Siemens testet Velaro RUS in Wiener Klima-Wind-Kanal   

erstellt am
03. 03. 09

Der schnellste Zug Russlands in künstlicher Schnee- und Eishölle
Wien (siemens) - Russlands erster Hochgeschwindigkeitszug „Velaro RUS“, der von Siemens in Serie gebaut wird, wurde jetzt im Klima-Wind-Kanal getestet, um die extrem harten Witterungsbedingungen russischer Winter im Fahrbetrieb zu simulieren. Selbst bei Schneestürmen mit 250 km/h Windgeschwindigkeit und Außentemperaturen von bis zu minus 40 Grad Celsius blieb der Velaro voll betriebsfähig und dabei behaglich für die Menschen im Zug. Ab Ende 2009 werden die bis zu 250 km/h schnellen Triebzüge zunächst die Metropolen Moskau und St. Petersburg verbinden; später sollen sie auch zwischen Moskau und Nishni Novgorod fahren. Den Auftrag für acht dieser Superzüge und deren Wartung über 30 Jahre hinweg hatte Siemens bereits 2006 erhalten.

Die Klimatests in der Rail Tec Arsenal Fahrzeugversuchsanlage (RTA) in Wien bestätigen, dass alle Elemente des Zuges wie Technik, Isolation und Schmierstoffe für die extremen klimatischen Bedingungen in Russland richtig ausgelegt sind und durchwegs zuverlässig arbeiten. So tobten gewaltige künstliche Schneestürme mit Massen kleiner Flocken, aber auch mit großflockigem Nassschnee durch den 100 Meter langen Klima-Wind-Kanal. Trotzdem froren weder die riesige Frontscheibe noch die Luftansaugstutzen auf dem Dach, die Fenster oder Außentüren am Velaro zu. Alle Sicherheitsfunktionen an Bord bestanden sämtliche Testanforderungen.

Zum Test der Klimaanlage wurden im Zugkopf sowie einem Mittelwagen des Velaro rund 800 verschiedene Sensoren angebracht, die unter anderem die Lufttemperatur, Oberflächentemperatur, Luftgeschwindigkeit, Luftdruck und Luftfeuchtigkeit messen. Rote Heizmatten und Luftbefeuchter im Fahrgastraum simulieren reale Betriebsbedingungen. Selbst mit dieser Belastung soll ein Zustand erreicht werden, der überall im Zug für die gleiche thermische Behaglichkeit sorgt – ein Zustand, den möglichst viele Menschen als behaglich empfinden. Denn auch die russische Bahn legt beim Velaro entscheidenden Wert darauf, dass die Fahrgäste die Lufttemperatur, die Luftfeuchte, die Luftbewegung und die Wärmestrahlung der Umgebung stets als optimal empfinden und weder wärmere noch kältere, weder trockenere noch feuchtere Raumluft wünschen.

Österreichische Wertschöpfung
Die für den Auftrag benötigten 176 Stück High-tech Drehgestelle werden im Siemens-Werk Graz gefertigt. Das Fahrwerk aus der SF500 Familie (SF500 RU) wurde auf die russische Breitspur (1.520 Millimeter gegenüber der 1.435 Millimeter Normalspur), auf Fahrgeschwindigkeiten bis 300 Kilometer je Stunde und für den Tieftemperatureinsatz bis zu minus 50 Grad Celsius ausgelegt. Damit erfüllen sie die derzeit gültigen EN-Normen sowie auch die staatlich russischen GOST-Normen.

Der für Russland in vielen technischen Details weiterentwickelte Velaro gilt als der weltweit modernste Hochgeschwindigkeitszug. Die zehnteiligen Triebzüge haben eine Gesamtlänge von 250 Meter und bieten bequem Platz für 604 Fahrgäste. Die Länge der Bahnsteige in Russland macht es möglich, dass die Züge über zwei Wagen mehr verfügen und somit 50 Meter länger sind als beispielsweise der „Velaro E“ der spanischen Bahn.

Russland gilt als einer der am meisten wachsenden Bahnmärkte der nächsten Jahrzehnte. Ein Entwicklungsprogramm der russischen Regierung sieht vor, bis in das Jahr 2030 bis zu 400 Milliarden Euro in den Ausbau des Schienennetzes und in neue Züge zu investieren. In den nächsten Jahren sollen etwa 20.000 Kilometer Bahnstrecke entstehen, davon 1.500 Kilometer Hochgeschwindigkeitsstrecken.
     
Informationen: http://www.siemens.at/mobility    
     
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