Bildung  

erstellt am
12. 03. 09

 Schmied: Bildungsreformen offensiv fortsetzen
Angesichts von PISA und Jugendarbeitslosigkeit: Stopp der Reformen nicht möglich
Wien (sk) - Bildungsministerin Claudia Schmied skizzierte am 11.03. im Nationalrat ihr "positives Zukunftsbild von Schule". Auf dem Weg dahin gelte es, "viele Schritte zu setzen. Eines ist aber klar: Eine Verzögerung oder ein Stopp der eingeleiteten Reformen ist nicht möglich", so Schmied mit Hinweis auf die mittelmäßigen PISA-Ergebnisse und die hohe Jugendarbeitslosigkeit. Daher sei es von zentraler Bedeutung, "die Bildungsreform offensiv fortzusetzen". Und "wenn es ein knappes Budget gibt, und wenn ich vor der Entscheidung stehe, setze ich diese Maßnahmen fort, um diesem positiven Zukunftsbild ein Stück näherzukommen, dann ist die Strukturreform ein zumutbarer Beitrag, den ich von meinen wichtigsten Mitarbeitern, den LehrerInnen, verlangen kann."

Die Bildungsministerin machte deutlich, dass sie ein "wettbewerbsfähiges, öffentlich finanziertes Bildungssystem will, das Leistung, Qualität, Kreativität und Chancengerechtigkeit in den Vordergrund stellt". Die Schule der Zukunft sei ein Ort gemeinsamen Lernens und gelebter Schulpartnerschaft, wo es gelte, "alle Potentiale der Gesellschaft zu nutzen und kein Kind zurückzulassen". Die Verwaltung der Schule sieht Schmied in diesem Zukunftsmodell "von Doppelgleisigkeiten befreit": Schulstandort, regionale Schulbehörde und Ministerium - das seien die "drei Ebenen, die genügen sollten". Die zentrale Ressourcensteuerung erfolge öterreichweit mit modernsten Planungs- und Controlling-Instrumenten. Das Wichtigste aber sei die klare Verantwortung am Schulstandort. So müssten für die Position des Schulleiters vor der Bewerbung entsprechende Ausbildungen und Qualifikationen gemacht werden, so Schmied, die sich dafür aussprach, dass die Schulleiterposition für fünf Jahre vergeben sein sollte. Außerdem müsse der Schulleiter auch die Personalverantwortung haben.

Für attraktivere Einstiegsgehälter von Lehrern
Das neue Dienst- und Besoldungsrecht solle sich nach der Tätigkeit und nach dem Einsatzort der Lehrer richten - "und die Arbeitszeit ganz klar in Richtung Arbeit an der Schule und mit den Kindern verschoben werden". Hier gehe es darum, die "Einstiegsgehälter attraktiver zu gestalten - in Verbindung mit einem stärkeren Einsatz und mehr Präsenz in der Schule ist das auch finanzierbar und leistbar", unterstrich Schmied. Die Lehrer sieht Schmied in der Schule der Zukunft als "Begleiter der Schüler, die in erster Linie mit pädagogischen und menschlichen Konzepten gefordert" seien. Überdies gelte es, vor dem Hintergrund der Burn-Out-Gefahr, die auch auf ein Gefühl der Ausweglosigkeit zurückzuführen sei, dafür zu sorgen, dass Lehrer im Zuge größerer Durchlässigkeit Entfaltungs- und Karrieremöglichkeiten haben. Von zentraler Bedeutung seien auch bestausgestattete Lehrer-Arbeitsplätze.


Ausbildung aller im Lehrberuf Tätigen auf tertiärem Niveau
Die Ausbildung für alle im Lehrberuf Tätigen müsse sich an den Kompetenzen und Anforderungen an die Lehrer orientieren - "und auf tertiärem Niveau durchgeführt werden". Die Weiterqualifikation sollte bestmöglich am Standort erfolgen, ergänzte Schmied. Für Schulentwicklungsprogramme stünden überdies an den Pädagogischen Hochschulen Organisationsentwickler zur Verfügung, um die Entwicklungsprozesse zu begleiten. Weiters sollte sich die Schule für Quereinsteiger öffnen, so Schmied, die sich hier auf verstärkte berufsbegleitende Ausbildungsangebote bezog. Schließlich tue es der Schule "sehr gut, wenn dort mehr Menschen arbeiten, die auch schon andere Arbeitswelten kennengelernt haben".

