Cluster soll Verkehrsprozesse geschmeidiger machen   

erstellt am
15. 10. 08

St. Pölten (nöwpd) - Im Verkehrswesen gibt es ein großes Rationalisierungspotential, das die Chance eröffnet, viel Zeit und viel Geld zu sparen. Daran ist insbesondere die Wirtschaft interessiert. Denn ihr Wachstum bewirkt auch höhere Anforderungen an den Transport. Die wachsende Bedeutung dieses Themas hat die Wirtschaftspolitik des Landes Niederösterreich heuer veranlasst, im Rahmen des ecoplus-Verbundes einen neuen Cluster für Logistik zu gründen. Er soll vor allem der mittelständischen Wirtschaft durch Koordination und Vernetzung Synergien bringen.

Mit den damit verbundenen Aufgaben befasste sich kürzlich die im Umdasch-Werk Amstetten gastierende ecoplus-Jahrestagung 2008. "Beim Thema Logistik geht es darum, Transportwege und Zeit einzusparen, Kosten zu senken, aber gleichzeitig auch die Umwelt zu entlasten", betonte Landeshauptmannstellvertreter Ernest Gabmann, der auch Präsident des ecoplus-Aufsichtsrates ist. Er rühmte die bereits zur Tradition gewordenen Konjunkturgespräche mit der Wirtschaft, "mit Vertretern von Groß- und Kleinbetrieben, die uns gute Tipps gegeben haben." Auch der Logistik-Cluster sei ein Ergebnis solcher Gespräche.

Als Gastgeber der Tagung stellte Umdasch-Generaldirektor Reinhold Süßenbacher fest, dass seine Unternehmensgruppe mit 147 Niederlassungen in aller Welt, mit 7.000 Mitarbeitern und einer Exportquote von 87 Prozent auf ein zuverlässiges Transportsystem angewiesen sei. "Die Logistik ist für uns ein wichtiges anspruchsvolles Thema", sagte er. Der Landesentwicklungsagentur ecoplus stellte er ein ausgezeichnetes Zeugnis aus: "Sie hat viel Humus gebracht, damit sich die niederösterreichische Wirtschaft gut entwickeln kann. Gäbe es die ecoplus nicht, müsste man sie erfinden."

Für Anstand, Augenmaß und Vernunft in der Diskussion über Verkehrsfragen sprach sich der Generaldirektor der Transport-Holding Gebrüder Weiss, Wolfgang Niesner, aus. Sein Unternehmen habe allein in Niederösterreich 100 Millionen Euro investiert, heuer werde es die Milliarden-Grenze im Nettoumsatz überschreiten. Niesner spricht sich für eine "ökologiebezogene Straßenmaut und finanzielle Anreize für die CO2-Einsparung" aus. Die klare Absage an jeglichen Populismus verbindet er mit der Forderung, sich auf die Stärken der einzelnen Verkehrsträger zu konzentrieren.

Laut Friedrich Macher, Vorstandsdirektor von Rail Cargo Austria, werden in Europa nur drei bis fünf große Bahngesellschaften übrig bleiben. Österreich habe das dichteste Bahnnetz in Europa. Die bessere Flächendeckung mache es möglich, dass in Österreich 32 Prozent des Transportvolumens auf der Schiene befördert werden gegenüber nur 20 Prozent im europäischen Schnitt. 90 Prozent des auf der Schiene geführten Transportes mache die Cargo. "In Zukunft geht es darum", so Macher, "den größeren Anteil des Wachstums auf die Schiene zu holen." Von ihren 2,5 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet die Cargo eine Hälfte auf der Schiene und die andere als Transporteur.

Auf Österreichs Frächter sieht Macher einen "Verdrängungsprozess aus den Ostländern" zukommen. Bis 2015 werde sich die Schienen-Logistik um 20 bis 25 Prozent verteuern, der Speditionsmarkt um 30 bis 40 Prozent und der Lkw-Verkehr um bis zu 30 Prozent.

Erhebliche Widerstände gegen eine Attraktivierung der Bahntransporte macht er bei den in der EU noch immer bestehenden bürokratischen Hürden aus. Diese würden auf dem Brenner stundenlange Wartezeiten auslösen. Eine Renaissance sagt Macher dem "Begleiteten Verkehr mit Ruhezeiten" voraus. Damit könnten auch längere Strecken mit nur einem Fahrer bewältigt werden, weil er die vorgeschriebenen Ruhestunden in einem mitgeführten Schlafwagen oder Abteilwaggon konsumieren könne. Konkret nannte Macher die Strecke von Mannheim und Regensburg über den Brenner nach Verona.

Informationen: http://www.ecoplus.at
 
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