Zugangsbeschränkungen werden in zwei Fächern aufgehoben  

erstellt am
10. 10. 07

 Broukal begrüßt "Lösung mit Augenmaß"
Eine wirklich große Lösung der universitären Probleme soll in den kommenden Monaten angegangen werden
Wien (sk) -
Die Zugangsbeschränkungen an den Universitäten werden in den Studienfächern Pharmazie und Biologie aufgehoben; darauf haben sich SPÖ und ÖVP heute geeinigt. SPÖ-Wissenschaftssprecher Josef Broukal lobte in einer ersten Reaktion die Einigung als "Lösung mit Augenmaß, die der ÖVP gezeigt hat, dass für die SPÖ der Ausbau der Universitäten ein wirkliches Anliegen ist". Denn in BWL, Publizistik und Psychologie werden jene Universitäten, die in den letzten Jahren ihre Studienplätze nicht um mindestens zehn Prozent erhöht haben, "eindringlich aufgefordert dies zu tun", so Broukal am 10.10. gegenüber dem Pressedienst der SPÖ.

Dass es in Biologie und Pharmazie künftig keine Zulassungsbeschränkungen mehr gibt, ist für Broukal ein wichtiges Signal: "Wir leben im Zeitalter der life sciences. Gerade für solche Zukunftsfächer müssen wir Studierende gewinnen und nicht vom Studium abhalten", so Broukal.

Aufrecht bleiben die Zugangsbeschränkungen in den drei medizinischen Fächern Human-, Zahn- und Veterinärmedizin. "Hier müssen die Beschränkungen leider so lange bleiben, bis der Streit mit der EU-Kommission um die unbeschränkte Zulassung ausländischer Studierender gelöst ist", so Broukal. Für die SPÖ geht es aber um auch um grundsätzliche Verbesserungen für die Hochschulen. "Eine wirklich große Lösung der universitären Probleme werden wir in den kommenden Monaten in Verhandlungen mit der ÖVP angehen. Wir wollen die teilweise bestehende Uni-Misere ein für allemal hinter uns lassen und für die Studierenden und Lehrenden Bedingungen schaffen, unter denen sie bessere Arbeit leisten können", so der SPÖ-Wissenschaftssprecher abschließend.

 

 Brinek erfreut über SPÖ-Einsicht
Zugangsregelung steigert die Chancen der österreichischen Studierenden
Wien (övp-pk) - ÖVP-Wissenschaftssprecherin Dr. Gertrude Brinek freut sich über die Einsicht der SPÖ und die SPÖ- Zustimmung in der heutigen Ministerratssitzung zur Verlängerung der Zugangsregelungen für sechs Nummerus Clausus-Fächer. Für die weiteren Fächer wird der Minister ermächtigt, auf Basis einer Verordnung allenfalls handeln zu können. "Einer parlamentarischen Verabschiedung steht daher nichts mehr im Wege", so Brinek weiter.

Die im Ministerrat erzielte Einigung betreffend der deutschen "NC-Fächer" ermöglicht die Schaffung von Zugangsregelungen bzw. schafft die Basis für die Verlängerung, die ab 1. Jänner 2008 notwendig ist. "Damit wird den Universitäten ein flexibel einsetzbares Instrument in die Hand gegeben, mit dem sie im Interesse der österreichischen Studierenden handeln können. Die Zugangsregelung steigert die Chancen der österreichischen Studierenden", betont die ÖVP-Wissenschaftssprecherin. Nach wie vor ist damit zu rechnen, dass Studierende aus Deutschland die österreichischen Universitäten so attraktiv finden, dass sie Österreich gerne als Studienort wählen. "Die Verlängerung der Zugangsregelung auf weitere zwei Jahre ist daher notwendig und sinnvoll", schließt Brinek.

 

 Grünewald begrüßt Öffnung der Zugangsbeschränkungen
Regierung muss langfristige, universitätspolitische Strategie vorlegen
Wien (grüne) - "Es freut mich, dass die Studienfächer Biologie und Pharmazie von den Zulassungsbeschränkungen ausgenommen wurden. Das ändert aber nichts daran, dass nach wie vor eine universitätspolitische Strategie fehlt, um die tatsächlichen Probleme an den Universitäten zu lösen", so Kurt Grünewald, Wissenschaftssprecher der Grünen zur Einigung zwischen ÖVP und SPÖ im Ministerrat. "BM Hahn muss eine Strategie vorlegen, die die Problematik des Universitätszugangs langfristig löst. Er kann sich nicht mit einzelnen Husch-Pfusch-Aktionen davonschleichen", so Grünewald weiter.

