"Grüne Offensive" soll Österreichs Landwirtschaft auf Herausforderungen der Zukunft vorbereiten  

erstellt am
25. 04. 08

Start des Diskussionsprozesses zur Neupositionierung von Betrieben und Politik
Wien (bmlfuw) - Die Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft ändern sich. Neue Themen – wie steigende Lebensmittelpreise, die Bekämpfung von Hungersnöten und der Einsatz von Bio-Treibstoffen für den Klimaschutz – werden weltweit kontrovers diskutiert. „Die Herausforderungen für die Landwirtschaft werden in Zukunft noch größer. Wir müssen unsere Betriebe und unsere Politik daher entsprechend neu positionieren und vorbereiten auf die Zukunft“, so Landwirtschaftsminister Josef Pröll am 25.04. in Enns (O.Ö.) beim Start des Diskussionsprozesses „Grüne Offensive – Unser Weg für eine starke Landwirtschaft“.
„Wir müssen Antworten auf wichtige Zukunftsfragen der Landwirtschaft finden. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für den Start der Diskussion“, so Pröll weiter. Die Rahmenbedingungen sind für einen relativ langen Zeitraum (bis 2013) fixiert: Bei der Ländlichen Entwicklung gibt der Grüne Pakt bis 2013 Sicherheit und da der Health Check keine Totalreform wird, steht auf europäischer Ebene die Gemeinsame Agrarpolitik bis 2013 auf starken Säulen. „Jetzt ist genau der richtige Zeitpunkt, um in einen Diskussions- und Zielfindungsprozess einzusteigen, was wir unter dem Motto: „Grüne Offensive - Unser Weg für eine starke Landwirtschaft“ tun wollen“, so Landwirtschaftsminister Josef Pröll.

Es geht um die Erarbeitung einer strategischen Grundlage für die Neupositionierung der landwirtschaftlichen Produktion. Der Diskussionsprozess soll abgekoppelt von der Tagespolitik und der Interessenspolitik geführt werden und so Orientierung für die Land- und Forstwirtschaft geben, fachspezifische Sektorenüberlegungen anstellen und die Basis für künftige politische Positionierungen sein.

In der inhaltlichen Ausrichtung sollen Landwirtschaft und Produktion im Mittelpunkt stehen. Dabei geht es um das Ausloten neuer Chancen für die Landwirtschaft und den Umgang mit gesellschaftspolitischen Fragestellungen und es soll über Märkte und die Wünsche der KonsumentInnen nachgedacht werden. „Wenn wir die Bäuerliche Landwirtschaft als dynamische Zukunftswirtschaft etablieren wollen, müssen wir die ökologische, ökonomische und sozialpolitische Dimension mitdenken. Wir müssen uns Gedanken machen über die Frauen, über JungübernehmerInnen, über die bäuerliche Jugend in der Landwirtschaft und über die Lebensqualität im Ländlichen Raum“, skizzierte Pröll die Stoßrichtung.

Die „Grüne Offensive“ darf aber nicht „nur“ ein Diskussionsprozess bleiben. Am Ende sollen konkrete Branchenkonzepte und Aktionsprogramme für alle wichtigen Bereiche stehen. Dieser offene Prozess mit Experten aus den Interessensvertretungen, aus der Wissenschaft, mit Menschen außerhalb der Landwirtschaft, mit MarktpartnerInnen, mit SchülerInnen und Studierenden, vor allem aber mit den Bäuerinnen und Bauern ist auf etwa ein Jahr angelegt. Die Ergebnisse sollen offen diskutiert und dann umgesetzt werden und den politischen Weg für die nächsten Jahre vorgeben.

Arbeitskreise behandeln fünf Schwerpunktthemen

Der Arbeitskreis „Produktion und Wettbewerbsfähigkeit“ wird vom Wiener Landwirtschaftskammerpräsidenten Franz Windisch geleitet. Vorrangiges Ziel ist eine Neuausrichtung der Primärproduktion und der bäuerlichen Betriebe. Es sollen Potenziale besser genutzt, Kosten gesenkt und naturnah und effizient produziert werden. Kooperationen innerhalb der Landwirtschaft sollen gestärkt werden.

Der Arbeitskreis „Markt und Wertschöpfung“ wird vom Präsidenten der Rübenbauern, Ernst Karpfinger, geleitet. Vorrangiges Ziel ist es, Chancen, notwendige Neuausrichtungen, neue Märkte im vor- und nachgelagerten Bereich und Marktperspektiven auszuloten. Es geht um neue Chancen der Regionalität für bäuerliche Direktvermarkter, um regionale Herkunft von Lebensmitteln und um Kooperationen mit Partnern auf regionaler Ebene.

Der Arbeitskreis „Bäuerin und Unternehmerin“ wird von der Bundesobfrau der Jungbauernschaft, Elisabeth Köstinger, geleitet. Hier geht es um die neue Rolle der Frau in der Landwirtschaft: am Hof, im bäuerlichen Umfeld, als Unternehmerin und in der Politik.
Der Arbeitskreis „Jungübernehmerinnen und Jungübernehmer“ wird vom Präsidenten der Landwirtschaftskammer Tirol, Josef Hechenberger, geleitet. Es handelt sich dabei um eine der zentralen Gruppen, denn hier geht es um die nächste Generation.

Der Arbeitskreis „Konsumenten und Medien“ wird von einer aktiven Bäuerin und Erwachsenenbildnerin, Bernadette Tischler, geleitet. Neue Wege der Kommunikation in der Landwirtschaft sind notwendig. Vorrangiges Ziel ist eine agrarische Vernetzung der Medien.

„Wir müssen eine breite Diskussion über die Zukunft unserer Landwirtschaft führen. Wir wollen die bäuerliche Landwirtschaft als dynamische Zukunftswirtschaft etablieren, so Pröll. „Wir müssen aber auch Antworten auf aktuelle Fragestellungen finden. Insbesondere nachdenken müssen wir über eine leistbare Lebensmittelversorgung, über prognostizierte Hungerkrisen in der Welt und über die Rolle von Bio-Treibstoffen“, so Pröll zu aktuellen agrarischen Themen.

„Österreich kann seine Bevölkerung ernähren und gleichzeitig die Biosprit-Produktion sicherstellen. Das Ziel der Biospritbeimischung von 10 Prozent ist insbesondere durch die Freigabe von Stilllegungsflächen machbar. Europa sollte bei der Biospritproduktion auf europäische Flächen setzen und auf Importe verzichten. Wir dürfen keinen Beitrag zum Hunger in der Welt leisten, auch nicht, um die eigene Energiesituation zu verbessern und Klimaziele zu erreichen. Die Biotreibstoffproduktion und insbesondere die Beimischungsziele sind auf die europäische Produktionsleistung der Landwirtschaft und auf das Prinzip „Lebensmittel zuerst“ abzustimmen. Eine klare Absage soll der Spekulation mit agrarischen Rohstoffen erteilt werden. Ein ebenso klares Bekenntnis muss es zur regionalen Lebensmittelproduktion geben. Jede Region dieser Erde muss die eigene Lebensmittelversorgung sicherstellen, so Pröll abschließend.
 
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