VCÖ-Untersuchung: In Wien mehr mit Öffis als mit Auto unterwegs   

erstellt am
02. 04. 08

VCÖ: Erstmals Rückgang bei Pkw-Zulassungen - VCÖ, Stadt Wien und ÖBB starten Mobilitätspreis "verkehr 2020"
Wien (rk) - Wien hat beim Verkehr die Trendwende geschafft, wie eine aktuelle VCÖ- Untersuchung zeigt. Erstmals in der Geschichte ist im Vorjahr die Zahl der Pkw zurückgegangen. Zudem legen die Wienerinnen und Wiener mehr Wege mit den Öffis zurück als mit dem Pkw. Im Vergleich zum Jahr 1995 hat der Straßenverkehr jedoch deutlich zugenommen. Der VCÖ hat am 02.04. gemeinsam mit Stadtrat Rudi Schicker und den ÖBB den Mobilitätspreis "verkehr 2020" gestartet.

"Wien ist anders. Und das zeigt sich auch beim Personenverkehr sehr deutlich. Wien ist das einzige Bundesland und die einzige Landeshauptstadt, wo mehr Wege mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt werden als mit dem Auto. Wien ist auch das einzige Bundesland, das bei den Pkw-Zulassungen die Trendwende geschafft hat. Erstmals ist im Vorjahr die Zahl der Pkw zurückgegangen. Wien ist am richtigen Weg, es sind aber noch zahlreiche Schritte zu setzen, damit die Verkehrsprobleme verringert werden", fasst VCÖ-Experte Martin Blum die aktuelle VCÖ-Untersuchung zusammen.

Die Ergebnisse der VCÖ-Untersuchung im Detail: Die Wienerinnen und Wiener legen bereits 35 Prozent ihrer Alltagswege mit Öffentlichen Verkehrsmitteln, zurück. Im Jahr 1995 waren es lediglich 32 Prozent. Einzigartig in Österreich ist, dass mehr Wege mit Öffentlichen Verkehrsmitteln als mit dem Auto zurückgelegt werden. Der Anteil der Autofahrten am Modal Split ist heute mit 34 Prozent gleich hoch wie im Jahr 1995. "Die Wienerinnen und Wiener nutzen zunehmend die Öffis. Das entlastet die Straßen, vermeidet Staus und sorgt für eine bessere Luft", weist VCÖ-Experte Blum auf die Folgen des veränderten Mobilitätsverhalten der Wienerinnen und Wiener hin.

Die vermehrte Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel zeigt sich auch in den Fahrgastzahlen der Wiener Linien: Diese sind von 687,5 Millionen im Jahr 1995 auf 772,1 Millionen Fahrgäste im Jahr 2006 gestiegen. Einen Rückgang im wahrsten Sinn des Wortes gibt es bei den zu Fuß zurückgelegten Wegen. Im Jahr 1995 wurden noch 33 Prozent der Wege gegangen, heute sind es nur mehr 27 Prozent. "Gleichzeitig treten die Wienerinnen und Wiener immer häufiger in die Pedale. Gerade in der Stadt ist das Fahrrad das ideale Verkehrsmittel. Schnell, gesund und sauber. Das Fahrrad ist derzeit das Verkehrsmittel, das voll im Trend liegt", betont Blum.

VCÖ: Sensation bei den Pkw-Zulassungen in Wien
Dass sich das Mobilitätsverhalten der Wienerinnen und Wiener geändert hat, zeigt sich auch bei den Autozulassungszahlen. Im Vorjahr ist die Zahl der Pkw in Wien erstmals in der Geschichte tatsächlich zurückgegangen, von 658.100 auf 657.430. "Wer vor fünf Jahren gesagt hätte, dass in Wien trotz wachsender Bevölkerung die Zahl der Autos zurückgeht, wäre genauso ungläubig angesehen worden, wie jene, die heute sagen: Österreich wird im Juni Europameister", so Blum.

"Diese Trendwende spiegeln auch die aktuellen Verkehrszahlen für Wien wider: so ist das motorisierte Verkehrsaufkommen innerhalb des Gürtels und auch auf der Wiener Gürtelstraße selbst zwischen den Jahren 2004 und 2006 um 3,7 % zurückgegangen", zeigt sich Stadtrat Schicker zufrieden über den Erfolg der Wiener Verkehrspolitik.

Positiv ist auch die Entwicklung bei der Verkehrssicherheit. Die Zahl der Verkehrstoten ist in Wien seit dem Jahr 1995 um 36 Prozent zurückgegangen, die Zahl der Verkehrsunfälle ist seit dem Jahr 2005 immerhin um neun Prozent zurückgegangen.

Weitere Schritte sind zu setzen
"Die Zahlen belegen: wir sind am richtigen Weg, nichts desto trotz ist noch eine Menge zu tun", betont Stadtrat Schicker und ergänzt: "Zunehmend wichtig werden Maßnahmen, die allen jenen Menschen, die täglich zur Arbeit nach Wien kommen, den Umstieg auf den Umweltverbund erleichtern. Denn bei den Einpendlerinnen und Einpendlern ist der Anteil der Autofahrten noch besonders hoch."

Die VCÖ-Untersuchung, die die Verkehrsentwicklung seit dem Jahr 1995 in Wien, genauer unter die Lupe nimmt, belegt das. So ist der Straßenverkehr auf den Stadtautobahnen gestiegen. Während im Jahr 1998 (keine Daten für 1995) 13.179 Lkw pro Werktag auf der Wiener Praterbrücke unterwegs waren, waren es im Vorjahr bereits mehr als 17.700. Noch stärker zugenommen hat der Lkw-Verkehr im Kaisermühlentunnel - von 9.972 im Jahr 1995 auf 15.310 im Jahr 2007.

