Stadtplanung am Roulettetisch  

erstellt am
26. 03. 08

Wien (tu) - Wie ein runder Tisch mit farbigen Bausteinen die kooperative Stadtplanung unterstützt zeigt eine Forschungsgruppe von InformatikerInnen der Technischen Universität (TU) Wien. Ihr "ColorTable" macht Veränderungen im Stadtgebiet im Sinne einer Mixed-Reality- Applikation visualisierbar und diskutierbar. Die am Tisch entworfenen Szenen sind die Grundlage für fotografische Panoramaaufnahmen, die auf Zeltwände projiziert werden und die virtuelle Stadtplanung vorantreiben.

Ein Anwendungsbeispiel des Forschungsprojektes IPCity beschäftigte sich mit dem Wiener Brunnenmarkt und den verschiedenen Nutzungsansprüchen der AnrainerInnen und MarktbereiberInnen. Der sogenannte "ColorTable" ermöglicht es für mehrere Parteien gleichzeitig, wie zum Beispiel StadtplanerInnen, betroffene BürgerInnen vor Ort und PolitikerInnen visuelle Szenen zu komponieren. "Mit dem 'ColorTable' kann gemischte Realität veranschaulicht werden und ein geplantes Bauprojekt diskutiert, verändert oder überlagert werden. Verschiedene Ideen können so entstehen und die Applikation ist sehr kollaborationsunterstützend. Mehrere Leute debattieren, platzieren mit Hilfe der farbigen Tokens (Bausteine) Inhalte und verschieben sie, bis ein gemeinsames Modell entsteht", erläutert Professorin Ina Wagner vom Institut für Gestaltungs- und Wirkungsforschung der TU Wien.

Der "ColorTable" funktioniert als "Tangible User Interface". Der runde Tisch kann gedreht werden, den farbigen Tokens in Zylinderform wurden Inhalte, wie Gebäude, Sound, Bilder, Texturen in Form von Steinen oder Gras zugeordnet. Jede einzelne Farbe repräsentiert ein anderes Material. Die Farben werden über Algorithmen erkannt. Um den Tokens bestimmte Files zuordnen zu können, verwendeten die Forscherinnen Strichcodes und ein Lesegerät. Jedes Mal wenn ein Token manipuliert wird, beispielsweise durch Einlesen eines Strichcodes, ändert sich die perspektivische Ansicht. Auf dem Tisch selbst befindet sich jener Teil eines Stadt- oder Flächenplanes, den es zu gestalten gilt. Projektmitarbeiterin Valerie Maquil erklärt: "Unsere UserInnen haben sich in partizipativen Workshops mit der Planung eines neuen zentralen Gerichtsgebäudes sowie von Wohnblocks in der Nähe der Grande Bibliothèque in Paris, auseinandergesetzt."

Für die Projektionen möchten die WissenschafterInnen in Zusammenarbeit mit der TU Graz auch ein Zelt entwickeln, das am Ort der Planungsmaßnahmen aufgestellt werden kann. Ziel ist es fotografische Panoramaaufnahmen oder Videos an die Zeltwände zu projizieren. Das Projekt IPCITY ist ein EU-Projekt innerhalb des 6. Rahmenprogramms. Die Laufzeit beträgt vier Jahre und begann im Jänner 2006. Neben der TU Graz ist auch die Universität für angewandte Kunst Wien am Projekt beteiligt.
 
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