Schlechtes Abschneiden der Frauen beim EMS-Test  

erstellt am
21. 05. 08

 Hahn: "Bessere Vorbereitung auf EMS-Test, gendersensibler Unterricht"
Maßnahmen gegen das schlechte Abschneiden der Frauen beim EMS-Test
Wien (bmwf) - Wissenschaftsminister Johannes Hahn und die Medizinuniversitäten setzten bereits Maßnahmen um die Studentinnen und Studenten für den kommenden EMS-Test am 4. Juli optimal zu rüsten. Mit 50.000 Euro unterstützt das BMWF die Universitäten zur Vorbereitung des Tests und Werbung an Schulen. Neben einem Testlauf für 600 EMS-Kandidat/innen in Wien gab es außerdem über 1000 mündliche EMS-Beratungsgespräche, zahlreiche Veranstaltungen an Schulen, sowie Workshops mit Lehrervereinigungen, um eine optimale Testvorbereitung zu erreichen.

„Langfristig muss man in der Schule und bei der Lehrerausbildung ansetzen, um dem Phänomen ´unterschiedlicher Benotung´ in der Schule auf den Grund zu gehen. Die Bildungspolitik muss sich mit den Ergebnissen der neuesten Analyse auseinandersetzen, denn diese Erkenntnisse sind es die zur Diskussion stehen müssen“, sieht Wissenschaftsminister Johannes Hahn akuten Handlungsbedarf aufgrund der festgestellten Unterschiede bei Männern und Frauen beim EMS-Test.

Deutlich mehr Männer bestehen den EMS-Test als Frauen. Ursachen dafür zeichnen sich vor allem bei der unterschiedlichen Benotung von Burschen und Mädchen in der Schule ab. Das zeigt eine Analyse der Auswahlverfahren für das Medizinstudium von Bildungspsychologin Christiane Spiel: Mädchen bekommen die besseren Noten in der Schule, und zwar auch für gutes Benehmen und nicht nur für die schulische Leitung. Mädchen werden im Gegensatz zu den Burschen gerade in Mathematik und Naturwissenschaften weniger gefordert. Beim EMS-Test, bei dem Naturwissenschaften im Zentrum stehen, führt dieser „Gender-Gap“ schließlich dazu, dass Frauen schlechter abschneiden als Männer.

Für Wissenschaftsminister Hahn ist es deshalb wichtig verpflichtende Module zu Genderfragen nicht nur in der Grundausbildung, sondern auch in der Aus- und Fortbildung einzuführen. „Man muss sich ansehen welche Rollenbilder bewusst oder unbewusst weitergetragen werden“, so der Wissenschaftsminister.

Als weitere langfristige Maßnahmen soll vor allem an der raschen Umsetzung der Bildungsstandards für bessere Rückmeldungen an Lehrende und Schülerinnen und Schüler gearbeitet werden. Vor allem aber soll in die Aus- und Fortbildung von Kindergärtner/innen und Lehrer/innen Module zu Gendersensibilität und sozialer Chancengleichheit investiert werden.

 

Bures: Faires Aufnahmeverfahren sicherstellen
Gender-Sensibilität an den Schulen verstärken
Wien (bpd) - Frauenministerin Doris Bures ist froh, dass nun endlich die Studie der Psychologin Prof. Spiel über das schlechte Abschneiden von Frauen beim EMS-Test für MedizinstudentInnen vorliegt: "Wir wissen nun über die Ursachen des schlechteren Abschneidens von Frauen Bescheid und müssen das Problem an der Wurzel packen." Bures fordert neben einer stärkeren Gender-Sensibilisierung an den Schulen außerdem als unmittelbare und sofortige Maßnahme ein "faires Aufnahmeverfahren, das Mädchen und Burschen die gleichen Chancen auf ein Medizinstudium gibt". Die Tests müssten nun rasch überarbeitet werden. "Es darf nicht sein, dass Frauen aufgrund von fragwürdigen Aufnahmeverfahren der Zugang zu einem Studium verwehrt wird", so Bures.

Gleichzeitig müsste in den Schulen verstärkt auf Gender-Sensibilität gesetzt werden. Bures begrüßt deshalb die entsprechenden Schwerpunktsetzungen von Unterrichtsministerin Claudia Schmied für stärkere Gender-Sensibilisierung bei der LehrerInnenaus- und -fortbildung sowie Projekte, um Mädchen verstärkt für technische und naturwissenschaftliche Fächer zu begeistern.

Bures bekräftigt außerdem, dass Österreich "mehr Frauen an den Universitäten" brauche und man an vielen Ebenen ansetzen müsse - von den diskriminierenden Aufnahmeverfahren bis hin zur Bestellung der Uniräte. Mit der vereinbarten Frauenquote von 40 Prozent in allen zu nominierenden Gremien in der geplanten Novelle zum Universitätsgesetz sei hier bereits ein großer Fortschritt erzielt worden. "Es gibt zwei gute Gründe für die volle Chancengleichheit an den Universitäten: Erstens ist es aus Gründen der Fairness höchst an der Zeit, dass Frauen dieselben Chancen erhalten wie Männer. Und zweitens werden wir im internationalen Wettbewerb nur dann mithalten können, wenn auch das Potential der Frauen voll ausgeschöpft wird."

 

 Weinzinger: Medizin-Eignungstests diskriminieren Frauen
Grüne Forderung: Eignungstests abschaffen und durch Studieneingangsphasen ersetzen
Wien (grüne) - "Der EMS-Test als Auswahlverfahren für die Zulassung zum Medizinstudium diskriminiert Frauen und ist ein klarer Rückschritt. Gerade Frauen haben früher an den Medizinuniversitäten die Mehrzahl an AbsolventInnen gestellt und hatten darüber hinaus auch noch die besseren Studienergebnisse", erklärt die Frauensprecherin der Grünen, Brigid Weinzinger. Die Studie von Christiane Spiel beweise, was seit mindestens 30 Jahren bekannt sei, dass nämlich das Schulwesen Mädchen und Buben nicht gleich behandle. Es könne nicht sein, dass die Versäumnisse der Bildungspolitik der letzten 30 Jahre den jungen Frauen die Medizin studieren wollen auf den Kopf fallen.

"Am Schulwesen hat sich in den letzten Jahren in der Hinsicht wenig geändert, dass Mädchen in Technik und Naturwissenschaften nicht ausreichend gefördert werden. Trotzdem haben die Medizinstudentinnen immer gute Leistungen erbracht und die Mehrheit an den Universitäten gestellt. Jetzt soll das durch die Eignungstests unmöglich gemacht und die Frauen von den Medizinuniversitäten verdrängt werden, obwohl ihre Vorkenntnisse nicht schlechter sind als in den letzten Jahren", so Weinzinger.

"Die Appelle, man müsse im Bildungswesen ansetzen sind zwar richtig, aber zu wenig. Man darf sich nicht nur mit der Erklärung der unterschiedlichen Sozialisation von Mädchen und Buben in der Schule zufrieden geben. Die Grünen fordern die Abschaffung der Eignungstests. Sie sollen durch Studieneingangsphasen ersetzt werden, wo die notwendigen Kenntnisse nochmals erworben und überprüft werden können, die man für das Medizinstudium braucht", so Weinzinger abschließend.
 

Wir übernehmen hier Stellungnahmen aller im Parlament
vertretenen Parteien – sofern vorhanden! Die Redaktion

 
zurück