"Wien ist durch die EU-Erweiterung vom Osten ins Zentrum der EU gerückt. Der Güterverkehr auf der Straße zwischen Ost und West hat deutlich zugenommen und das ist auch in Wien sichtbar. Die große Herausforderung für die Zukunft wird sein, das Wachstum des Lkw-Verkehrs zu verringern. Dafür braucht es neben einer besseren Logistik, um etwa Leerfahrten zu vermeiden, vor allem auch mehr Kostenwahrheit auf der Straße und den stärkeren Ausbau der Schiene", so Blum weiter.

In Wien befindet sich auch die am meisten befahrene Straße Österreichs. Auf der A23 bei der Praterbrücke waren im Vorjahr jeden Werktag 188.270 Kfz unterwegs. "Das sind doppelt so viele wie im Jahr 1989 als 93.800 Pkw und Lkw täglich auf der Praterbrücke unterwegs waren", weist VCÖ-Experte Blum auf die enorme Verkehrszunahme hin. Auf der A22 beim Kaisermühlentunnel gibt es die zweitstärkste Belastung mit 112.000 Kfz pro Tag.

Eine Ursache für diese Zunahme ist auch der wachsende Pendlerverkehr. Der VCÖ weist darauf hin, dass eine stärkere Verlagerung des Pendlerverkehrs vom Auto auf Öffentliche Verkehrsmittel die Lebensqualität für Wiens Bevölkerung hebt.

Die Zunahme des Lkw-Verkehrs und des Autopendlerverkehrs schlägt sich auch in der Klimabilanz Wiens nieder. Die CO2- Emissionen des Verkehrs sind laut Umweltbundesamt von rund 2,2 Millionen Tonnen im Jahr 1995 auf rund 3,5 Millionen Tonnen im Jahr 2005 gestiegen. Während die Emissionen des Verkehrs um 58 Prozent zunahmen, verzeichnen die anderen Sektoren gemeinsam einen Anstieg von 12,4 Prozent, wie die VCÖ-Untersuchung zeigt. Die CO2- Emissionen des Verkehrs sind damit fast fünf Mal so stark gestiegen wie die anderen Sektoren.

VCÖ, Stadt Wien und ÖBB starten Mobilitätspreis "verkehr 2020"
"Das Verkehrswachstum auf der Straße ist kein Naturgesetz. Im Gegenteil, dank des vorhandenen Know-Hows, den technischen Möglichkeiten und dem wachsenden Bewusstsein ist eine Trendwende bis zum Jahr 2020 mit mehr Mobilität der Menschen und geringerer Verkehrsbelastung realistisch. Die Ziele des VCÖ sind weniger Staus, weniger Lärm und eine bessere Luftqualität. Der diesjährige VCÖ-Mobilitätspreis möchte zeigen, dass dies möglich ist", stellt fest.

"verkehr 2020. denken.handeln.bewegen" lautet das Motto des diesjährigen Mobilitätspreis Wien. Gesucht sind innovative Verkehrsprojekte, die schon heute zeigen, dass der Verkehr in Wien im Jahr 2020 staufreier, gesünder und umweltfreundlicher sein kann. Der Mobilitätspreis Wien "verkehr 2020" wird vom VCÖ gemeinsam mit der Stadt Wien in Kooperation mit den ÖBB, dem Verkehrsministerium und dem Lebensministerium durchgeführt.

"Beim VCÖ-Mobilitätspreis können Bezirke mitmachen, die erreicht haben, dass mehr Alltagswege zu Fuß oder per Fahrrad zurückgelegt werden. Oder Betriebe, die ihren Gütertransport umweltfreundlicher abwickeln. Oder Schulen und Universitäten, die mit zukunftsweisenden Konzepten oder Mobilitätsplänen ihr Verkehrsverhalten verbessert haben. Auch das Thema Barrierefreiheit wird angesichts der stark wachsenden Zahl älterer Menschen in unserer Gesellschaft an Bedeutung gewinnen", nennt Blum einige Beispiele. Auch technische Innovationen von Wiener Unternehmen, die Staus auf den Straßen verringern, können beim VCÖ-Mobilitätspreis eingereicht werden.

"In Wien gibt es viele gute und innovative Lösungen, die dazu beitragen, dass zu Fuß gehen, Radfahren oder die öffentlichen Verkehrsmittel noch attraktiver werden und das eigene Auto für die täglichen Wege in der Stadt für noch mehr Menschen kein Thema mehr ist. Der Mobilitätspreis ermöglicht, diese positiven Beispiele für mehr Verkehrssicherheit und mehr Lebensqualität vor den Vorhang zu stellen", schließt Schicker.

Am VCÖ-Mobilitätspreis Wien können Bezirke, Betriebe, Unternehmen, Fahrschulen, Organisationen sowie Schulen und Universitäten mit umgesetzten Projekten teilnehmen. Für Privatpersonen gibt es einen eigenen Ideenwettbewerb.

Chance auf zwei Auszeichnungen

Wer beim VCÖ-Moblitätspreis ein Projekt einreicht, hat die Chance auf zwei Auszeichnungen: VCÖ, Stadtrat Rudi Schicker und ÖBB überreichen im September an das beste Wiener Projekt den Wiener Mobilitätspreis. Und dieses hat die Chance auch zum besten Projekt Österreichs gekürt werden. Der Österreich-Sieger wird von Verkehrsminister Werner Faymann, Umweltminister Josef Pröll, den ÖBB und dem VCÖ ausgezeichnet. Die Einreichunterlagen sind direkt im Internet unter http://www.vcoe.at erhältlich. Einreichschluss ist der 30. Juni 2008.
 
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