Individuelle Förderung statt Selektion
Auch dürften Bildungserfolge nicht länger vererbt werden und von der sozialen Herkunft abhängen. Genauso der Vergangenheit angehören müssten auch die hohen Drop-Out- und Schulabbruchs-Quoten. Statt Selektion müsse individuelle Förderung im Vordergrund stehen, so Schmied, die weiters bekräftigte, dass "Spitzenleistungen, die Österreich braucht, um zu reüssieren, einer breiten Basis bedürfen". Auch müsse es gelingen, die Selbstverantwortung und das Selbstbewusstsein der SchülerInnen zu stärken und die Grundkompetenzen Lesen, Schreiben, Rechnen bestmöglich zu verankern. Jetzt gehe es darum, die Frühförderung, die Tagesbetreuung, den Kleingruppenunterricht, den Teamunterricht, aber auch die Ganztagesschulen und die Sprachförderung zu forcieren. Auch müsse sich die Schule für andere Berufsgruppen, für Künstler, Sozialarbeiter und Sportler öffnen, schloss Schmied.

 

 Amon: Es ist richtig, in die Bildung zu investieren
ÖVP-Bildungssprecher: "Ressortminister müssen die richtigen Schwerpunkte setzen"
Wien (övp-pk) - "Laut Medienberichten beträgt das Bildungsbudget für das Jahr 2009 insgesamt 7,2 Milliarden Euro, das wären 390 Millionen Euro mehr als im Jahr 2008. Im Jahr 2010 soll der Betrag um weitere 55 Millionen Euro steigen", zitierte ÖVP-Bildungssprecher Abg. Werner Amon MBA aus dem Dringlichen Antrag der Grünen. "Und es ist richtig, in die Bildung zu investieren", dankte Amon in seinem Debattenbeitrag Finanzminister Pröll für die gute Dotierung des Bildungsbudgets.

"Aber so einfach kann man es sich nicht machen, die Maßnahmen aller Ressorts dem Finanzminister anzulasten. Denn es ist zwischen Bundeskanzler und Vizekanzler ausdrücklich ausgemacht, über ein Globalbudget zu verhandeln. Und somit ist es Aufgabe der Minister, in ihren Ressorts die richtigen budgetären Schwerpunkte zu setzen", betonte Amon.

Zu aktuellen Bildungsdebatte stellte Amon klar, dass es im normalen Arbeitsrecht in der Privatwirtschaft undenkbar wäre, dass der Arbeitgeber einseitig die Arbeitszeit verlängert. "Und auch wenn der Bundesgesetzgeber die Arbeitszeit verlängern wollte, bräuchte er zur Umsetzung die Sozialpartner. Das muss in gleichem Maße auch für den öffentlichen Dienst gelten."

Einer Solidarleistung der Lehrerinnen und Lehrer werde sich niemand entziehen, "wenn sie in ein Gesamtkonzept eingebettet ist und wir in dramatischer Situation sind", fuhr Amon fort. "Die Bundesregierung bemüht sich, die Arbeitslosigkeit so niedrig wie möglich zu halten. Für die Ermöglichung von Kurzarbeit wird viel Geld in die Hand genommen. Nun liegt aber bezüglich der Situation im Bildungsbereich ein Konzept vor, das das genaue Gegenteil bewirken würde: wenn bei gleicher Unterrichtszeit, bei unveränderten Lehrplänen jeder Lehrer um zwei Unterrichtsstunden länger unterrichtet, haben wir im Bund 10.000 Lehrerinnen und Lehrer zu viel. Aber wir wollen doch die Arbeitslosigkeit vermeiden, statt sie zu produzieren", so Amon.

Natürlich gebe es auch in unserem Bildungssystem da und dort Probleme, räumte Amon ein. "Aber es stört mich, dass das österreichische Bildungssystem so schlecht geredet wird. Ich lehne es kategorisch ab, aus internationalen Vergleichsstudien Schlüsse abzuleiten, die nicht zulässig sind. Aus einer eintägigen Überprüfung von Kindern eines Jahrganges in drei Fächern eine Systemdiskussion abzuleiten, ist völlig verfehlt."

