubobfrau Petrovic in Richtung FPÖ meinte Kickl, man werde ebenfalls ein scharfer Gegenpol zu den grünen Multi-Kulti-Phantasien sein, die unter anderem den österreichischen Sozialstaat endgültig in den Ruin treiben würden und außerdem ein Sicherheitsrisiko für die österreichische Bevölkerung seien. "Bei der FPÖ wissen die Menschen genau, dass sie für die Interessen der Österreicherinnen und Österreicher einsteht. Bei den Grünen wäre ich mir da nicht so sicher", schloss der FPÖ-Generalsekretär.

 

 Grosz: Zum regieren zu feig, als Oppositionspartei zu schwach!
Wien (bzö) - "Wenn die Grünen nach über 20 Jahren im Parlament noch immer nicht ihren "Standort in der österreichischen Innenpolitik" gefunden haben, dann sollte dies Grünen-Chef Van der Bellen zu denken geben. Zum Regieren zu feig, als Oppositionspartei zu schwach: Dieser Umstand wird bei der heutigen Klausur wieder einmal deutlich", stellte BZÖ-Generalsekretär Gerald Grosz fest.

Die Grünen seien ein seltenes Beispiel dafür, dass eine relative Größe einer Partei nicht mit deren inhaltlicher Größe verbunden sei. "Als Umweltpartei haben sich die Grünen längst überholt, da das BZÖ ein viel kantigeres Umwelt- und Energieprogramm hat. Nur, wie die Grünen, ständig nach Belastungen für Autofahrer zu rufen, ist sicher nicht der Weisheit letzter Schluss."
"Wie der Traum einer Regierungsbeteiligung geplatzt ist, wird auch der Wunsch von Van der Bellen als neue Rolle 1 in der Opposition nur Wunschtraum bleiben", so Grosz abschließend.
 

Wir übernehmen hier Stellungnahmen aller im Parlament
vertretenen Parteien – sofern vorhanden! Die Redaktion

 
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