Neue Methoden bringen neue Erkenntnisse bei Schadstoffbelastung im Alpenraum   

erstellt am
21. 01. 09

MONARPOP erfolgreiches Alpenprojekt unter österreichischer Federführung
Wien (bmlfuw) - Im Rahmen des von der EU geförderten Projekts MONARPOP (Monitoring Network in the Alpine Region for Persistent Organic Pollutants) wurde erstmals die regionale und höhenmäßige Belastungsverteilung mit schwer abbaubaren organischen Schadstoffen, den sogenannten POPs, in den Alpen untersucht. Die Ergebnisse des Projekts unter österreichischer Federführung brachten eine Reihe völlig neuer Erkenntnisse zutage und zeigen die internationale Dimension der Belastung mit POPs.

Ihr kann nur durch ein internationales Instrument begegnet werden, was die Wichtigkeit der völkerrechtlich verbindlichen UN-Stockholm-Konvention zu POPs unterstreicht, mit der diese Schadstoffbelastung verringert werden soll.

Das Projekt MONARPOP ist eines der wenigen internationalen Projekte, das in den globalen Monitoring Plan zur Wirkungskontrolle der Stockholm-Konvention einbezogen wurde und dort dem Alpenraum erstmals eine Stimme verleiht. Das Projektkonsortium von 13 Institutionen aus Deutschland, Italien, Schweiz und Slowenien um das Österreichische Lebensministerium und Umweltbundesamt untersuchte mit teils weltweit völlig neuen Methoden den Alpenraum auf schwer abbaubare organische Schadstoffe.

Schadstoffanreicherung durch Fernverfrachtung und lokale Quellen
Die Alpen bilden eine Barriere bei der Verfrachtung von Luftschadstoffen. Mit den Luftmassen werden auch POPs, die in weit entfernten Gebieten (auch anderen Kontinenten) emittiert wurden, in die Alpen transportiert und lagern sich dort aufgrund dieser Barrierewirkung ab. Die Kälte der hochgelegenen Alpengebiete sorgt dafür, dass sich diese Schadstoffe dort besonders anreichern. Zu den untersuchten Schadstoffen zählen etwa Dioxine oder in Europa lange nicht mehr verwendete Pestizide wie krebserregende Kohlenwasserstoffe oder DDT, das in bis zu zehnmal höheren Konzentrationen als am Talboden nachgewiesen wurde. Sie entfalten ihre schädliche Wirkung auch in geringen Konzentrationen und stehen aufgrund ihrer besonderen Langlebigkeit, Giftigkeit und Anreicherung entlang von Nahrungsketten im Blickfeld der internationalen Staatengemeinschaft.

Daneben gibt es auch durch lokale Quellen hausgemachte Belastungen im Alpenraum. Höhere Konzentrationen an den tiefstgelegenen Standorten bzw. in mittleren Höhen bei anderen untersuchten POPs lassen den Einfluss regionaler bzw. lokaler Ursachen (z. B. Hausbrand, Verkehr) sowie den Einfluss von den in den Alpentälern häufig auftretenden Temperaturinversionen vermuten.

Neue Methoden
Für MONARPOP wurden an 40 entlegenen Waldstandorten und sieben Höhengradienten Pflanzen- und Bodenproben, an drei Berggipfeln Luft- und Depositionsproben gewonnen und passive Luftsammler exponiert. Die Proben wurden auf rund 30 Substanzen bzw. Substanzgruppen aus bis zu mehreren hundert Einzelsubstanzen analysiert. Dafür wurden weltweit völlig neue Luft- und Niederschlagssammler entwickelt, die den extremen Witterungsbedingungen auf dem Sonnblick (mit 3106 m der höchstgelegene Standort, A), dem Weißfluhjoch (CH) und der Zugspitze (D) standhalten. Damit war weltweit erstmalig eine kontinuierliche Probenahme dieser Schadstoffe an Berggipfeln möglich. Auch die Art der Probenahme wurde für dieses Projekt neu entwickelt: Sie erfolgte getrennt nach Herkunftsregionen der ankommenden Luftmassen. Damit kann nachgewiesen werden, dass während einzelner Sammelperioden Luftmassen aus der jeweils gleichen Herkunftsregion höhere Schadstoffkonzentrationen an den drei Berggipfeln verursachten. Die für die nächsten Jahre gesicherte Fortführung dieser Messungen wird es ermöglichen, Trends zu identifizieren.

Alpen als Schadstoffbarierre
Die Barrierewirkung der Alpen für den weiträumigen Luftschadstofftransport von POPs zeigte auch die Untersuchung der 40 entlegenen Waldstandorte, die für das Studium der regionalen Belastungsverteilung ausgewählt wurden. Die Konzentrationen zahlreicher Schadstoffe waren in den Randalpen um ein Vielfaches höher als in den zentralen Alpenbereichen. Häufig fielen (korreliert auch mit höheren Niederschlägen) die nördlichen Randalpen durch höhere Konzentrationen auf, je nach Schadstoff aber auch die südlichen, östlichen oder westlichen Randlagen. Die besondere Lage der Alpen im produktiven und dicht besiedelten Mitteleuropa, umgeben von Gebieten mit unterschiedlicher Emissionsgeschichte für POPs, spiegelt sich auch in den Ergebnissen wieder: Einzelne als Flammschutzmittel verwendete POPs wiesen etwa im Osten der Alpen höhere Konzentrationen auf, die früher für verschiedene technische Zwecke eingesetzten PCBs jedoch im Westen. Derart geben die Ergebnisse für die Alpen auch einen Hinweis auf die je Schadstoff unterschiedlichen Belastungsgradienten im europäischen Umfeld der Alpen.

Ein Hinweis auf die Wirksamkeit emissionsmindernder Maßnahmen ist, dass etwa bei Dioxinen eine mehr als zehnmal geringere Konzentration in den Nadeln festgestellt wurde als noch vor zehn Jahren. Umgekehrt wurden Substanzen nach wie vor nachgewiesen, die bereits seit vielen Jahren nicht mehr in Europa angewendet werden.
     
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