CEE-Bankenmärkte durchbrechen Billionen-Grenze  

erstellt am
05. 09. 07

Bilanzsumme aller Banken in Zentral- und Osteuropa wuchs 2006 um 28 Prozent auf über 1 Billion Euro
Wien (rzb) - Die Bankenmärkte in Zentral- und Osteuropa (CEE) haben 2006 ihren eindrucksvollen Wachstumstrend fortgesetzt. Nach einem Rekordwachstum von 31,2 Prozent im Jahr 2005 stieg die aggregierte Bilanzsumme der CEE-Bankenmärkte im Jahr 2006 um 28,0 Prozent auf 1.087 Milliarden Euro (2005: 849 Milliarden Euro). Das zeigen die Analysten von Raiffeisen Research in der kommenden Ausgabe ihrer jährlichen CEE-Banken Studie (CEE Banking Sector Report) auf, die in gedruckter Form Anfang Oktober vorliegen wird.

"Das ist nach dem Rekordjahr 2005 das zweitstärkste Jahreswachstum in der Region. Wir sehen derzeit keine Gründe für eine signifikante Abschwächung des langfristigen Wachstumstrends", so Walter Demel, Senior Analyst der Raiffeisen Zentralbank Österreich AG und Co-Autor der Studie. Der CEE Banking Sector Report deckt im Detail die 15 wichtigsten Bankenmärkte der Region ab. Regional betrachtet waren im vergangenen Jahr die Bankenmärkte in der Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS, für die Studie Belarus, Russland und Ukraine umfassend) mit 41,7 Prozent Wachstum und in Südosteuropa mit einem Zuwachs von 36,7 Prozent die wesentlichen Wachstumstreiber. Die weiter entwickelten Bankenmärkte Zentraleuropas wuchsen um 15,8 Prozent. Auf Länderebene wiesen Serbien (plus 51 Prozent), Rumänien (plus 47 Prozent), Ukraine und Russland als größter Bankenmarkt der Region (jeweils plus 42 Prozent) sowie Bulgarien und Belarus (jeweils plus 28 Prozent) überdurchschnittliche Wachstumsschübe im Jahr 2006 auf Euro-Basis auf. Das geringste Wachstum verzeichnete die Slowakei mit immer noch beachtlichen 10 Prozent.


Verdoppelung des Bankenmarktes bis 2011 prognostiziert
Das im Vorjahr eingeführte Prognosemodell zur langfristigen Entwicklung der CEE-Bankenmärkte wurde erweitert und deckt nun den Zeitraum bis einschließlich 2016 ab. Ein zentrales Ergebnis des Prognosemodells ist, dass sich der CEE-Bankenmarkt bis Jahresende 2011 mehr als verdoppeln soll: Von 1.087 Milliarden Euro Gesamtbilanzsumme zum Jahresende 2006 auf rund 2.500 Milliarden Euro zum Jahresende 2011. Für das Jahr 2016 wird ein Marktvolumen von über 5.000 Milliarden Euro prognostiziert, was einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von rund 17 Prozent entspricht. Das Prognosemodell orientiert sich dabei am Verhältnis zwischen volkswirtschaftlicher Wertschöpfung zum Anteil der gesamten Bankbilanzsummen am Bruttoinlandsprodukt.

Höchste Wachstumsraten in der GUS prognostiziert
Ein weiteres Ergebnis dieser Prognoserechnung ist, dass sich die Bankenmärkte in der GUS deutlich schneller entwickeln werden, als die Märkte in den neuen EU-Mitgliedsstaaten. Für den Zeitraum bis 2011 wird ein durchschnittliches Wachstum von 21 Prozent pro Jahr für die GUS prognostiziert. Für Südosteuropa sind es 16,6 Prozent und für Zentraleuropa 15,6 Prozent pro Jahr. Als Resultat daraus erwarten die Analysten, dass die Gesamtbilanzsumme in der GUS im Laufe des Jahres 2008 erstmals größer sein wird als die in Zentraleuropa.

Aufgrund der weiterhin hohen Wachstumsraten ist die Region CEE für Banken nach wie vor attraktiv. Während das Wirtschaftswachstum auf hohem Niveau bleibt ? für 2007 sind in CEE 6,6 Prozent prognostiziert, im Vergleich zur Eurozone von 2,7 Prozent ?, liegt das Wachstumspotenzial der Bankwirtschaft weiterhin bei einem Vielfachen davon. In den letzten Jahren wuchsen die Banken im Schnitt rund dreimal so stark wie die Gesamtwirtschaftsleistung, dieser Trend sollte sich fortsetzen.

Privatkundengeschäft ist Wachstumstreiber Nummer Eins
Der größte Wachstumstreiber ist das nach wie vor stark zulegende Geschäft mit Privatkunden. Die weiter zunehmenden Einkommen für breite Bevölkerungsschichten in den Ländern der Region führen zu einer stark steigenden Nachfrage nach Bankprodukten, sowohl auf der Finanzierungs- als auch auf der Veranlagungsseite. Daher konzentrieren sich mittlerweile fast alle in der Region tätigen internationalen Banken auf dieses aussichtsreiche Kundensegment.

