Klimawandel beeinträchtigt globales Agrarproduktionspotenzial   

erstellt am
10. 12. 07

In Europa noch verhältnismäßig stabile Erzeugung erwartet
Wien (bmlfuw/aiz) - Der Klimawandel wird das weltweite Produktionspotenzial der Landwirtschaft spürbar verringern. Zu diesem Schluss kommen Wissenschafter des australischen Amtes für Land- und Rohstoffwirtschaft (ABARE) in einer aktuellen Untersuchung. Simulationsrechnungen deuten darauf hin, dass die Erzeugung von Weizen, Rindfleisch, Milch und Zucker im Jahr 2030 global um 2 bis 6% niedriger ausfallen wird als bei unverändertem Klima. Bis zum Jahr 2050 könnte das Produktionspotenzial sogar um 5 bis 11% geschmälert werden.
Gemäß der Studie wird die Weizenerzeugung zunächst insbesondere in Schwellenländern wie Argentinien und Brasilien leiden, langfristig wird Australien mit einem Rückgang um 13% am härtesten getroffen. In der Europäischen Union und Kanada soll das Produktionspotenzial bis 2030 sogar leicht steigen, bis 2050 jedoch um etwa 3 bis 4% reduziert werden. Der Weizenanbau in den USA wird hingegen stärker beeinträchtigt als in Europa. In der Milcherzeugung wird Neuseeland der Untersuchung zufolge vom Klimawandel profitieren, während das Potenzial in den USA und Europa deutlich geringer ausfällt. Australien muss sich auch hier auf den schärfsten Wandel einstellen. Ähnlich ist die Situation beim Rindfleisch: Brasilien, Australien und Argentinien werden im Jahr 2050 deutlich schlechtere Produktionsvoraussetzungen haben, während die Erzeugung in Europa nur geringfügig leiden dürfte. Neuseeland könnte in der Rindfleischproduktion wiederum zu den Gewinnern der Erwärmung gehören. Die Zuckererzeugung wird voraussichtlich vor allem in Indien und den südostasiatischen ASEAN-Staaten beeinträchtigt. Auch in der Europäischen Union soll die Minderung des Produktionspotenzials im zweistelligen Bereich liegen. Brasiliens Zuckerindustrie dürfte vom Klimawandel aufgrund ihrer komparativen Vorteile hingegen profitieren.

Handelsströme verschieben sich
Die australischen Wissenschafter haben auch die Auswirkungen auf den Weltagrarhandel analysiert. Aufgrund einer Schwächung der Konjunktur und des geringeren Produktionspotenzials wichtiger Agrarrohstoffe prognostizieren sie eine erhebliche Verschiebung der Handelsströme. Der Welthandel mit Weizen wird bis 2050 um insgesamt 5% geringer ausfallen als in einem Szenario ohne Klimaerwärmung. Die USA werden ihre Weizenexporte voraussichtlich um mehr als ein Fünftel einschränken müssen. Das Welthandelsvolumen an Rindfleisch wird hingegen kaum abnehmen. Jedoch werden Argentinien, Australien und Brasilien demnach erheblich Marktanteile an die USA und Neuseeland verlieren. Der Welthandel mit Milchprodukten dürfte vom Klimawandel bis 2050 etwas beflügelt werden, wobei Europa und Australien jedoch auf der Seite der Verlierer stehen.

Angepasste Bewirtschaftung kann Auswirkungen begrenzen
Die globalen Simulationen beruhen auf einer unveränderten Landbewirtschaftung. Tatsächlich ist jedoch davon auszugehen, dass die Landwirte die Bewirtschaftung ihrer Flächen und Herden dem Klimawandel anpassen werden. Dies dürfte die Auswirkungen auf das Produktionspotenzial mindern. So haben Detailberechnungen des ABARE für zwei australische Bundesstaaten ergeben, dass der Produktionsrückgang bei geeigneten Anpassungsmaßnahmen nur etwa halb so gravierend ausfallen wird wie in einem Szenario mit statischer Bewirtschaftung. Dennoch wurden die Berechnungen in Australien mit Besorgnis aufgenommen. Immerhin weist die Studie eine Verringerung des australischen Agrarexportpotenzials um 80% bis zum Jahr 2050 aus. Der neue Premierminister Kevin Rudd erklärte, die Untersuchung zeige die wirtschaftlichen Kosten des Nichthandelns. Der föderale Bauernverband (NFF) hob hervor, dass die Landwirte schon in der Vergangenheit ihre Arbeitsweise ständig den sich verändernden Umweltbedingungen angepasst und große Produktivitätsfortschritte erzielt hätten. So seien in der Saison 2006/07 trotz der schwersten Dürre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen immerhin fast 10 Mio. t Weizen geerntet worden. Mit der Anbautechnik der 80er-Jahre wäre nur eine Erzeugung von unter 3 Mio. t möglich gewesen.
 
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