Kunst von Innen - Art Brut in Österreich   

erstellt am
11. 02. 08

Innsbruck (rms) - Am 08.02. wurde im Foyer der Kaiserlichen Hofburg Innsbruck eine Ausstellung mit Bildern von KünstlerInnen der Art Brut-Szene Österreichs eröffnet. Das Projekt "Kunst von Innen - Art Brut in Österreich", das von der Kuratorin, der Kulturjournalistin und Autorin Prof. Angelica Bäumer, durch einen Auftrag vom Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten (BMeiA) entwickelt wurde, ist als Wanderausstellung konzipiert und wird in Kooperation mit dem Kulturamt der Stadt Innsbruck nun auch in Innsbruck gezeigt.

Ausstellungseröffnung
Die Ausstellung macht darauf aufmerksam, welche herausragenden künstlerischen Erfolge zu erzielen sind, wenn behinderte aber begabte Menschen angeregt und gefördert werden. "Kunst kommt bei jedem Künstler von Innen. Behinderte Menschen haben aber einen anderen Zugang, der nichts mit Intellekt zu tun hat. Sie vermitteln dadurch ihre Gefühle und Träume ganz unmittelbar und spontan", erläuterte Kuratorin Prof. Bäumer bei ihrer Eröffnungsrede.

"Es ist sehr wichtig, dass diese Ausstellung nun auch in Innsbruck gezeigt wird", betonte Kulturamtsleiterin Mag.a Birgit Neu. "Diese Ausstellung repräsentiert die große Bandbreite Innsbrucks als Kunst- und Kulturstadt", so Stadträtin Mag.a Oppitz-Plörer in ihren Grußworten. "Diese Art von Kunst hat einen hohen Stellenwert für die das Zusammenleben in der Stadt. Ich hoffe, dass die Besucherinnen und Besucher die Emotionen und Empfindungen, die sie beim Betrachten der Bilder haben, mitnehmen und nach außen tragen."

Zur Eröffnung in der Kaiserlichen Hofburg kamen unter anderem Kuratorin Prof. Angelica Bäumer, der aus Wien angereiste Burghauptmann DI Wolfgang Beer, die Stadträtinnen Mag.a Christine Oppitz-Plörer, und Mag.a Uschi Schwarzl, Gemeinderätin Mag.a Ulli Schindl-Helldrich und Kulturamtsleiterin Mag.a Birgit Neu sowie zahlreiche KünstlerInnen. Eine Gebärdendolmetscherin übersetzte die Begrüßungsreden simultan.

Erstmals österreichweite Ausstellung
Viele Ateliers der psychosozialen Heime veranstalteten zuvor zwar schon Ausstellungen im In- und Ausland und etliche KünstlerInnen erhielten bereits internationale Preise - zuletzt waren in der Endauswahl zum EUWARD, dem europäischen Preis für KünstlerInnen mit Behinderung, fünf ÖsterreicherInnen vertreten. Diese Ausstellung ist aber die erste, die KünstlerInnen aus allen Bundesländern zeigt und damit die Vielfalt der Außenseiter- oder Art Brut-Szene vorstellt.

Für die Auswahl aus hunderten von Bildern standen der Kuratorin die Künstler Arnulf Rainer und Peter Pongratz, sowie der Kulturwissenschaftler Peter Gorsen beratend zur Seite. Alle drei sind Fachleute, die sich seit den 1960er Jahren nicht nur intensiv mit der Arbeit der AußenseiterInnen befassen, sondern auch Sammler dieser Kunst sind.

Die Wanderausstellung mit Werken österreichischer KünstlerInnen wird weltweit gezeigt. Die Schau in Innsbruck zeigt mit Arbeiten von 50 KünstlerInnen einen Querschnitt aus 26 Ateliers von Sozialeinrichtungen aus allen Bundesländern und gibt damit einen Einblick in ein interessantes und höchst aktuelles Thema der zeitgenössischen Kunst. Wobei die Kuratorin bei der Innsbrucker Ausstellung einen besonderen Schwerpunkt auf Tiroler KünstlerInnen gelegt hat.

Geschichte der Art Brut
Ausgehend aus den Erfahrungen und Erkenntnissen des Psychiaters Leo Navratil in den frühen 1960er Jahren und den Entwicklungen im von Navratil 1981 gegründeten "Haus der Künstler" in Gugging, und seit die dort entstandenen Arbeiten als "Kunst" erkannt wurden, haben auch andere Institute ihre KlientInnen aufgefordert zu zeichnen und zu malen. Dabei wurden beachtliche Begabungen entdeckt und durch professionelle Betreuung in Ateliers und Werkstätten gefördert.

Jean Dubuffet hat "Art Brut" als Kunst jener Menschen definiert, denen aufgrund einer unheilbaren psychischen Krankheit der Zugang zu Intellekt und Analyse fehlt, deren künstlerischen Begabung aber durch Anregung und Förderung geweckt wurden und deren "Genie" offenbar geworden ist.

Ein Katalogbuch, das im Holzhausen Verlag, Wien, erschienen ist, befasst sich in Bild und Text (480 Seiten, 400 Abbildungen) auch mit der Geschichte der Art Brut und stellt die österreichische Szene in einen internationalen Kontext.

Öffnungszeiten
Die Ausstellung im Foyer der Kaiserlichen Hofburg Innsbruck, Rennweg 1 (Eingang Hofgasse) ist vom 9. Februar - 2. März von 9 - 17 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet.
 
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