Wiener Karlskirche: Neue "Insel der Stille" mit Gegenwartskunst   

erstellt am
25. 04. 08

Werke im rechten Glockenturm des Barockbaujuwels stammen aus dem Stift Admont und der Sammlung Sammer
Wien (pew) - Die Wiener Karlskirche bietet Besuchern ab 25. April eine mit hochkarätiger Gegenwartskunst ausgestattete "Insel der Stille". Die am Donnerstag den Medien präsentierten Werke im "Museo Nuevo" im rechten Glockenturm des barocken Baujuwels stammen aus der Sammlung des Stiftes Admont und der Sammlung des Bischofsvikars der Militärdiözese, Msgr. Alfred Sammer. Georg Gaudernak, der Präsident des Vereins der Freunde und Gönner der Wiener Karlskirche, kam - wie er berichtete - bei einem Besuch im obersteirischen Stift auf die Idee, die dortige Sammlung von Gegenwartskunst für eine neue Attraktion im bedeutendsten barocken Sakralbau von Wien zu nutzen.

Gemeinsam mit dem Kurator des Stiftes Admont, Michael Braunsteiner, traf er eine Auswahl aus der seit 1997 im Aufbau befindlichen, bereits mehr als 350 Werke umfassenden Sammlung der Abtei. Die vorerst bis Herbst ausgestellten Werke von Erwin Bohatsch, Rudi Molacek, Gerwald Rockenschaub, Robert Schaberl, Thomas Reinhold und Otto Zitko bilden einen reizvollen Kontrast zum barocken Ambiente der Karlskirche und laden "aufnahmefähige Rezipienten" zum Verweilen und Nachdenken ein, sagte Gaudernak.

Das 1074 gegründete Stift Admont ist nach den Worten von Abt Bruno Hubl "immer ein Kulturträger gewesen", vor allem in der Barockzeit, in der die kürzlich prachtvoll sanierte, weltweit größte Klosterbibliothek entstand. Nach Phasen wirtschaftlicher Dürre und der Enteignung durch die Nationalsozialisten 1939 sei jetzt erneut eine Zeit kultureller Blüte angebrochen. Seit 2003 biete ein neues Großmuseum im Stift Admont - die "Museumslandschaft" - Kunst vom Mittelalter bis zur Gegenwart, eine bedeutende naturhistorische Sammlung, Sonderausstellungen und "Überraschungen" nach dem Motto "Erwarte das Unerwartete". Die Gegenwartskunst widerspiegle wie ein "Seismograph" Zeitströmungen, daher müsse man sich ihr öffnen. Die Auseinandersetzung mit - oft gar nicht gläubigen - Künstlern entspreche dem christlichen Verkündigungsauftrag in die je vorfindliche Zeit, so Hubl. Die Präsenz in Wien verstehe man auch als Einladung ins Admonter Stiftsmuseum.

"Weltweit führend bei Kunstförderung"

Kurator Braunsteiner erläuterte die gezielte Förderung des Stiftes von zeitgenössischer Kunst, bei der Admont "weltweit führend" sei. Mit einem jährlichen Budget von mindestens 210.000 Euro würden sowohl Neuerwerbungen in Galerien und Ateliers getätigt als auch in einem eigenen "Made for Admont"-Programm Kunstschaffende in das Stift eingeladen und beauftragt. Diese entwickelten dann ortsspezifische Kunstwerke, darunter auch gezielt für blinde Menschen konzipierte für die Ausstellungsschiene "Kunst zum Begreifen", so Braunsteiner. Auf großen Zuspruch stoße z.B. "der unsichtbare Garten", ein Kunstobjekt von Johannes Deutsch, bei dem blinde Menschen Sehende führen und ihnen ganz neue Sinneseindrücke zugänglich machen. Das Konzept bewähre sich, berichtete der Kurator: Von Jahr zu Jahr seien Besucherzuwächse von 15 bis 20 Prozent zu verzeichnen; im Vorjahr kamen 70.000 Interessierte in die Museumslandschaft des Stiftes.

Ein eigener kleiner Raum des "Museo Nuevo" in der Karlskirche ist Werken bekannter Künstler wie Oskar Kokoschka, Ernst Fuchs, Arnulf Rainer oder Herrmann Nitsch aus der Sammlung von Msgr. Sammer gewidmet. Sammer wies bei dem Pressegespräch auf die gleichen Ursprünge von "Kultur" und "Kultus" hin und betonte, dass auch solche Künstler von der Religion beeinflusst seien, die dies gar nicht zugäben. Heute sei Kunst ein Spiegelbild einer pluralistischen Gesellschaft. Die Karlskirche ist laut Sammer auch deswegen ein passender Ausstellungsort, weil ihr Architekt Fischer von Erlach verschiedenste kulturelle und baugeschichtliche Einflüsse aufnahm und verarbeitete.

Bei der Pressekonferenz wurde auch auf die bevorstehende feierliche Wiedereröffnung der restaurierten Admonter Stiftsbibliothek am 31. Mai verwiesen sowie auf die TV-Dokumentation "Admont - Universum im Kloster", die zu Fronleichnam (22. Mai) um 9.35 Uhr in ORF 2 ausgestrahlt wird, auf 3-Sat bereits am 14. Mai im Hauptabendprogramm.
 
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