Der Boom bei Privatkrediten setzt sich fort. Nach den außerordentlich hohen Wachstumsraten im Jahr 2005, als der Markt für Kredite an private Haushalte in der Ukraine um 175 Prozent und in Russland um 111 Prozent zulegte, hat sich das Wachstum in relativer Betrachtung ein wenig verlangsamt. In der Ukraine stieg das an Privathaushalte vergebene Kreditvolumen im Jahr 2006 um 110 Prozent gegenüber dem Vorjahr, in Rumänien um 100 Prozent und in Russland um 73 Prozent (jeweils auf Euro-Basis). In absoluten Zahlen ist das Wachstum allerdings ungebrochen hoch. So stieg das Volumen der an private Haushalte vergebenen Kredite in der Ukraine von 5,6 Milliarden Euro zum Jahresende 2005 auf 11,8 Milliarden Euro. Der Volumenzuwachs betrug 2006 daher rund 6,2 Milliarden Euro. Im Jahr zuvor waren es noch 3,6 Milliarden Euro.

Diese Wachstumsraten reflektieren den ungebrochen hohen Nachholbedarf insbesondere in den Ländern der GUS. Aber selbst im vergleichsweise deutlich weiter entwickelten Bankenmarkt der Slowakei erhöhte sich das Privatkreditvolumen um 46 Prozent. ?Wir sehen die größte Nachfrage in der Finanzierung von Wohnungseigentum, Autos und Konsumgütern. Es gibt hier einerseits einen unheimlichen Nachholbedarf, andererseits wird die Nachfrage durch steigende Einkommen noch verstärkt?, unterstreicht Demel.

Wie groß das langfristige Zukunftspotenzial in dieser Sparte ist, lässt sich an einem Vergleich des Kreditvolumens mit der Gesamtwirtschaftsleistung ablesen. In der Eurozone machten die gesamten Privatkredite zum Jahresende 2006 durchschnittlich 54,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus. Dagegen lag dieser Wert in Zentraleuropa und Südosteuropa bei 17,5 beziehungsweise 17,7 Prozent des BIP, in der GUS machte er lediglich 8,3 Prozent aus. ?Die Regionen befinden sich in unterschiedlichen wirtschaftlichen Entwicklungsstufen. Daraus resultieren die großen Unterschiede bei den Wachstumsraten. Der Anteil der Privatkredite am Bruttoinlandsprodukt sind in der GUS zwischen 2005 und 2006 von 5,7 Prozent auf 8,3 Prozent gestiegen?, so Demel.

Westeuropäische Bankengruppen dominieren in CEE
Die russische Sberbank ist mit einer Bilanzsumme von 100,5 Milliarden Euro die größte Bank in CEE. Größte internationale Bankengruppe mit weitreichender CEE-Präsenz ist die italienische UniCredit mit einer konsolidierten Bilanzsumme von 91,0 Milliarden Euro. Auf den Plätzen zwei und drei folgen österreichische Institute: Die Erste Bank (59,3 Milliarden Euro) und Raiffeisen International (55,9 Milliarden Euro). Die belgische KBC liegt mit einer Bilanzsumme von 42,6 Milliarden Euro an vierter, die französische Société Générale mit 40,0 Milliarden an fünfter Stelle. "Insgesamt ist es den österreichischen Bankengruppen auch 2006 gelungen, sich im Spitzenfeld zu behaupten", hält Stefan Maxian, Co-Autor und Leiter Company Research bei der Raiffeisen Centrobank AG, fest.

Banken beflügeln das Wirtschaftswachstum
"Die internationalen Banken in CEE wachsen signifikant stärker als der Gesamtmarkt, was unter anderem auf deren hohe Aktivität bei Übernahmen und Fusionen zurück zu führen ist", so Maxian. Die Banken seien damit auch ein wesentlicher Treiber des gesamtwirtschaftlichen Wachstums der Region. Die größte Wachstumsdynamik zeigte in den letzten fünf Jahren die Raiffeisen International mit einem durchschnittlichen jährlichen Bilanzsummenwachstum von 37,1 Prozent zwischen 2001 und 2006. Durch eine Reihe von Übernahmen kommt die UniCredit auf 31,7 Prozent und die ebenfalls bei Übernahmen sehr aktive ungarische OTP auf 27,6 Prozent pro Jahr.

Raiffeisen International mit größtem Vertriebsnetz
Der Geschäfterfolg mit Privatkunden ist zwangsläufig stark von einer flächendeckenden Filialpräsenz abhängig. Mit 2.848 Geschäftsstellen (Daten per Jahresende 2006) verfügt die Raiffeisen International, insbesondere aufgrund ihrer starken Präsenz in der Ukraine, über das größte und weitestreichende Vertriebsnetz aller in der Region operierenden internationalen Banken. Die UniCredit folgt mit 2.403 Filialen vor der Erste Bank mit 1.765 Geschäftsstellen.

Unter den internationalen Banken verfügen die Raiffeisen International und die UniCredit über die größte Reichweite, sie sind in 15 Märkten der Region mit Banktöchtern präsent. Sechs Banken sind jeweils in acht Märkten aktiv: IntesaSanpaolo, Citigroup, ING, OTP, ÖVAG und die Société Générale.
 
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