"Berührungen" im Odeon: Wera Goldman für Lebenswerk geehrt   

erstellt am
23. 10. 08

Wien (rk) - Am Abend des 22.10. wurde die 1921 in Wien geborene und vielleicht letzte noch aktive Vertreterin des Anfangs des 20. Jahrhunderts entstandenen Ausdruckstanzes, Wera Goldman, mit der Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien in Bronze geehrt. Die bald 87jährige trat am Ende des Abends, der der berühmten Tänzerin Gertraud Kraus (1901 - 1977) zugeeignet war, auch selbst noch auf. GR Ernst Woller (SPÖ) hob nicht nur das langjährige aktive Wirken Goldmans, die 1938 aus Wien vertrieben wurde, hervor, sondern erinnerte auch an die lange Zeit vergessene künstlerisch bedeutsame Tradition des Tanzes im Wien der Ersten Republik. Im Odeon Theater in der Leopoldstadt, an dem Ort, wo in der Nazi-Zeit die Gestapo ihre Zensurstelle betrieb, wurde mit der Ehrung Goldmans somit auch der hochkarätigen und vielseitigen Wiener Tanzszene während der Zwischenkriegszeit, zu denen etwa Gertraud Kraus, Grete Wiesenthal, Gertrud Bodenwieser, Isolde Klietmann und Margarete Wallmann zu zählen sind, gedacht bzw. symbolisch vor den Vorhang gebeten.

Lebenslauf von Wera Goldman
Geboren im November 1921 in Wien, widmete sich Goldman bereits in jungen Jahren ihrer Tanzleidenschaft. Ihre Ausbildung begann sie bei Riki Raab in Wien. 1938 emigrierte sie nach Palästina, wo sie fünf Jahre lang der Tanztruppe der bereits seit 1935 dort wirkenden Wiener Tänzerin Gertrud Kraus angehörte. Berühmt wurde ihre Partie des Todes in "Des Dichters Traum" aus dem Jahr 1943. Goldman beschäftigte sich Zeit ihres Lebens aber auch immer mit den vielfältigen ethnischen Tänzen in aller Welt. Ausgedehnte Aufenthalte in Australien, Südostasien und Indien zeugen davon. 60 Jahre nach ihrer Emigration gelang es der Tanzjournalistin Andrea Amort im Jahr 1998 in der von ihr kuratierten Reihe "Tanz im Exil", Wera Goldman zu einem ersten Auftritt in Wien zu überreden. Seitdem trat Goldman mehrfach in Wien auf: In der Alten Schmiede präsentierte sie "Die Seherin", im Jüdischen Museum "Das Lied der Lieder" und "Die Bibel im Tanz". Vor zwei Jahren gastierte Goldman mit "Das Friedenszelt" in Österreich bzw. auch im Wiener Kosmostheater. Auch bei den Internationalen Tanzwochen Wien gab sich Goldman ein Stelldichein, ebenso bei den Balletts der Staats- und der Volksoper. Vor zehn Jahren wurde Goldman bereits mit dem Goldenen Rathausmann ausgezeichnet.

Bis Ende Oktober: Tanz-Festival "Berührungen" im Odeon
Bis Ende Oktober findet im Odeon-Theater noch das Tanz- Festival "Berührungen" statt. Inhaltlicher Schwerpunkt der gezeigten Arbeiten ist die Beschäftigung mit dem künstlerischen Tanz vor den Zweiten Weltkrieg. Kuratiert von Amort werden insgesamt sechs Programme mit jeweils drei Aufführungen gezeigt. Mittwoch Abend, der zugleich eine Benefiz-Veranstaltung zugunsten Goldmans war, bot eine gute Gelegenheit, die Positionen des österreichischen Nachwuchses der heimischen Tanzszene zu diesem lange Zeit vergessenen Erbe zu erleben. Zwischen 23. und 25. Oktober ist die Österreich-Premiere von "Faust spielen" ab 20.00 Uhr zu sehen, von 29. bis 31. Oktober folgt dann noch die Uraufführung von "Oedipus is complex" in der Choreografie von Nikolaus Adler. Beginn ist ebenfalls um 20.00 Uhr.

Informationen: http://www.odeon-theater.at
 
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