Österreichs Wirtschaft am Rande der Stagnation   

erstellt am
16. 07. 08

Deutlicher Rückgang des Bank Austria Konjunkturindikators im Juni – Wirtschaftswachstum fällt 2009 auf 1,2 Prozent
Wien (bank austria) - Nach einer Stabilisierungsphase zu Jahresbeginn und einem danach folgenden moderaten Abwärtstrend ist der Konjunkturindikator der Bank Austria im Juni nun deutlich nach unten abgerutscht. Der Rückgang von 2,4 im Vormonat auf einen Wert von nur noch 1,7 stellt den stärksten monatlichen Rückgang des Indikators seit mehr als fünf Jahren dar. Für das Abrutschen auf den tiefsten Wert seit dem Frühjahr 2003 sind alle Einzelkomponenten verantwortlich. Insbesondere das Vertrauen der Konsumenten in eine positive wirtschaftliche Zukunft hat sich stark eingetrübt. Doch auch die Stimmung der heimischen Industrie hat sich verschlechtert und die europäische Industrie, angeführt von den bislang kräftig expandierenden deutschen Unternehmen, hat nun an Zuversicht verloren. "Der starke Rückgang des Bank Austria Konjunkturindikators im Juni als Folge der deutlichen Eintrübung des Wirtschaftsklimas zeigt, dass sich die Konjunktur nicht allzu rasch erholen wird.", meint Stefan Bruckbauer, der stellvertretende Chefvolkswirt der Bank Austria und ergänzt, "die heimische Wirtschaft gerät noch mehr unter Druck und steht in der zweiten Jahreshälfte 2008 sogar am Rande einer Stagnation."

Verschlechtertes Umfeld belastet Unternehmen
Mehrere Faktoren sind für die wachsenden Konjunktursorgen der Ökonomen der Bank Austria verantwortlich. Vor allem haben sich die globalen Rahmenbedingungen für die österreichische Wirtschaft in den letzten Wochen abermals eingetrübt. Unverändert drücken der starke Euro und die hohen Rohstoffpreise, insbesondere von Erdöl, das Geschäftsumfeld. Zudem sind die US-Immobilienkrise und ihre Folgen noch nicht ausgestanden. Auch wenn es in Österreich vom Dezember letzten Jahres bis Mai zu keiner Verteuerung von Firmenkrediten kam und das Kreditwachstum sich sogar noch beschleunigte, werden die Negativmeldungen aus den USA und ihre Folgen für die globalen Finanzmärkte doch zur Belastung. Gemeinsam mit der verschärften Geldpolitik werden damit die Finanzierungsbedingungen für Unternehmen in Europa erschwert. In Zusammenspiel mit der konjunkturellen Abkühlung in einer Reihe großer europäischer Volkswirtschaften und insbesondere der nun auch negativen Vorzeichen in der Industrie Deutschlands, dem größten Handelspartner Österreichs, zeigt der Wachstumstrend der heimischen Wirtschaft daher klar nach unten.

Das Wirtschaftswachstum, das im ersten Quartal 2008 mit einem Plus von 0,7 Prozent noch positiv überraschte, hat sich im zweiten Quartal bereits halbiert. "In der zweiten Jahreshälfte 2008 werden die ungünstigen globalen Rahmenbedingungen Österreichs Konjunktur noch stärker zusetzen, sodass nur mit knapp positiven Wachstumsraten zu rechnen sein wird. Eine regelrechte Rezession ist allerdings wenig wahrscheinlich", meint Bruckbauer trotz der Vielzahl sich erhöhender Risiken.

Inflation bremst Konsum auch 2009
Die ungünstigen internationalen Vorgaben kann die heimische Wirtschaft derzeit nicht kompensieren. Neben den Investitionen wird sich auch der Konsum in den nächsten Monaten sehr zurückhaltend entwickeln. Die hohe Inflation frisst die nominellen Einkommenssteigerungen gänzlich weg und lässt weiterhin keine Konsumfreude aufkommen. "Nachdem der Ölpreis seine Bergfahrt nicht beendet und die Entlastung bei den Nahrungsmittelpreisen nur schleppend vor sich geht, wird der Inflationsdruck erst gegen Jahresende 2008 etwas nachlassen. Im Jahresdurchschnitt 2008 rechnen wir daher mittlerweile mit einer Teuerung um 3,4 Prozent", meint Bank Austria-Ökonom Walter Pudschedl. Preisanhebungen bei von diesen beiden Faktoren abhängigen Produkten werden die Inflation auch über den Jahreswechsel hinaus auf einem Niveau knapp um die 3-Prozent-Marke halten und damit wird der Konsum auch 2009 keine stärkeren Wachstumsimpulse für die heimische Wirtschaft setzen können. Die Ökonomen der Bank Austria erwarten auch für 2009 mit 2,7 Prozent eine Inflationsrate deutlich über der Zielmarke der Europäischen Zentralbank.

Härtere Zeiten am Arbeitsmarkt
Die derzeit noch glänzenden Daten am Arbeitsmarkt werden schon bald der Vergangenheit angehören. Aufgrund der konjunkturellen Abkühlung wird in den nächsten Monaten die Trendwende einsetzen und der Anstieg der Beschäftigten sowie der Rückgang der Arbeitslosigkeit gebremst. "Als konjunktureller Nachläufer reagiert der Arbeitsmarkt verspätet auf Wirtschaftstrends, doch schon 2009 wird die Arbeitslosenquote wieder die 6 Prozent-Marke erreichen", so Pudschedl.

Deutliche Wachstumsabschwächung 2009
Die Vielzahl an bestehenden Risiken macht ein allzu rasches Durchtauchen der Konjunkturdelle mittlerweile unwahrscheinlich. "Die Kombination aus hohen Rohstoffkosten, starkem Euro und zurückhaltender Nachfrage lässt auch über den Jahreswechsel 2008/2009 hinaus weder Wachstumsimpulse aus dem Ausland noch aus dem Inland erwarten ", meint Bruckbauer. Nach einem Anstieg des BIP um 2,3 Prozent im laufenden Jahr gehen die Ökonomen der Bank Austria für 2009 nur noch von einem Wirtschaftswachstum von 1,2 Prozent aus. Zudem sind angesichts der ungünstigen globalen Rahmenbedingungen die Risiken nach unten beträchtlich. Wenn der Rohölpreisanstieg ungebremst weitergeht und sich die Finanzmarktkrise zu einer Kreditklemme auswächst, könnte das Wirtschaftswachstum in Österreich sogar zum erliegen kommen.
 
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