Kauflaune im E-Handel trotz Krise   

erstellt am
13. 02. 09

Wien (pwk/eh) - Elektro-Branche verzeichnet 2008 positive Marktentwicklung / Optimismus auch für 2009 anhaltend / Unternehmen wehren sich gegen Verschlechterung der Kreditkonditionen / Forderung nach "Energie- bzw. Ökoprämie".
Angesichts der weltweiten Finanz- und Konjunkturkrise sind zahlreiche Wirtschaftszweige mit einem Nachfragerückgang sowie massiven Absatz- bzw. Umsatzeinbrüchen konfrontiert. Die Elektro-Branche hingegen verbucht weiterhin positive Verkaufszahlen. Im Rahmen einer Pressekonferenz berichten die Branchenvertreter sowie das Bundesgremium Radio- und Elektrohandel und Kooperationspartner über die aktuelle wirtschaftliche Situation des Sektors. "Die Elektro-Branche trotzt der weltweiten Krise mit innovativen, energieeffizienten Produkten, die sich als echte Verkaufsschlager erweisen. Bester Beweis dafür ist die aktuelle Marktsituation. Insgesamt freute sich der Bereich über einen Gesamtumsatz von 4,1 Mrd. Euro im vergangenen Jahr. Dies entspricht einem Plus von 3,5% gegenüber 2007", lautet das Resumée der anwesenden Branchenvertreter.

Elektrohandel fordert Maßnahmen der Geldinstitute
"Viele Wirtschaftszweige befürchten, dass die Auswirkungen der aktuellen Finanz- und Konjunkturkrise erst 2009 voll durchschlagen werden. Der Elektrohandel hingegen ist für die nächsten Monate guter Dinge. Wir rechnen auch weiterhin mit ungebremster Kauflust", beschreibt Wolfgang Krejcik, Obmann des Bundesgremiums Radio und Elektrohandel in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), den Optimismus des Sektors. Damit die Branche mit ihren rund 2.000 Geschäften, mit je zwei Mio. Euro Umsatz und ca. 10.000 Mitarbeitern auch zuversichtlich in die Zukunft blicken könne, sei allerdings ein Umdenken der Geldinstitute notwendig: "Die Krise bei einzelnen Handelsunternehmen, auch bei der Großfläche, ist hausgemacht und darf nicht auf den gesamten Elektrohandel übertragen werden. Sie muss jeweils als Einzelfall betrachtet werden und darf nicht dazu führen, dass Banken auch renommierten Betrieben keine finanzielle Unterstützung mehr gewähren und Kreditversicherer höhere Liquidität einfordern. Eine ausreichende Finanzierung des Elektrohandels muss sichergestellt sein", fordert der Obmann abschließend.

Chancen des Elektrofachhandels in schwierigen Zeiten
"Krise hin oder her, es gibt auch positive Aspekte, wie z.B. zuletzt relativ hohe Lohnabschlüsse, die sinkende Inflation oder auch das niedrige Zinsniveau. Liquidität und Kaufkraft sind grundsätzlich vorhanden und der private Konsum hat sich außerdem schon in vielen Krisen als stabilisierender Faktor erwiesen", meint Peter Osel, Geschäftsführer der Händlerkooperation Euronics Austria / Red Zac. Ebenfalls stabil sei der Ersatzbedarf, denn geht ein wichtiges Gerät wie Waschmaschine, Kühlschrank oder Fernseher kaputt, werde dieses umgehend ersetzt, wobei die Wahl dann sehr oft auf ein höherwertigeres, energiesparendes und komfortableres Geräte fällt. "Gerade professionell aufgestellte kleinere und mittlere Elektrofachhändler werden heuer profitieren, denn der Konsument ist bei der Produktauswahl vorsichtiger geworden und legt daher gesteigerten Wert auf Beratung, Vertrauen und Sicherheit beim Einkauf immer komplexer werdender Technologie", argumentiert Osel. "Der Energiespargedanke sowie der technische Fortschritt sind unsere stärksten Verbündeten."

