Schmied: "Studie zur sozialen Lage der Künstler und Künstlerinnen zeigt Reformbedarf auf"   

erstellt am
19. 11. 08

Die Studie ist Ausgangspunkt für Maßnahmen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für Kunstschaffende
Wien (bmukk) -
Kulturministerin Claudia Schmied veröffentlichte am 19.11. die Endfassung der Studie zur sozialen Lage der Künstler und Künstlerinnen. Die Studie ist ab sofort auf der Homepage des Kulturministeriums – in einer Kurzform und im Original – abrufbar. „Ich habe diese Studie in Auftrag gegeben, um eine umfassende Analyse der aktuellen Lebensverhältnisse der Kunstschaffenden in unserem Land zu erhalten. Dieser Schritt war notwendig, da im Kunst- und Kulturbereich ein Defizit an Grundlagen für eine faktenbasierte Politik gegeben ist“, so Schmied.

„Die Studie ist Ausgangspunkt für Maßnahmen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für Kunstschaffende. Ich möchte sie intensiv mit den Experten im Kulturausschuss des Parlaments diskutieren und auch eine Konferenz zu diesem Thema organisieren“, so Schmied.

„Die soziale Lage der Künstlerinnen und Künstler ist vor allem durch Phänomene wie prekäre Arbeitsverhältnisse, neue Selbstständigkeit und Teilzeitbeschäftigung geprägt. Wir erleben eine extreme Einkommensschere. Viele Künstler verdienen wenig, wenige Künstler verdienen viel. Der Zugang zu Kunstberufen hängt weiterhin stark von der sozialen Herkunft ab. Vor allem im Sozialversicherungssystem stehen viele Künstlerinnen und Künstler vor administrativen und sozialen Hürden“, betont Schmied.

„Diese Studie zeigt vor allem gesellschaftspolitischen Handlungsbedarf auf. Die Lebensverhältnisse der Künstlerinnen und Künstler unterscheiden sich in vielen Bereichen und Problemen nicht von jenen in der Kreativwirtschaft, der IT-Firmen oder anderer junger Branchen. Das Prekariat, die neue Selbstständigkeit, Teilzeit-Jobs: Das sind gesamtgesellschaftliche Phänomene, die in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten eine immer größere Rolle spielen. Auch die geringen Einkommen von Frauen im Kunstbereich sind ähnlich wie in anderen Bereichen. Diese Entwicklungen dürfen wir nicht isoliert aus dem Blickpunkt der Kunst betrachten. Wir müssen eine gesamtgesellschaftliche Diskussion darüber führen, wie wir den Bürgerinnen und Bürgern Elementarabsicherungen gegenüber Risiken wie Krankheit, Arbeitslosigkeit und Alter geben können. Wir müssen uns mit den neuen Arbeits- und Lebensverhältnissen intensiv beschäftigen. Die nächste Bundesregierung muss daher eine interministerielle Arbeitsgruppe zu diesem großen gesellschaftlichen Thema einrichten. Das Thema ‚neue Arbeitssituationen’ muss breit bearbeitet werden“, ergänzt Schmied.

„Für die Kunst- und Kulturpolitik lässt sich aus dieser Studie Handlungsbedarf ableiten. Wir müssen die Förderung des zeitgenössischen Kunstschaffens noch weiter intensivieren. Die Förderangebote müssen noch transparenter und zugänglicher werden. Das Stipendienwesen und die internationale Vernetzung muss verbessert werden. Die Nachwuchsförderung muss im Zentrum stehen. Die Künstlerinnen und Künstler brauchen Präsentationsmöglichkeiten. Ich danke den Verfassern der Studie, L&R Sozialforschung, sowie den Expertinnen und Experten aus der Wissenschaft und den Interessensvertretungen“, so Schmied abschließend.

http://www.bmukk.gv.at/kunst/bm/studie_soz_lage_kuenstler.xml
     
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