"Ein großer Christ und ein großer Freund der Juden"  

erstellt am
13. 02. 07

Weihbischof Krätzl betont bei Begräbnis Kurt Schuberts die Vorbildfunktion des Doyens der Judaistik und Ehrenpräsidenten des Österreichischen Katholischen Bibelwerks
Wien (stephanscom.at) - Als großes Vorbild, großen Wissenschaftler, großen Christen und großen Freund der Juden hat der Wiener Weihbischof Helmut Krätzl den verstorbenen Ehrenpräsidenten des Österreichischen Katholischen Bibelwerks, em. Prof. Kurt Schubert, gewürdigt. Krätzl hielt das Begräbnis Schuberts auf dem Döblinger Friedhof.

Schuberts "selbstverständliches Christsein" und seine ebenso "selbstverständliche Liebe zum Judentum" sei vergleichbar mit "zwei Zahnrädern, die ineinander greifen und einander bewegen", sagte Bischof Krätzl. Eine der Früchte von Schuberts lebenslangem Kampf gegen den Antisemitismus sei der 1956 von ihm gegründete "Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit", so Krätzl.

Der Bischof betonte auch die große Güte, Herzlichkeit und Fröhlichkeit Schuberts. Das letzte Jahrzehnt mit seiner 1999 verstorbenen, lange an den Rollstuhl gebundenen Frau Ursula habe er als "eine neue Sprache der Liebe" beschrieben. "Prof. Schubert hinterlässt ein großes Erbe: wir müssen es wahren, weiterführen, in seinem Geist. Er war ein vielfaches Vorbild. Er möge viele Nachahmer finden", so Krätzl.

Schubert war ein Zeuge und Mitgestalter der Zeitgeschichte. Noch vor der Matura hatte er den "Anschluss" erlebt. Die unmittelbar danach ausbrechende Judenverfolgung bewog ihn, sich wissenschaftlich mit dem Judentum auseinander zu setzen.

Schon als Jugendlicher ein engagierter Katholik, begann Schubert mitten im Krieg als Zeichen des geistigen Protests gegen das NS-Regime am Institut für altorientalische Philologie der Wiener Universität mit dem Hebräisch-Studium. Während der nationalsozialistischen Okkupation Österreichs gehörte er sowohl der österreichischen Widerstandsbewegung als auch der Katholischen Hochschuljugend "im Untergrund" an, die von Prälat Karl Strobl geleitet und sehr stark von Msgr. Otto Mauer inspiriert wurde.

Als Student rettete Schubert die Bibliothek des Wiener Rabbinerseminars vor der Vernichtung durch die Nazis und sorgte in der Nachkriegszeit für den Transfer der kostbaren Buchbestände nach Israel. In der Auseinandersetzung mit dem jüdischen Schrifttum wurde seine Lebensaufgabe deutlich, "den Christen klar zu machen, dass Israel das erwählte Volk bleibt".

Schon im April 1945 ergriff Kurt Schubert die Initiative, die Wiener Universität wieder zu eröffnen. Nicht nur das Hauptgebäude war zerstört, auch die geistigen Fundamente der "Alma Mater Rudolfina" waren neu zu legen. Als junge "wissenschaftliche Hilfskraft" hielt er am 2. Mai 1945 - noch vor dem offiziellen Kriegsende - die erste Universitätsvorlesung nach der Befreiung. Ihr Titel - "Hebräisch für Anfänger" - war mehr als symbolträchtig.

Schuberts Engagement galt in gleichem Maß dem Aufbau der judaistischen Wissenschaft und der verschiedenen Zweige der Katholischen Aktion. Kurt Schubert hatte wesentlichen Anteil an der Gründung des Katholischen Akademikerverbandes, dessen Präsident er lange war.

An der Universität wirkte Schubert zunächst als Dozent für Judaistik im Rahmen des Instituts für Orientalistik. Später gelang es ihm, dass die Judaistik zum eigenständig Fach aufgewertet wurde. Aus dem Wiener Institut und Schuberts Schule sind hervorragende Repräsentanten dieses Faches hervorgegangen. Unmittelbar nach der Auffindung der Rollen vom Toten Meer (Qumran) trat Schubert durch Interpretationen hervor, die in der Fachwelt weiterhin fast ungeteilte Zustimmung finden.

Als Gründer und langjähriger Präsident des "Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit" war Schubert stets um den Dialog zwischen Christen und Juden bemüht. Ebenso setzte er sich für eine objektive Darstellung des Judentums in den katholischen Religionsbüchern ein. Auch dem Österreichischen Katholischen Bibelwerk gab Kurt Schubert als Präsident eine unverwechselbare Prägung. Ein besonderes Verdienst des Verstorbenen war schließlich die Errichtung des Österreichischen Jüdischen Museums in Eisenstadt.
 
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