"Und wenn wir in den letzten zwei Jahrzehnten bei allen europäischen Vergleichen immer unter den drei besten Ländern waren, so muss das auch mit unserem Bildungssystem zu tun haben. Denn es ist die Aufgabe des Bildungssystems, die Menschen gut auf die Arbeitswelt vorzubereiten", ist Amon überzeugt.

"Wir sollten den Lehrerinnen und Lehrern in einer Zeit, da die Kinder immer schwieriger werden, mehr Rückhalt geben. Sie haben das Wertvollste unseres Landes an der Hand - die Jugend. Deshalb ist es völlig falsch, Konflikte auf dem Rücken der Lehrerinnen und Lehrer auszutragen. Es geht nicht um eine Solidarmaßnahme in der Wirtschaftskrise sondern um die Frage, wie die Bundesministerin mit ihrem Budget zu Rande kommt", sagte Amon und appellierte abschließend an alle, sich an einen Tisch zu setzen, um eine gemeinsame Lösung zu finden.

 

 Rosenkranz: Steigerung des Lehrer-Ansehens ein Punkt in Reformantrag der FPÖ
Entschließungsantrag über grundlegende Reformen im Bildungswesen
Wien (fpd) - Im Rahmen der Debatte zum dringlichen Antrag "Bildungsmilliarde" nimmt der freiheitliche Bildungssprecher und Vorsitzende des parlamentarischen Unterrichtsausschusses Dr. Walter Rosenkranz einmal mehr die Lehrerschaft gegen jegliche Pauschalverurteilungen im Zuge der aktuellen Schulreformdiskussionen in Schutz. Die Lehrer dürften nicht allgemein als arbeitsscheu verurteilt werden, sondern müssten angesichts des zunehmenden Burn Outs gegen derartige Untergriffe verteidigt werden, damit es nicht auch in Österreich zu Tragödien wie derjenigen in Winnenden am Mittwoch kommen könne. Schülergewalt sei auch in Österreich durchaus ein Thema, selbst in Rosenkranz' Heimatstadt Krems sei ein Schuldirektor von einem Schüler mit einem Baseball-Schläger krankenhausreif geschlagen worden.

Leider genössen die Lehrer nicht mehr das Ansehen der Dorfschulmeister von einst, so Rosenkranz weiter. Es gebe etwa auch Lehrer, die ihre Interessen hauptsächlich im privaten Bereich hätten, was viele andere, engagierte Lehrer brüskiere. Auch gehe es heutzutage in den Schulen nicht mehr darum, ob Schüler etwas gelernt hätten, sondern ob sie sich wohlgefühlt hätten - Tage des Baums, -des Wassers oder -des Apfels würden vom eigentlich wichtigen Unterricht ablenken.

Abschließend brachte Rosenkranz einen Entschließungsantrag der FPÖ über grundlegende Reformen im Bildungswesen anstelle einer Sündenbockpolitik ein, der wichtige freiheitliche Forderungen an eine österreichische Bildungspolitik enthält, darunter die Schaffung eines zeitgemäßen Dienstrechts sowie adäquater Arbeitsplätze für Lehrer, ein verpflichtendes Vorschuljahr für Kinder mit nichtdeutscher Muttersprache bzw. freiwillig für deutschsprachige Kinder, Notenvergabe nach zentralen Standards, Wiedereinführung der Beurteilung der äußeren Form der Arbeiten sowie verpflichtender Verhaltensregeln, Wiedereinführung der Betragensnote in den 4. Hauptschulklassen, einen maximalen Schüleranteil von 30% von Schülern mit nichtdeutscher Muttersprache, Beibehaltung des differenzierten Schulsystems ohne weitere Ausweitung des Systems "Neue Mittelschule", Aufwertung von berufsbildenden mittleren und höheren Schulen um je eine Bildungsstufe, Schulakkreditierungsgesetz, Zentralmatura, Eingliederung des postsekundären Bildungssektors in das tertiäre Bildungssystem, Überleitung der PHs in Universitäten, Abschaffung des Finanzierungsverbotes des Bundes von Privatuniversitäten und vieler anderer.

