Wiener Stadt- und Landesarchiv: Neue Einblicke in die NS-Zeit  

erstellt am
05. 09. 07

Wien (rk) - Das Wiener Stadt- und Landesarchiv hat die Akten des Volksgerichts Wien übernommen und erschlossen. Sie sind nun der Allgemeinheit im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten zugänglich. Das Volksgericht wurde 1945 zur Ahndung von nationalsozialistischen Verbrechen in Wien eingerichtet und führte seine Tätigkeit bis zum Abzug der Alliierten 1955 fort.

Akten zu 39.500 Angeklagten stehen der Forschung nun zur Verfügung. Unter ihnen finden sich so berüchtigte Personen wie Dr. Siegfried Seidl, Lagerleiter von Theresienstadt und Bergen-Belsen sowie 1944/45 stellvertretender Leiter des SS- Sondereinsatzkommandos Außenstelle Wien, der 1946 zum Tod verurteilt und 1947 hingerichtet wurde, oder Dr. Karl Ebner, stellvertretender Gestapo-Chef von Wien und Leiter des "Judenreferates" der Gestapo, der zu 20 Jahren schweren Kerkers verurteilt wurde, von denen er allerdings nur insgesamt acht in Gefängnissen absitzen musste.

Von 9. bis 12. Oktober 2007 veranstaltet das Wiener Stadt- und Landesarchiv gemeinsam mit dem Südwestdeutschen Arbeitskreis für Stadtgeschichtsforschung, dem Ludwig-Boltzmann-Institut für Stadtgeschichtsforschung und dem Verein für Geschichte der Stadt Wien eine Internationale Tagung zum Thema "Stadt und Nationalsozialismus". Nationalsozialistische Metropolen werden ebenso behandelt wie Kleinstädte, NS-Utopien ebenso analysiert wie die gleichgeschaltete Realität. Internationale Experten werden die Thematik mit einem Fachpublikum und interessierten Laien diskutieren.

Information und Anmeldung: http://www.stadtgeschichtsforschung.at/tagungen.html
 
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