Klimafreundlicher Urlaubs- und Freizeitverkehr als Chance für den Tourismus   

erstellt am
12. 03. 09

10. Alpenkonferenz in Evian – umweltfreundlicher Tourismus und Verkehr sowie die Deklaration „Bevölkerung und Kultur“ sind Österreich-Schwerpunkte
Wien (bmlfuw) - „Um das grandiose Naturerbe des sensiblen Alpengebiets auch zukünftigen Generationen zu erhalten, müssen wir verstärkt auf eine umweltfreundliche Tourismusmobilität setzen und sie darüber hinaus als Chance für wirtschaftlichen Erfolg von innovativen Betrieben nutzen“, unterstrich Lebensministeriums-Sektionschef Günter Liebel am 12.03. bei der 10. Alpenkonferenz in Evian (Frankreich) in Vertretung von Umweltminister Niki Berlakovich. Bei der Konferenz diskutierten die UmweltministerInnen der Alpenanrainerstaaten einen Aktionsplan, der die Alpen zu einer Vorbildregion bei Strategien im Zusammenhang mit dem Klimawandel machen soll.

Zentraler Schwerpunkt für Österreich ist dabei der Tourismusverkehr im sensiblen Alpengebiet. Besonders durch die individuelle An- und Abreise mit PKW entsteht eine große Verkehrsbelastung in den Urlaubsgebieten, die zunehmend die Attraktivität vieler Orte beeinträchtigt und 50 bis 70 Prozent der Umweltfolgen des Tourismus verursacht. „Hier geht es keinesfalls darum, auf Urlaubsreisen zu verzichten, sondern darum, bei Reisen und Freizeitaktivitäten umweltfreundliche Alternativen zum Auto - wie etwa die Bahn - zu forcieren“, betonte Liebel.

Studie zum Reiseverhalten im Alpentourismus
Österreich hat zu diesem Thema gemeinsam mit Frankreich die Erstellung einer Studie koordiniert, die bei der 10. Alpenkonferenz präsentiert wurde. Dabei wurden die Umsetzungsmöglichkeiten der in der Studie vorgeschlagenen Verbesserungsmaßnahmen diskutiert, wie etwa verbesserte, grenzüberschreitende Dienstleistungen des öffentlichen Verkehrs oder die Anbindung der überregionalen Verbindungen an die regionale Mobilität. Projekte zum Themenkreis haben gezeigt, dass Gäste tendenziell dann umweltfreundliche Verkehrsmittel nutzen, wenn das Angebot attraktiv ist. Dazu braucht es aber auch eine verbesserte Information über umweltfreundliche Reiseangebote sowie eine verstärkte Zusammenarbeit der Stakeholder in Verkehr, Tourismus und Regionalentwicklung.

Als Teil der grenzüberschreitenden Untersuchung des Reiseverhaltens im gesamten Alpenraum hat das Umweltbundesamt im Auftrag des Lebensministeriums eine nationale Studie durchgeführt. Die beteiligten Regionen waren Gesäuse, Dachstein-Tauern, Weißensee, Phyrn-Priel, Salzkammergut, Tennengau, Pongau, Nationalpark Hohe Tauern, Zillertal, Arlberg, Bregenzerwald, Montafon und die Stadt Graz. Der Studie zufolge reist lediglich ein geringer Teil der Urlaubsgäste mit der Bahn oder dem Bus an, 80 bis 90 Prozent nutzen den eigenen PKW.

Österreichischer Siegerpreis für nachhaltiges und innovatives Tourismusprojekt
Im Rahmen der 10. Alpenkonferenz in Evian wurden auch die Preise zum Wettbewerb für nachhaltige und innovative Tourismusprojekte vergeben. Es gab insgesamt 29 Einreichungen aus Österreich, Frankreich, Italien, der Schweiz, Slowenien und Deutschland. Eine internationale Jury wählte aus jedem Land ein Siegerprojekt. Für Österreich heimste das Projekt „Solare Mobilität Südkärnten/Karawanken“ den Preis ein. Dabei wurde ein Konzept zum Naturerlebnis auf Elektrofahrrädern mit den Angeboten des öffentlichen Verkehrs verknüpft und für die Region entwickelt und umgesetzt.

Kulturelle Potenziale im ländlichen Raum nutzen
Weiterer Schwerpunkt bei der Alpenkonferenz war für Österreich die Deklaration „Bevölkerung und Kultur“, die von den UmweltministerInnen der Vertragsparteien der Alpenkonvention beschlossen wurde. Sektionschef Günter Liebel setzte sich für eine stärkere Berücksichtigung der Deklaration ein und wies in diesem Zusammenhang auf den Zertifikatslehrgang „Forst+Kultur“ hin: „Diese Initiative, die vom österreichischen Lebensministerium federführend entwickelt wurde, zielt auf eine praxisnahe Nutzung kultureller Potenziale des ländlichen Raumes ab und leistet einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung der Deklaration“, so Liebel. Die TeilnehmerInnen des Lehrgangs entwickeln in den Bereichen Archäologie, Denkmalpflege, Regionalentwicklung und Tourismus sofort umsetzbare Projekte für die eigene Region.

Die Alpenkonferenz ist das wichtigste Gremium der Alpenkonvention, die ein rechtsverbindliches Instrument für die gesamte Alpenregion darstellt. Zielsetzung der Konvention ist die nachhaltige Entwicklung dieser bedeutendsten Bergregion Europas. Die Vertragsparteien sind Österreich, Frankreich, Italien, Deutschland, Schweiz, Slowenien, Liechtenstein, Monaco und die Europäische Gemeinschaft. Dies teilt das Lebensministerium abschließend mit.
     
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