Mailath übergibt Makart-Gemälde an Enkel von H.M. Gutmann   

erstellt am
01. 04. 09

Wien (rk) - Am Nachmittag des 31.03. übergab Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny im Wien Museum das von Hans Markart (1840-1884) gemalte Bild "Pappenheims Tod" an die Rechtsnachfolger des seinerzeitigen Besitzers Herbert M. Gutmann (1879 - 1942). Gutmann, aus Dresden stammend, war seinerzeit Vorstandmitglied der Dresdner Bank und Vorstandvorsitzender der deutschen Orientbank. Zu seinen umfangreichen Sammlungen gehörte u.a. auch Markarts Gemälde. Die Übergabe erfolgt außerhalb des Restitutionsgesetzes und basiert auf einer Entscheidung des Wiener Gemeinderates vom Juni 2008.

"Uns ging es darum, rasch zu handeln und in diesem bislang einmaligen Fall die zeitliche Beschränkung des Restitutionsgesetzes zu Gunsten einer moralischen Verpflichtung aufzuheben", betonte Mailath. Dies sei ein ganz besonderer Moment für ihn, so der Stadtrat, man wolle in ähnlich gelagerten Fällen auch in Zukunft so handeln. Das Gemälde "Pappenheims Tod", das 1861/62 entstanden ist, ist in zweierlei Hinsicht ein Sonderfall. Erstens, da es dem Besitzer vor 1938 "entzogen" wurde und der Fall damit außerhalb des Wiener Gemeinderatsbeschlusses von 1999 liegt, wonach entzogene Kunst- und Kulturgegenstände zwischen 1938 und 1945 zu restituieren sind. Zweitens, weil das Bild nicht in Österreich, sondern im nationalsozialistischen Deutschland "entzogen" wurde.


Stand der Restitution in Wien
Die Museen der Stadt Wien und die Wienbibliothek im Rathaus haben über 50.000 Erwerbungen aus der NS-Zeit und teilweise darüber hinausgehend auf ihre Rechtmäßigkeit und ihre Vorbesitzervermerke überprüft. Dabei wurden aus dem Bestand der Wiener Museen 2.900 Objekte und aus jenem der Wienbibliothek knapp 2.400 Objekte bzw. Kunstgegenstände an die ehemaligen Eigentümer bzw. deren Rechtsnachfolger übergeben. Der Fall Gutmann ist ein Sonderfall, da der Verlust des Kunstwerks im unmittelbaren Zusammenhang mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland steht. Gutmann musste das Bild im Jahr 1934 aufgrund von antisemitischen Anwürfen und einer ökonomischen Notlage veräußern. Heute, Dienstag, wurde das Bild unentgeltlich an Gutmanns Enkel Nicholaus Purbeck übergeben. "Ich danke dem Museum und der Stadt Wien, dass man so entschieden und die moralische Verpflichtung in diesem Fall erkannt hat. Dies ist ein bemerkenswerter Tag," zeigte sich dieser dankbar gegenüber der Stadt Wien.
     
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