Flachbildfernseher pushen den consumer electronics-Markt
Die Unterhaltungselektronik-Branche hat 2008 eine Umsatzsteigerung von 776 auf 804 Mio. Euro verbucht. Dies entspricht einem Plus von 4%. Das Zugpferd der Branche sind Christian Blumberger, Sprecher des forum consumer electronics, zufolge Flat-TVs. So wurden 2008 um 40% mehr Flachbildfernseher verkauft als im Jahr davor. "Allen negativen Nachrichten zum Trotz entwickelt sich gerade das TV-Geschäft äußert positiv. Bei Fernsehern ist ein Trend zu höheren Preisklassen feststellbar. Grund dafür ist, dass der Konsument bei einer derartigen Investition technologisch up to date sein will. Darüber hinaus spielen Garantie und Service eine große Rolle", betont Blumberger. Daneben ist eine hohe Auflösung für Kunden unverzichtbar. "TV-Bildern in High Definition gehört die Zukunft", zeigt sich der Branchensprecher überzeugt. Bereits 2010 sollen in Europa 160 HD-Kanäle zu empfangen sein. Ein wesentlicher Grund dafür, dass sich immer mehr Konsumenten einen neuen Flachbildfernseher zulegen, ist der Rückzug in die häusliche Privatsphäre, ausgelöst durch die derzeitige Finanz- und Konjunkturkrise. Gleichzeitig sind das Bewusstsein und die Notwendigkeit für Energiesparmaßnahmen in den eigenen vier Wänden gestiegen. Die Kunden setzen daher auf hochwertige und energieeffiziente Geräte.

Im laufenden Geschäftsjahr geht der Trend klar zu Flat-TVs in neuen Dimensionen. Umsatztreiber sind immer größere und flachere Fernseher. Laut Blumberger sind die künftigen Big Player der Branche Geräte mit einer Bildschirmdiagonale von 42-Plus.

Elektro-Kleingerätemarkt weiter im Aufwärtstrend
"Die Marktentwicklung bei Elektro-Kleingeräten ist mit einer Wertsteigerung von +3,6% im letzten Jahr erfreulich", beschreibt Thomas Poletin, Branchensprecher des Elektro-Kleingeräte Forums, die wirtschaftliche Situation. Dies ergibt ein Plus von rund zehn Mio. Euro. "Neuheiten und Angebote wurden vom Konsumenten wahrgenommen und vor allem im Weihnachtsgeschäft angenommen: Wertmäßig konnte die Branche um 5,8% wachsen, das kommt einem Plus von etwa 3,5 Mio. Euro gleich", freut sich der Branchensprecher über die gute Entwicklung des Sektors.

Der anhaltende Trend zu Beauty- und Wellness-Produkten wie Geräten aus den Bereichen Epilation, Body-Grooming oder Zahnpflege sorgt für Umsatzsteigerungen. "Aber auch Innovationen, die den Spaßfaktor im Haushalt erhöhen, zählen zu den Verkaufshits", erläutert Poletin. Dazu gehören Lifestyle-Kochprodukte, die durch die zahlreichen TV-Kochshows an Bedeutung gewinnen und ganz klar Geräte für die qualitativ hochwertige Zubereitung von Kaffee. "Die anhaltende Debatte über das Nichtrauchen in Lokalen führt dazu, dass viele Konsumenten das gemütliche Beisammensein zu Hause vorziehen. Dieser Trend wird sich auch dieses Jahr weiter fortsetzen. Dazu kommt, dass die Branche heuer mit einem wahren Feuerwerk an Produkten aufwartet, das zu starken Umsatzzuwächsen führen wird", versichert der Branchensprecher.

Innovationen und zurückhaltende Preispolitik sorgen für stabiles Umsatzniveau
Im vergangenen Jahr hat sich die Weiße Ware laut Franz Schlechta, Branchensprecher des Forums Hausgeräte, positiv entwickelt. "Nach Stückzahlen konnte 2008 bei Großgeräten ein Zuwachs von +2,6% auf 1.260.000 Stück verzeichnet werden. Wertmäßig sieht es mit 593 Mio. Euro (+3,7%) auch sehr gut aus", berichtet Schlechta.

"Der drohende Jobverlust könnte die Konsumenten jedoch dazu veranlassen, auch 'kleinere' Investitionsentscheidungen zu verschieben. Dem ist entgegenzuhalten, dass die Branche mit weiteren Innovationen wie den Megatrends Energiesparen und Nachhaltigkeit sowie mit einer zurückhaltenden Preispolitik kontert. Dies beschert uns auch 2009 Umsatzzuwächse. Objektiv betrachtet gibt es genügend Grund zu der Annahme, dass im laufenden Jahr das Umsatzniveau gehalten werden kann", stellt der Branchensprecher fest.

Allerdings müsse die Politik unterstützend eingreifen. Gefragt ist eine "Energie- bzw. Ökoprämie" für besonders energie- und ressourcenschonende Hausgeräte. Geht es nach Schlechta, ist das nicht nur gut für die Umwelt, sondern kann auch nützlich für die Wirtschaft sein.
     
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