Österreichische Automobil-Zulieferer profitieren vom "Detroit des Ostens"  

erstellt am
21. 05. 07

Wien (tu) - In 13 osteuropäischen Automobilwerken werden im Jahr 2008 rund 3,5 Millionen Autos produziert. Das "neue Detroit des Ostens" soll durch die Initiative von Professor Wilfried Sihn von der Technischen Universität Wien mit eigens dafür kreierten Lieferantenparks im grenznahen österreichischen Gebiet versorgt werden.

"Das VW-Werk in Bratislava ist nur fünf Kilometer von Marchegg in Niederösterreich entfernt. Ein Fluss trennt die beiden Standorte. Die Barriere soll nun mit Hilfe eines Multi-OEM-Supplier-Parks (Zuliefererpark) zugunsten des Automobilstandortes Österreich überwunden werden", erklärt Professor Wilfried Sihn vom Institut für Managementwissenschaften der Technischen Universität Wien.

Derzeit befindet sich der Zuliefererpark in Marchegg gerade in der Vermarktungsphase. Projektleiter Klaus Schmitz: "Wir sind mit der Partnergewinnung beschäftigt und wollen Zuliefererfirmen aus Österreich, Deutschland sowie aus anderen westeuropäischen Ländern hier ansiedeln. Vor allem Österreich, das 11 Prozent des Bruttoinlandsproduktes mit der Automobilindustrie erwirtschaftet, soll sich durch Marchegg besser am Boom in Osteuropa beteiligen können." Bisher richtete die heimische Automobilindustrie ihre Geschäftsbeziehungen hinsichtlich der Warenströme eher in westliche Länder wie Deutschland, Frankreich oder Spanien aus. "Es ist aus logistischer Sicht nicht sehr sinnvoll, Autoteile quer durch Europa und insbesondere vom Westen in den Osten zu bringen", betont Wilfried Sihn. "Es wäre wesentlich kostengünstiger, die Wertschöpfung näher an den Produktionswerken zu erbringen." Das massive Interesse der Automobilindustrie in Osteuropa die Logistikprozesse und -kosten zu optimieren, geht im Konzept des "Automotive Supplier Parks Marchegg" zur Gänze auf. Die Rahmenbedingungen für die Firmen gilt es daher kostengünstig zu gestalten.

Hauptziel ist es den Parkfirmen zu ermöglichen, sich auf ihre Kernkompetenzen Produktion und Entwicklung zu konzentrieren. Alle anderen Bereiche, wie beispielsweise Dispositionsabwicklungen, Transportleistungen oder einfache Leistungen wie Sicherheitsdienste sollen ihnen durch den Park abgenommen werden. Wilfried Sihn möchte ein "Rund-um-sorglos-Packet anbieten. "Bisher hatten die Zulieferer der großen Automobilhersteller nur zwei Möglichkeiten: Entweder sie siedelten sich in einem Supplier Park eines Automobilherstellers an (='eins-zu-eins-Beziehungen') und konnten exklusiv nur einen Hersteller beliefern oder sie bauten ein eigenständiges Werk ohne besondere Struktur und Hilfestellungen auf." Der neuartige Park in Marchegg stellt einen dritten Weg dar. "Die Chance, 13 Werke in unmittelbarer Nähe zu beliefern, kann hier optimal genützt werden", ergänzt Klaus Schmitz. Ein intelligentes Dienstleistungsangebot mit Einsparungseffekten und geringeren Produktionskosten durch höhere Stückzahlen sind somit das Erfolgsrezept des Konzepts.

Die Schaffung von neuen Arbeitsplätzen durch Lieferantenparks konzentriert sich in erster Linie auf die Vienna Region (Burgenland, NÖ, Wien). Der Multi-OEM-Supplier-Park in Marchegg entsteht in Zusammenarbeit mit der niederösterreichischen Wirtschaftsagentur "ecoplus" und wird von der Fraunhofer-Projektgruppe für Produktions- und Logistikmanagement unterstützt.
 
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