Am Schwarzmarkt der Kulturen   

erstellt am
22. 04. 08

Wien (tu) - Drei riesige informelle Märkte in Moskau, Istanbul und Bosnien (Brcko) untersuchte Professor Peter Mörtenböck vom Institut für Kunst und Gestaltung der TU Wien gemeinsam mit seinem Forscherkollegen Helge Mooshammer vom IFK (Internationales Forschungszentrum Kulturwissenschaften) im Rahmen eines seit 2005 laufenden EU-Projektes mit dem Titel "Networked Cultures". "Verschiedenste Kunstinitiativen spiegeln die kulturelle Transformation in Europa, die durch Krisenherde, Migration, neue Mobilitäten und Ökonomien verursacht wird, wieder. Denkt man an Schauplätze wie den Kosovo, Bosnien, Istanbul zwischen Europa und Asien, Russland, so wird klar, dass neue Raumformen zwischen unterschiedlichen Regionen entstehen. Diese Räume sind aber in erster Linie nicht nur geographische Gebiete, sondern sie haben auch imaginäre und symbolische Grenzen, die speziell durch Kunst erfahrbar gemacht werden", erklärt Peter Mörtenböck. Netzwerke, die zwischen diesen Kunst- und Architekturaktivitäten geknüpft werden, sind Vermittler und Operationsfeld in einer wuchernden und globalen Verstrickung von Personen, Orten und Interessen.

Ein Buch das unter dem gleichnamigen Titel "Networked Cultures" am 17. April in Bregenz erstmals vorgestellt wurde, entstand in Zusammenarbeit mit dem Niederländischen Architekturinstitut (NAI) und dem Goldsmiths College der Universität London und fasst anhand von ausgewählten Projekten, die die kulturellen Netzwerke zu einer Landkarte über Europa bündeln, kulturelle Dynamiken am Kontinent anhand von vier Thesen zusammen. Rund 50 Interviews mit Kollektiven und Einzelpersonen, die im Kunst- und Architekturbereich operieren, Kuratoren, Theoretikern und Aktivisten, behandeln unter anderem die Fragen, "wie sieht informelle Organisation in Europa aus?" und "welche Formen von kultureller Interaktion entstehen in einer solchen neuen Produktionsweise von Raum, Politik und Wissen?" Mörtenböck: "Märkte wie der Cherkizovsky in Moskau, der in der Gorbatschow-Ära gegründet wurde, entstanden ohne größere legale Strukturen. Kunstprojekte greifen nun in diese Schauplätze ein. Diese illegalen Aktivitäten wie auch das Bauen von illegalen Siedlungen (als Beispiel hunderte Roma-Siedlungen rund um Belgrad) finden über die Kunst einen Niederschlag in der Öffentlichkeit. Kunst macht diese Aktivitäten, die eine Gesellschaft am Leben erhalten, transparent und trägt zum Verständnis einer neuen sich ständig ändernden Weltordnung bei."

Aus dem Projekt, das noch bis 2009 weiterläuft und in Städten wie New York, Toronto, Berlin, London, Istanbul, Moskau, Belgrad oder Rio de Janeiro gezeigt werden wird, geht auch bereits eine Homepage als Kooperationsplattform und Sammelpunkt der mittlerweile weit über 1000 Kunst- und Architekturiniativen hervor. http://www.networkedcultures.org
 
zurück