 

 Haubner regt Koalitionsausschuss an
Der BZÖ-Antrag ist eine Kombination aus Schulreform- und Konjunkturantrag
Wien (bzö) -
"SPÖ und ÖVP sollten rasch den Koalitionsausschuss einberufen und die derzeitigen Differenzen in der Lehrer-Debatte ausräumen. Es ist höchst an der Zeit, dass die Regierungsparteien darüber reden, was die Schule und vor allem die Schüler brauchen", schlug BZÖ-Bildungssprecherin Abg. Ursula Haubner vor.

Dringend notwendig seien pädagogische, finanzielle und organisatorische Investitionen, die alle im Interesse der Schüler stehen sollten. "Unsere Jugend muss individuell gefordert und gefördert werden; vor allem aber müssen die jungen Menschen erfolgreich lernen können. Begleitet von Lehrern, die - bestens ausgebildet - mit Freude unterrichten, und die Schüler mögen", betonte Haubner.

Rasch müsse daher eine schon längst überfällige Generalreform in Angriff genommen werden, denn jede Umstrukturierungen dauere mindestens zehn Jahre. "Wir brauchen diese Investitionen wie ein nachhaltiges Konjunkturpaket. Auch eine Erhöhung des Bildungsbudget ist dringend notwendig. Wir benötigen für die nächsten fünf Jahre zwei Milliarden Euro", forderte Haubner.

Der BZÖ-Antrag ist eine Kombination aus Schulreform- und Konjunkturantrag. "Schule" müsse ein attraktiver Arbeitsplatz für Schüler und Lehrer sein", so Haubner. Sie forderte einen entsprechenden "Bürostandard" für administrative und pädagogische Zwecke . Auch eine Tagesbetreuung müsse möglich sein. Haubner fordert darüber hinaus ein neues Dienst- und Besoldungsrecht für Pädagogen. Der Bund solle künftig für die Gesetzgebung, die Länder für die Vollziehung zuständig sein.

 

Gangl: Lehrerinnen und Lehrer in NÖ gehen in die unfreiwillige Arbeitslosigkeit
An einzelnen Standorten könnten Lehrerinnen und Lehrer als Folge dieser Maßnahme teilweise nur mehr ein Viertel einer vollen Lehrverpflichtung unterrichten
Wien (göd) - Ab September 2009 würden sehr viele Kolleginnen und Kollegen durch die von BM Dr. Schmied geplante Erhöhung der Lehrverpflichtung ihren Arbeitsplatz verlieren, stellt Roland Gangl, Vorsitzender der Fraktion Christlicher Gewerkschafter der berufsbildenden mittleren und höheren Schulen in Niederösterreich, fest. Wie zahlreiche Direktorinnen und Direktoren an Niederösterreichs Schulen bestätigten, werde es in allen Unterrichtsgegenständen zu Freisetzungen kommen. Dies betreffe vor allem junge Kolleginnen und Kollegen mit befristeten Verträgen, die seit Jahren höchst engagiert und erfolgreich im Unterricht eingesetzt sind. Die Aussage von Frau BM Schmied, dass keine Lehrerinnen und Lehrer ihre Beschäftigung verlieren würden, könne Roland Gangl nicht nachvollziehen. Da Lehrerinnen und Lehrer nur im Unterricht einzusetzen seien und nicht in der Verwaltung, müssten sie daher in absehbarer Zeit den Weg zum Arbeitsmarktservice antreten.

An einzelnen Standorten könnten Lehrerinnen und Lehrer als Folge dieser Maßnahme teilweise nur mehr ein Viertel einer vollen Lehrverpflichtung unterrichten und müssten somit eine Gehaltskürzung hinnehmen. BM Schmied werde auch dafür verantwortlich sein, dass es zu keinen Neuanstellungen im Bereich der berufsbildenden mittleren und höheren Schulen in Niederösterreich kommen werde.

BM Schmied sei aber anscheinend der Ansicht, dass Lehrerinnen und Lehrer an berufsbildenden mittleren und höheren Schulen die Zeche für ihre bildungspolitischen Programme zu zahlen hätten, meint abschließend Roland Gangl.
 

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