Grünewald fordert die Regierung auf, den Universitäten endlich das Geld zu geben, das sie für eine hochwertige Ausbildung benötigen. "Österreichs Universitäten sind nach wie vor schwer unterfinanziert. Auch die mäßige Budgetsteigerung ändert daran gar nichts. Hätten die Universitäten beispielsweise einen ähnlichen finanziellen Rahmen wie die Fachhochschulen, würden die Probleme des Universitätszugangs deutlich geringer sein", erklärt Grünewald.

Die Regierung solle außerdem endlich die warnenden Hinweise der OECD, wonach wir im Ranking der höheren Bildung einen vergleichsweise traurigen Platz einnehmen ernst nehmen. "Wir brauchen mehr AkademikerInnen. Und dafür brauchen wir auch eine verantwortungsvolle Bildungspolitik, die ein klares Konzept für eine nachhaltige hochschulpolitischen Strategie vorlegt und zeigt, was ihr die Ausbildung junger Menschen wert ist", schließt Grünewald.

 

 Graf: Jeder österreichische Staatsbürger soll studieren dürfen, was er möchte
FPÖ spricht sich weiterhin gegen Zugangsbeschränkungen an den österreichischen Universitäten aus
Wien (fpd) - Wenig abgewinnen kann der freiheitliche Bildungs-und Wissenschaftssprecher NAbg Dr. Martin Graf der von SPÖ und ÖVP ausgehandelten Kompromisslösung zur Fortführung universitärer Zugangsbeschränkungen. "Numerus clausus und Quotenregelungen sind für uns kein geeignetes bildungspolitisches Mittel, den Zulauf zu Österreichs Universitäten zu regulieren."

Während die Fächer Pharmazie und Biologie geöffnet werden, soll es für Human- und Zahnmedizin, Veterinärmedizin, Psychologie, Publizistik und Kommunikationswissenschaft sowie Betriebswirtschaftslehre weiterhin Beschränkungen geben, berichtet Graf. Im Falle eines zu zahlreichen Zustromes könne Minister Hahn ab dem kommenden Sommersemester auch in den jetzt geöffneten Fächern Beschränkungen erlassen.

"Dieser Weg ist nicht unser Weg", stellt Martin Graf fest und verweist auf das im Juni des Jahres vorgestellte Freiheitliche Bildungskonzept 2012+. "Neben Forderungen wie der Beibehaltung des differenzierten Schulsystems, der ziffernmäßigen Schulnote und dem freien Hochschulzugang haben wir auch sehr konkrete Vorschläge zur Handhabung diesen freien Zugangs vorgelegt."

So solle eine Zentralmatura nach gleichen Leistungs- und Bildungsstandards etabliert werden, wobei höchstens 40 Prozent der Fächer modular sein sollten und die Maturagegenstände bereits mitentscheidend für die Auswahl der Studienrichtung wären.

"Auf diese Weise", erläutert Graf, "kann jeder Österreicher studieren, was er möchte, wobei die Miteinbeziehung der Maturagegenstände den Jugendlichen ein wünschenswertes und durchaus vertretbares Maß an Selbstverantwortung abverlangt. Den neuerlichen SPÖ-Umfaller, an der Quote herumzubasteln und damit den freien Hochschulzugang, also ein weiteres Wahlversprechen zu opfern, wird die FPÖ jedenfalls nicht mittragen."

 

 Darmann: "Regierung einigt sich mittels eines Kuhhandels"
"Viel wichtiger wäre in die Qualität der vorhandenen universitären Ausbildung zu investieren"
Wien (bzö) - "Es ist wahrlich ein bürgerliches Trauerspiel, wenn sich nun Wissenschaftsminister Hahn und SPÖ-Wissenschaftssprecher Broukal mittels eines Kuhhandels auf eine neue Reglementierung des Uni-Zuganges einigen", kritisierte der BZÖ-Wissenschaftssprecher Abg. Mag. Gernot Darmann. "Wenn nun schon der Zugang geöffnet wird, dann muß die Regierung auch für eine entsprechende Anzahl an Professoren an den Unis sorgen", so Darmann weiter.

Eine Anhebung der Studienplätze könne nur Hand in Hand mit einer Anhebung der Professorenanzahl passieren, wie wir das schon lange fordern. Alles andere würde nur die Qualität der Ausbildung an den Universitäten verschlechtern. "Es kann nicht sein, daß diese Regierung nur den linken Forderungen nach mehr Studenten nachkommt und dadurch eine Verschlechterung der Qualität in diesen Studienfächern in Kauf nimmt, weil es logischerweise zu einer Überlastung in diesen Studienzweigen kommen wird", betonte Darmann.

"Tatsache ist, daß eine Aufstockung nur funktionieren kann, wenn die Bundesregierung mehr Geld in die Hand nimmt. Viel wichtiger wäre aber in die Qualität der vorhandenen universitären Ausbildung zu investieren und dem steigenden Betreuungsverhältnis entsprechende finanzielle Mittel zur Aufstockung der Professorenschaft entgegenzusetzen", meinte Darmann abschließend.
 
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