Bartenstein: Österreich baut exzellente Wirtschaftsbeziehungen mit Ungarn aus   

erstellt am
30. 11. 07

Arbeitsminister Martin Bartenstein und Amtskollegin Monika Lamperth unterzeichnen Kontingente der Grenzgänger- und Praktikantenabkommen für 2008
Budapest (bmwa) - „Österreich und Ungarn haben seit der Ostöffnung und dank des EU-Beitritts starke wirtschaftliche Beziehungen aufgebaut. Derzeit sind über 2500 österreichische Firmen mit Niederlassungen in Ungarn tätig. Das jährliche Handelsvolumen beträgt mehr als sechs Milliarden Euro. Österreich ist der drittgrößte Investor in Ungarn. Diese guten Wirtschaftsbeziehungen sollen weiter ausgebaut werden", sagte Wirtschaftsminister Martin Bartenstein im Rahmen der zweiten gemeinsamen Sitzung der Regierungen Österreichs und Ungarns, die am 29.11. in Budapest stattfand.

Ungarn ist Österreichs siebentgrößter Exportmarkt, das Volumen belief sich 2006 auf 3,5 Milliarden Euro. Die österreichischen Importe aus Ungarn lagen unterdessen bei 2,6 Milliarden Euro. Damit liegt Ungarn als Importmarkt für Österreich auf dem neunten Platz. Österreich ist Ungarns drittgrößter Handelspartner.

Beim künftigen Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen solle auf verstärkte Zusammenarbeit im Bereich KMU besonders Wert gelegt werden, so Bartenstein. „Synergien bieten sich nicht nur bei künftigen INTERREG-Projekten, sondern auch in der Clusterpolitik."

Zum Thema Energieversorgung sagt Bartenstein: „Die geplante Gaspipeline Nabucco ist ein gemeinsames Projekt. Projektpartner sind neben Österreich und Ungarn die Länder Bulgarien, Rumänien und Türkei. Mit Aserbaidschan soll bald ein weiterer Partner dazu kommen. 2012 soll das erste kaspische Gas nach Europa kommen", so Bartenstein. Das Nabucco-Pipeline-Projekt komme zügig voran.

Gute arbeitsmarktpolitische Zusammenarbeit
Auch die arbeitsmarktpolitische Zusammenarbeit zwischen Österreich und Ungarn ist traditionell gut, vor allem zwischen den westungarischen Komitaten und der dortigen regionalen Arbeitsmarktverwaltung einerseits sowie dem AMS Burgenland unter Beteiligung der Arbeitsministerien beider Staaten.

In Hinblick auf die Übergangsfristen sagte Bartenstein: „Mit der schrittweisen Öffnung des Arbeitsmarktes haben wir gute Erfahrung gemacht." Das zeige sich bei Pflegern, Forschern, Schlüsselkräften und auch bei der Fachkräfte-Verordnung. Diese ist seit Mai 2007 in Kraft und sieht ein Kontingent für 800 Dreher, Schweißer und Fräser vor. Der Großteil der 670 Fachkräfte, die heuer nach Österreich gekommen sind, stammt aus Ungarn. Für 2008 wird Arbeitsminister Bartenstein eine weitere Fachkräfte-Verordnung erlassen: Diese wird von den bisher drei auf 50 Berufe ausgeweitet, eine Kontingentierung der Fachkräfte wird es bei diesen Berufen nicht mehr geben. „2009 soll der Arbeitsmarkt für Fachkräfte und Akademiker geöffnet werden - Safeguards soll es bis 2011 für gering Qualifizierte geben", so Bartenstein.

Das sei nicht nur ein wichtiges Signal an die neuen EU-Mitglieder, sondern auch an die Europäische Kommission. Bartenstein betonte einmal mehr, dass ausländische Fachkräfte den bestehenden Mangel in Österreich nicht beheben können. „Die Top-Priorität hat auch schon bisher die Ausbildung junger Menschen. Denn die Lehrlinge von heute sind unsere Fachkräfte von morgen. Zudem läuft eine breit angelegte Qualifizierungsoffensive. Bis zum Sommer nächsten Jahres werden 10.000 Personen zu Metallfachkräften ausgebildet."

Abkommen mit Ungarn für Grenzgänger und Praktikanten
Gemeinsam mit der ungarischen Amtskollegin Monika Lamperth unterzeichnet Bartenstein heute im Rahmen der Regierungssitzung in Budapest die neuen Kontingente für die Grenzgänger- und Praktikantenabkommen. Diese Abkommen werden im besten Einvernehmen vom AMS und den ungarischen Arbeitsämtern vollzogen. Jährliche Grenzgänger- und Praktikantenkontingente wurden im Laufe der Jahre kontinuierlich erweitert.

Das diesjährige Grenzgängerkontingent mit 2.350 ist ausgeschöpft und wird nunmehr für 2008 um 200 auf 2.550 aufgestockt. Die insgesamt günstige Arbeitsmarktentwicklung und insbesondere der zunehmende Bedarf an Fachkräften lässt es zu, das Grenzgängerkontingent für 2008 aufzustocken.

Das Praktikantenkontingent wird sich für 2008 auf 1.800 belaufen und ermöglicht den Austausch von jungen Arbeitnehmern im Alter zwischen 18 und 35 Jahren mit abgeschlossener Berufsausbildung. Es gilt für das gesamte Bundesgebiet. Praktikanten können im jeweils anderen Vertragsstaat in einem befristeten Arbeitsverhältnis ihre beruflichen und sprachlichen Kenntnisse erweitern. Praktikanten werden derzeit für maximal 50 Wochen zugelassen und erwerben damit auch keine Arbeitnehmerfreizügigkeit.

„Beide Abkommen bieten ungarischen Arbeitskräften zusätzliche Möglichkeiten einer Beschäftigung in Österreich und sind somit ein wichtiger Beitrag zur schrittweisen Öffnung des Arbeitsmarktes im Rahmen der Übergangsregelungen", so Bartenstein.

Die Abkommen sind reziprok, wodurch auch österreichische Arbeitskräfte zu einer Beschäftigung in Ungarn zugelassen werden.

Die Gemischte Österreichisch-Ungarische Kommission unter dem Vorsitz der beiden Ministerien überwacht die Vollziehung der Abkommen und erarbeitet gemeinsam mit den Interessenvertretungen der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer Vorschläge für die Kontingente des nächsten Jahres.

Neben den Bewilligungsmöglichkeiten nach dem Ausländerbeschäftigungs-Gesetz können ungarische Arbeitskräfte seit 1998 auch über ein Grenzgänger- und ein Praktikantenabkommen zu einer Beschäftigung in Österreich zugelassen werden.
 
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